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Fussball

Bayern: "Menschenrechtsverletzungen sind keine Kultur" - Katar-Debatte bringt Karl-Heinz Rummenigge in Bedrängnis

Von SPOX
Karl-Heinz Rummenigge, ZDF, Sportstudio, FC Bayern München

Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge hat in einem denkwürdigen Auftritt im "Aktuellen Sportstudio" seine harsche Kritik nach der Pannen-Anreise zur Klub-WM rechtfertigt und die Partnerschaft des FC Bayern München mit Katar mit Verweis auf Bundeskanzlerin Merkel verteidigt. Er sieht die Verantwortung für die aktuelle Fußballdebatte bei der UEFA. Der SPOX-Liveticker zum Nachlesen.

Der Fußball nehme während der Corona-Pandemie keine Sonderrolle in Anspruch, sagte Rummenigge, man übe vielmehr einen Beruf aus. Seinen Ausbruch ("lächerliche Nummer", "fühlen uns verarscht") nach der Pannen-Anreise zur Klub-WM, als die Mannschaft des FC Bayern wegen einer fehlenden Abfluggenehmigung im Flugzeug am Berliner Flughafen übernachten musste und die Reise nach Katar mit einer siebenstündigen Verspätung aufnehmen konnte, rechtfertigte er mit der allgemeinen Stimmung inmitten der Pandemie.

"Haben Sie schon mal sieben Stunden auf der Piste im Flugzeug verbracht?", frage Rummenigge. Durch Corona seien alle nervös. "Ich habe diese Woche den Herrn Altmaier, den Wirtschaftsminister, im Fernsehen gesehen. Er hat überarbeitet ausgeschaut. Angespannt und kaputt. Wir sind alle kaputt", sagte er.

Die viel diskutierte Partnerschaft des FC Bayern mit dem Emirat Katar verteidigte Rummenigge erneut leidenschaftlich, wirkte aber von den bohrenden Nachfragen von ZDF-Moderator Jochen Breyer überrascht und teils überrollt. Man müsse "bei Katar berücksichtigen, dass es ein relativ junges Land ist. Man muss, was Menschen- und Arbeitsrechte umgeht, Geduld haben. Es ist eine andere Kultur, es ist eine andere Religion", sagte Rummenigge. Breyer daraufhin: "Menschenrechtsverletzungen sind keine Kultur."

Rummenigge entgegnete, dass das Kafala-System (ein als ausbeuterisch klassifiziertes, teils sogar als modernes Sklaventum bezeichnetes System, unter dem Arbeitsmigranten vor allem in der arabischen Welt leiden) nicht von Arabern eingeführt worden sei: "Das waren die Engländer".

FC Bayern: Rummenigge im Sportstudio - Der Liveticker zum Nachlesen

An der Torwand bleibt Karl-Heinz Rummenigge bei sechs Versuchen ohne Treffer.

Rummenigge über seine Pläne für 2022:

"Das weiß ich noch nicht. Ich schließe nichts aus. Ich werde mir erst mal eine Pause gönnen und dann schließe ich auch nicht aus, dass es das dann mit dem Fußball war. Ich werde 66 Jahre alt, da gehen viele in Rente, vielleicht gehe ich dann auch in Rente."

Rummenigge über seinen größten Misserfolg beim FC Bayern:

"Ich habe Jürgen Klinsmann als Trainer verpflichtet, aber es hat nicht funktioniert. Das tut mir leid, Jürgen war dann nicht mal ein Jahr da."

Rummenigge über Katar: "Fußball kann nicht die ganze Welt verbessern"

Rummenigge verteidigt erneut die Partnerschaft des FC Bayern mit Katar. Kanzlerin Angela Merkel habe vor einigen Jahren bei einer Mittelstandstagung aufgefordert, Handel mit Katar zu betreiben. Man sei beim FC Bayern überzeugt, dass "wir im Dialog viel mehr erreichen." Man müsse "bei Katar berücksichtigen, dass es ein relativ junges Land ist. Man muss, was Menschen- und Arbeitsrechte umgeht, Geduld haben. Es ist eine andere Kultur, es ist eine andere Religion."

Breyer hakt stark nach: "Menschenrechtsverletzungen sind keine Kultur." Rummenigge scheint kurz baff, fängt sich aber wieder: Das Kafala-System (ein als ausbeuterisch klassifiziertes, teils sogar als modernes Sklaventum bezeichnetes System, unter dem Arbeitsmigranten vor allem in der arabischen Welt leiden) sei "nicht von Arabern eingeführt worden. Das waren die Engländer". Zudem sei das System abgeschafft oder werde gerade abgeschafft: "Seit Katar den Zuschlag für die WM 2022 bekommen hat, entwickelt sich dieses Land. Katar ist schon ein gehöriges Stück nach vorne gekommen." In Katar werde bald ein Mindestlohn eingeführt. Man sei im permanentem Dialog. Aber: "Der Fußball kann die Welt ein Stück verbessern, aber er kann nicht die ganze Welt verbessern."

Rummenigge über Gehälter in Zeiten von Corona:

Breyer: "Hätten Sie Upamecano mehr Gehalt zahlen müssen vor der Pandemie als jetzt?" - Rummenigge: "Die Transfersummen sind schon gesunken, das hat man auch bei Leroy Sane gesehen. Und das war auch nötig. Das Gehaltniveau ist noch nicht angepasst auf Corona. Das hat sich noch nicht bemerkbar gemacht. Aber vielleicht im Sommer: Alles, was ich aus dem Süden Europas, aber auch aus England und Deutschland höre, ist, dass die Liquidität nicht mehr so da ist wie früher. Und dann werden auch die Gehälter angepasst werden müssen. Die Gehaltsobergrenze ist schon 2008 diskutiert worden. Das wurde damals komplett abgelehnt, weil es mit den Wettbewerbsgesetzen nicht vereinbar war. Vielleicht akzeptiert man jetzt ein Salary Cap, weil wir Corona haben. Alternativ könnte man das Financial Fairplay stringenter machen und klare Strafen aussprechen bei Verstößen."

Rummenigge: "Müssen aufpassen, dass wir aus Fußballdebatte keine Neiddebatte machen"

"Wir wollen keine Sonderrolle. Wir können nicht bei der UEFA sagen, wir spielen nicht. Die UEFA zwingt uns zu spielen. Man darf dem deutschen Fußball keinen Vorwurf machen, dass Leipzig nach Budapest reisen musste, dass Mönchengladbach nach Budapest reisen muss. Das ist keine Entscheidung der deutschen Klubs, sondern der UEFA. Sie ist diskussionswürdig. Aber wir üben unseren Beruf aus und versuchen, unseren Beruf aufrecht zu erhalten. Allein ich wurde in Doha dreimal getestet. Die Spieler sind jeden Tag getestet worden und trotzdem gibt es leider den Fall Thomas Müller."

Als Breyer nicht lockerlässt und immer wieder nachhakt, sagt Rummenigge irgendwann: Man müsse "aufpassen, dass wir aus der Fußballdebatte keinen Neiddebatte machen". Man habe Spieler mit "wahnsinnig hohen Gehältern. Mir wird es ein bisschen zu sehr in die Richtung interpretiert, die sind privilegiert, die dürfen spielen, die Spieler verdienen unglaublich hohe Gehälter." Natürlich sei man sind privilegiert, weil man spiele könne.

Rummenigge: "Wir sind alle kaputt"

Über seine Aussage beim Pannen-Anflug nach Katar zur Klub-WM: "Haben Sie schon mal sieben Stunden auf der Piste im Flugzeug verbracht?" Er wiederholt: Durch Corona seien alle nervös. "Ich habe diese Woche den Herrn Altmaier, den Wirtschaftsminister, im Fernsehen gesehen. Er hat überarbeitet ausgeschaut. Angespannt und kaputt. Wir sind alle kaputt."

Rummenigge: "Nehmen keine Sonderwürste in Anspruch"

Breyer: Herr Rummenigge, wo ist die Demut hin? Er antwortet: "Ich glaube nicht, dass wir Sonderwürste in Anspruch nehmen. Wir sind auch nervös, wir sind auch angespannt." Zum Thema Impfen: "Vielleicht habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Was ich sagen wollte, war: Wenn genug Impfstoff zur Verfügung steht, könnten wir als Profisportler als Vorbilder gelten und den Menschen die Angst nehmen." Corona "zehrt an den Nerven. Bei uns allen."

Rummenigge über Süle: "Werden Gespräche führen"

"Wir wollen die guten deutschen Nationalspieler beim FC Bayern haben. Niklas hat noch ein Jahr Vertrag. Werden Gespräche führen und sehen, wohin die führen. Werden uns das bis zum Sommer seriös und in Ruhe anschauen. Corona hat beim FC Bayern auch finanzielle Schäden hinterlassen. Wenn wir eine Lösung finden, sind wir grundsätzlich gerne bereit, den Vertrag zu verlängern, aber das wird nur zu gewissen Konditionen möglich sein."

Rummenigge über das 3:3 gegen Bielefeld und das 1:2 in Frankfurt

"Wir wollen Deutscher Meister werden. Wir haben in dieser Woche fünf Punkte liegen gelassen, das ist nicht unbedingt das, was wir uns vorgestellt haben. Aber: Fußball muss Emotion sein und das bietet die Bundesliga in dieser Woche."

Rummenigge: "Rose wird sich das gut überlegt haben"

Nun geht es um den Wechsel von Trainer Marco Rose von Borussia Mönchengladbach zu Borussia Dortmund zur neuen Saison. "Er wird sich das gut überlegt haben. Er ist ein interessanter Trainer, hat zweimal gute Arbeit geleistet (Salzburg und Mönchengladbach, die Red.), er hat die Möglichkeit gehabt, Max Eberl hat ihm diese Möglichkeit eingeräumt im Vertrag. Wir müssen alle etwas unaufgeregter umgehen mit solchen Dingen. Es ist Teil unseres Geschäftes, dass Spieler oder auch Trainer ihre Arbeitgeber wechseln", rät Rummenigge. "Ich habe was von Söldnertum gelesen." Das sehe er anders.

Rummenigge über Schalke 04

Breyer: "War's das für Schalke?" Rummenigge: "Mathematisch noch nicht. Aber die Spiele werden weniger." Außerdem habe er "Mitleid mit Schalke", als gebürtiger Lippstädter habe er damals viele Spiele mit dem "großen Libuda" gesehen.

Rummenigge über seinen ersten Auftritt im "Sportstudio"

"1976 war das. Damals wurde man im 'Sportstudio' noch zur Nationalmannschaft eingeladen", erinnert sich Rummenigge auf die Frage, ob er sich an seinen ersten Auftritt in der Sendung erinnern könne. Im folgenden Einspieler erlebt man einen sehr nervösen 21 Jahre alten Rummenigge. Der damalige Moderator Dieter Kürten rät dem aufgeregten Jung-Stürmer und Bald-Nationalspieler sogar: "Geben Sie etwas mehr Druck auf die Stimme". "Ich hatte Pulsschlag 180", stellt Vorstandschef-Routinier Rummenigge im Rückblick fest. Danach darf er sich mit uns allen das 4:0 des BVB im Revierderby gegen Schalke ansehen.

Beginn der Sendung

Karl-Heinz Rummenigge wird im Einspieler eingeführt als Chef des momentan so erfolgreichen Klubs wie nie zuvor. Moderator Jochen Breyer begrüßt: "Schön, dass sie heute da sind." Rummenigge: "Bitte". Breyers erste Frage richtet sich dann nach den Gründen für die 1:2-Niederlage gegen Frankfurt: "War es zu anstrengend zuletzt?" Ist der Sound des Gesprächs damit gesetzt? Das ZDF hat angekündigt, dass auch die Streitthemen der letzten Wochen Thema sein sollen. Stichworte Katar, Corona, Impfen.

Vor Beginn

Am Nachmittag hat der FC Bayern mit 1:2 bei Eintracht Frankfurt verloren. Es war das zweite sieglose Spiel für die Münchner in Folge nach dem Triumph bei der Klub-WM in Katar. Ein weiteres Gesprächsthema für Breyer und Rummenigge.

Vor Beginn

Auch die Kaderplanung des FC Bayern für die kommende Saison soll thematisiert werden. Mit Dayot Upamecano hat der Rekordmeister bereits einen Hochkaräter verpflichtet. Für den 22 Jahre alten Innenverteidiger fließen 42,5 Millionen Euro an RB Leipzig. Auf welcher Position wollen die Münchner noch aufrüsten und was ist im Hinblick auf die Coronakrise überhaupt noch finanziell möglich?

Vor Beginn

Unter dem Hashtag #fragkalle könnt ihr dem Sportstudio übrigens auf Twitter Fragen übermitteln, die Kollege Breyer Bayerns Vorstandsvorsitzenden während der Sendung stellen soll.

Vor Beginn

Auch zur Kritik an der Reise zur Klub-WM in Katar und dem damit verbundenen Flugchaos wird sich Rummenigge wohl äußern müssen. Für Ehrenpräsident Uli Hoeneß war die verspätete Abreise "ein Skandal ohne Ende", für Rummenigge "eine lächerliche Nummer", in deren Folge man sich "verarscht" vorgekommen sei. Hier könnt Ihr den entsprechenden SPOX-Kommentar lesen.

Vor Beginn

Rummenigge hatte zuletzt für viel Wirbel gesorgt. Nach seiner Auffassung könnten Fußballprofis Vorbilder bei der Impfung gegen das Coronavirus sein. "Lässt sich beispielsweise ein Spieler des FC Bayern impfen, wächst das Vertrauen in der Bevölkerung", sagte er bei Sport1: "Denn ich weiß als ehemaliger Fußballer, was der Körper für einen Sportler bedeutet: Alles. Wir wollen uns überhaupt nicht vordrängen, aber Fußballer könnten als Vorbild einen gesellschaftlichen Beitrag leisten." Der Vorschlag, der bei vielen Politikern nicht wirklich gut ankam, ist nur eines der Themen, die besprochen werden.

Vor Beginn

Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge ist heute im aktuellen Sportstudio zu Gast. Die Sendung im ZDF beginnt um 23 Uhr.

FC Bayern: Die kommenden Spiele

DatumWettbewerbGegnerOrt
20.02.2021BundesligaEintracht FrankfurtA
23.02.2021Champions LeagueLazio RomA
27.02.2021Bundesliga1. FC KölnH
06.03.2021BundesligaBorussia DortmundH
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