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Fussball

Schalke 04 hinterlässt erneut viele Fragezeichen: Offensiver Offenbarungseid, defensiver Blackout

Von Philipp Schmidt
Salif Sane verschuldete mit einem Handspiel den Elfmeter für den VfB Stuttgart.

Der FC Schalke 04 hat auch gegen Aufsteiger VfB Stuttgart kein wirkliches Lebenszeichen im Tabellenkeller gesendet und kam nicht über ein 1:1 hinaus (die Highlights im Video). Dass der Punkt gegen mutige Schwaben glücklich war, spricht Bände über den Zustand von Königsblau. Zum nächsten Offenbarungseid in der Offensive gesellte sich ein kaum erklärbarer Blackout einer der wenigen Konstanten am anderen Ende des Feldes.

Die 30. Minute der Begegnung Schalke gegen Stuttgart hätte in den Saisonrückblick aller S04-Fans als Moment eingehen können, der die Spielzeit endlich zum Guten wendet: Youngster Malick Thiaw hatte die Königsblauen mit seinem ersten Bundesligatreffer nach einer Freistoßflanke von Amine Harit per Kopf in Front gebracht. Vorausgegangen war ein völlig unnötiges Foul von Stuttgarts Marc-Oliver Kempf. Am langen Pfosten war das 19-jährige Eigengewächs seinem Gegenspieler Orel Mangala entwischt.

Auch die Statistiken durften Schalke Mut machen, dass die Schwaben der richtige Gegner für einen Befreiungsschlag sein könnten: Die vergangenen acht Bundesliga-Partien gegen den VfB hatte S04 nicht verloren, sechs davon sogar gewonnen. Eine längere Serie gibt es nur gegen Bielefeld, den zweiten Aufsteiger. Und: Gegen kein anderes Team hat Schalke in der Bundesliga so viele Heimsiege gefeiert wie gegen Stuttgart.

In der Tat konnte man im Anschluss an den Thiaw-Kopfball den Eindruck gewinnen, dass die zuvor erneut verunsicherten Schalker zumindest etwas selbstbewusster auftraten und tatsächlich daran glaubten, dass der Negativlauf von 21 Spielen ohne Sieg ein Ende nehmen könnte.

Die vorherigen Minuten hatte der VfB, war früh durch Mateo Klimowicz zu einer guten Chance gekommen und gefiel durch eine klare Spielstruktur und bissiges Zweikampfverhalten. Aus einem dicken Bock von Schalke-Keeper Frederik Rönnow konnte Tanguy Coulibaly kein Kapital schlagen. "Mitte zu" und "anbieten" brüllte ein unzufriedener Manuel Baum in dieser Phase durch die fast menschenleere Veltins-Arena.

Schalke 04: Thiaw trifft per Kopf, Sane verschuldet Elfmeter

Amine Harit und Can Bozdogan, die dafür zuständig waren, im defensiven Umschaltverhalten die Räume zwischen den Ketten zu schließen, zeigten immer wieder Abstimmungsschwierigkeiten und kamen einen Schritt zu spät. Die wenigen klaren Stuttgart-Chancen in Halbzeit eins resultierten aus Anspielen an den Strafraum durch die Mitte. Diese Probleme sollten in der Folge immer wieder auftreten.

Nachdem S04 kurz vor der Pause eine aussichtsreiche Kontergelegenheit über Mark Uth und Goncalo Paciencia kläglich vergeben hatte, wagten sich die Hausherren auch nach der Pause etwas mutiger nach vorne. Genau elf Minuten hielt diese Entwicklung an, ehe Salif Sane einen Kopfball des eingewechselten Nicolas Gonzalez' mit ausgestrecktem Arm blockte, der Argentinier blieb vom Punkt eiskalt. Es war bereits der vierte Elfmeter gegen Schalke in dieser Saison (Höchstwert in der Liga), alle waren drin.

Sane hatte seiner Mannschaft mit dieser Aktion einen Bärendienst erwiesen, bereits zuvor war der Senegalese vor allem dadurch auffällig, dass er sich mehrere haarsträubende Fehlpässe erlaubte. Mitte der ersten Halbzeit landete ein einfacher Passversuch im Seitenaus, weitere Unzulänglichkeiten des Mannes, der als Säule im Defensivzentrum eine wichtige Rolle auf Schalke einnimmt, sollten im zweiten Durchgang folgen. Dass es die Schalker Offensive besser machen würde, sollte ein frommer Wunsch bleiben.

Nach dem Ausgleich nahm die Dominanz des VfB im Mittelfeldzentrum mehr und mehr zu, besonders der bärenstarke Japaner Wataru Endo prägte das Spiel. Uth fabrizierte fast ein Eigentor (61.), das so gut zur Schalker Situation gepasst hätte, Sosa prüfte Rönnow (67.), Gonzalez köpfte über den Kasten (69.). Schalke wurde immer passiver, die Unsicherheit, die noch der Führung zu Beginn für wenige Minuten verblasst schien, war in voller Pracht zurück. Stürmer Paciencia gelang das Kunststück, den Ball in seinen 93 Minuten auf dem Feld kein einziges Mal im Strafraum der Gäste zu berühren.

Schalke holt schmeichelhaften Punkt gegen Aufsteiger

Auch nach der Auswechslung von Matija Nastasic und der Umstellung auf eine Viererkette zur Stärkung des Mittelfeldes blieb der VfB gefälliger und war mit Abschlüssen von Castro, Mangala und erneut Gonzalez deutlich näher am Sieg als die Königsblauen. Daran konnte auch eine Schalker Großchance durch Raman in der Nachspielzeit nichts mehr ändern - diese entsprang mehr dem Zufall als spielerischer Klasse.

Positiv auf Schalker Seite? Trainer Manuel Baum analysierte den Auftritt seiner Mannschaft im Anschluss treffend: "Im letzten Drittel sind wir zu harmlos. Kontersituationen haben wir verstolpert, Stuttgarts Torwart musste keinen Ball halten." Vor allem nach der Pause sei sein Team "in alte Muster verfallen" und habe zu häufig ihr Glück in Einzelaktionen gesucht. "Das ist bei weitem nicht so, wie wir uns das vorstellen", sagte der studierte Sport- und Wirtschaftslehrer und verteilte eine "3- bis 4" an seine Elf.

Am Ende des Spiels stand bei den expected goals eine 1,57 aufseiten der Gäste, während Schalke lediglich auf einen Wert von 0,73 kam - das Ergebnis von einer Torschussbilanz von 9:19. So war es auch kein Zufall, dass die Stuttgarter, die in den sechs Spielen in dieser Saison genauso viele Punkte holten (neun) wie S04 seit dem letzten Sieg, enttäuscht den Heimweg antraten: "Wir waren viel näher am Tor als Schalke und ein Sieg wäre in Ordnung gewesen", erklärte VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo und erhielt Zustimmung von seinem Kapitän Gonzalo Castro: "Wir hätten den Sieg verdient gehabt."

Somit erfüllte sich auch die Hoffnung von S04-Coach Baum nicht, der im VfB nach Niederlagen gegen Leipzig, Dortmund und den FC Bayern endlich einmal einen schlagbaren Kontrahenten auf den anderen Seite wähnte: "Stuttgart ist ein Gegner, gegen den wir deutlich bessere Chancen haben zu gewinnen", sagte Baum vor dem Spiel.

Nun muss der neue Schalker Übungsleiter weiter auf die Erfüllung seiner Analogie aus dem Bereich der Würzsaucen warten: "Wir sind wie eine neue Ketchup-Flasche, auf die man nach dem Öffnen erst noch einmal klopfen muss, damit etwas herauskommt. Wir klopfen noch." Das Klopfen geht weiter, wenn am kommenden Samstag das Kellerduell bei Mainz 05 wartet. Dann soll endlich der erste Bundesligasieg seit dem 17. Januar gelingen. Erst einmal steht aber am Dienstagnachmittag die Pflichtaufgabe im DFB-Pokal gegen Schweinfurt an.

Schalke 04: Die kommenden Spiele im Überblick

TerminWettbewerbHeimAuswärts
Di., 3.11., 16.30 UhrDFB-PokalSchweinfurt 05FC Schalke 04
Sa., 7.11., 15.30 UhrBundesligaMainz 05FC Schalke 04
Sa., 21.11., 15.30 UhrBundesligaFC Schalke 04VfL Wolfsburg
Sa., 28.11., 18.30 UhrBundesligaBorussia M'gladbachFC Schalke 04
So., 6.12., 18 UhrBundesligaFC Schalke 04Bayer Leverkusen
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