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Fussball

FC Schalke 04 - Wagner, Schneider und Co.: Das sind die größten S04-Probleme vor dem Schlüsselspiel gegen Werder Bremen

Von Stefan Rommel
Haben eine ungewisse Zukunft vor sich: Schalke-Trainer David Wagner und Sportvorstand Jochen Schneider.

Der erste Krisenherd der noch jungen Bundesligasaison entzündet sich nach dem 0:8-Debakel gegen den FC Bayern München beim FC Schalke 04 (die Higlights im Video). Trainer David Wagner kann die Zweifel an seiner Arbeit nicht widerlegen und gerät unter Beschuss. Auch deshalb steht am Wochenende gegen Werder Bremen schon ein echtes Schlüsselspiel an.

Vielleicht hat das etwas von sportlicher Todessehnsucht, wenn der FC Schalke für diese Saison das Ziel formuliert: Wir wollen unbedingt auch in der kommenden Saison wieder in der Münchner Allianz Arena spielen. Ein paar Tage nach dem 0:8, der höchsten Schalker Niederlage seit 51 Jahren, erscheint dieser Wunsch auf den ersten Blick etwas masochistisch. Aber im Grunde dürfte es für Schalke in den kommenden Monaten um nichts anderes gehen als die Sicherung seiner Existenz in der Bundesliga.

Die Demütigung gegen die Bayern offenbarte, was nicht nur notorische Kritiker nach den Eindrücken der letzten Monate, Wochen, Tage befürchtet hatten: Dem FC Schalke 04 steht nach dem Ende einer sehr komplizierten Saison eine neue, sehr komplizierte Saison bevor.

In der Sommerpause wies Trainer David Wagner seinen Klub nicht grundlos als arme Kirchenmaus aus, die Misswirtschaft der letzten Jahre multipliziert mit den Folgen der Coronakrise machten aus Schalke das Sorgenkind der Liga und damit auch einen personellen Umbruch im Kader nahezu unmöglich.

Es gab kaum Bewegung innerhalb der Mannschaft, lediglich zwei externen Zugängen stehen zwar auch nur drei Abgänge gegenüber - die haben es allerdings in sich. Mit Daniel Caliguiri verließ eine Stütze der vergangenen Jahre den Klub, dazu gingen Torhüter Alexander Nübel und mit Weston McKennie der talentierteste und werthaltigste Nachwuchsspieler im Kader. McKennie ist aber zunächst nur nach Turin verliehen, der ganz große Reibach bei einem Verkauf blieb also aus.

Schalke 04: Die Aussortierten sollen die Wende schaffen

Stattdessen holte Schalke Goncalo Paciencia, für den den dritten Angreifer von Eintracht Frankfurt sah Adi Hütter keine große Perspektive mehr, und den 36-jährigen Vedad Ibisevic. Das kann natürlich ganz wunderbar funktionieren: Paciencia erfindet sich auf Schalke neu, Ibisevic schießt für ein Butterbrot als Gage ein Tor nach dem anderen.

Es steckt aber die Rahmenbedingungen ganz gut ab, innerhalb derer Schalke agieren muss. Weshalb Trainer Wagner im Grunde mit dem Personal der letzten Saison arbeiten darf oder muss.

Unter ihm waren Spieler wie Ralf Fährmann, Bentaleb, Mark Uth und Sebastian Rudy auf Schalke nicht mehr wohl gelitten. Sie sollten oder durften gehen, wurden verliehen und sind jetzt nicht einfach nur wieder zurück - sondern standen am Freitagabend gegen die Bayern sofort in der Startelf.

Das sagt so einiges aus über das Mannschaftsgefüge, aber auch über die Leistungsfähigkeit des Kaders. Umso wichtiger wären die Impulse des Trainers gewesen in der für Schalke immerhin zwölf Wochen andauernden Sommerpause und Vorbereitung.

Schalke 04: Eklatante Schwächen in allen Spielphasen

Ohne die "Generalprobe" im DFB-Pokal rauschte Schalke dann aber nach teilweise peinlichen Auftritten in den Testspielen in die Partie gegen die Bayern und wurde in seine Einzelteile zerlegt. Nicht nur die acht Gegentore und die Gewissheit, dass das Ergebnis auch zweistellig hätte ausgehen können, waren so ernüchternd. Sondern die Art und Weise, wie die Mannschaft sich präsentierte und wie schlecht die Interaktion mit dem Trainer lief.

"Dass wir nach dem vierten, fünften Tor weiter nach vorne spielen wollten, das war naiv", sagte David Wagner nach dem 0:8 bei Bayern München. Was entweder bedeutet, dass die Mannschaft ihm in dieser Phase nicht zuhörte - oder die Marschroute nicht ändern konnte.

Insgesamt war kaum ein schlüssiges Schalker Konzept zu erkennen, in der Offensive blieb vieles so zusammenhanglos wie in den Spielen der letzten Rückrunde, als Schalke lumpige neun Tore in 17 Partien erzielte. Beim kleinsten Gegnerdruck kamen die langen Bälle, was natürlich auch dem Gegner geschuldet war. Trotzdem darf man von einer Bundesligamannschaft auch etwas mehr Positionsspiel erwarten.

Schalke 04: Kein Trainer holte weniger Punkte als Wagner in 34 Spielen

Noch schlimmer aber geriet die Defensivbewegung. Schon in Testspielen gegen unterklassige Gegner war Schalke nicht fähig, stabil im Block zu verteidigen. Gegen den KFC Uerdingen endete eine Partie dann 1:3, gegen die Bayern fast zweistellig. Die Mischung aus fehlendem Balldruck im Mittelfeld und einer hoch stehenden letzten Abwehrlinie ist absolut tödlich und fast schon eine Beleidigung für eine Mannschaft wie die Bayern, die zumindest noch so etwas wie Gegenwehr gewohnt sein sollten.

Die Besetzung der Abwehrkette mit drei eher langsamen Spielern und lediglich Ozan Kabak, der den Klub zudem noch verlassen könnte, als "echtem" Innenverteidiger ist fragwürdig, die Rückraumsicherung und das gegen die Bayern zum Teil völlig entblößte Zentrum nicht akzeptabel.

Erkenntnisse wie diese fallen sofort zurück auf den Trainer. Wagner gewann zuletzt am 18. Spieltag der letzten Saison ein Spiel, das war im Januar. Danach folgten 16 Spiele ohne Dreier mit zum Teil unglaublich schwachen Leistungen. Kein anderer Schalker Coach Trainer holte in seinen ersten 34 Bundesligaspielen mit den Königsblauen weniger Punkte als Wagner (39). Trotzdem hielten die Verantwortlichen am Trainer fest, Sportvorstand Jochen Schneider stärkte Wagner unmittelbar nach der Saison und dann noch einmal vor Beginn der neuen Spielzeit fast schon zu demonstrativ den Rücken.

Schalke 04: Die letzten fünf Trainer im Vergleich

NameAmtsantrittAmtsaustrittAmtszeitSpielePunkte/Spiel
David Wagner01.07.2019-449 Tage391,23
Huub Stevens14.03.201930.06.2019108 Tage101,00
Domenico Tedesco01.07.201714.03.2019621 Tage751,57
Markus Weinzierl01.07.201630.06.2017364 Tage501,52
Andre Breitenreiter01.07.201530.06.2016365 Tage441,59

Schalkes Vorstand Schneider baut Druck auf - und steht selbst unter Druck

Nach dem Debakel von München hörte sich das nun schon etwas anders an. "Ich erwarte gegen Bremen eine deutliche Leistungssteigerung, die sich auch im Ergebnis widerspiegelt", sagte Schneider der Bild-Zeitung. Das ist zwar nicht das Ultimatum, als das es gerne interpretiert wird, aber doch eine sehr deutliche Forderung. Spätestens jetzt ist die Maschine angelaufen, vermeintliche Nachfolger von Wagner werden bereits gehandelt - Schneider soll von S04-Aufsichtsräten nahegelegt worden sein, nach ihnen zu fahnden.

Das sollte er gemäß seiner Jobbeschreibung auch immer tun, nun bekommt Schneiders tägliche Arbeit aber einen neuen Anstrich. Bild hat Eurofighter Marc Wilmots, den früheren Mainzer Coach Sandro Schwarz und den notorischen Erneuerer Ralf Rangnick, schon zweimal auf Schalke aktiv, als Kandidaten ausgemacht.

In letzter Konsequenz geht es schließlich auch um Schneiders Entscheidung, an Wagner festzuhalten und mit ihm in die Saison zu gehen. Das war riskant genug nach den Eindrücken der letzten Rückrunde. Allerdings gab es ja auch noch eine Hinserie und in der punktete Schalke ziemlich gut. Also bekam Wagner die komplette Vorbereitung.

Ein möglicher Rauswurf in der Startphase einer Saison würde die etwas krampfhaft wirkenden Bemühungen um Kontinuität konterkarieren, ist angesichts des schweren Startprogramms - Schalkes erste drei Auswärtsgegner heißen oder hießen FC Bayern, RB Leipzig und Borussia Dortmund - aber auch nicht auszuschließen.

Schalke 04: Am Wochenende erstes Schlüsselspiel gegen Werder

Zwar ist erst eine Partie gespielt, die Vermutung, dass Wagner aus der Mannschaft aber nicht besonders viel mehr herausholen könnte als zuletzt gezeigt, liegt aber zumindest auf der Hand. Beim Spiel in München krempelte Wagner seine Startelf im Vergleich zum letzten Spiel der letzten Saison in Freiburg auf acht Positionen um, personelle Veränderungen gab es also genug. An der Spielweise der Mannschaft hat sich allerdings kaum etwas verändert. Schon in Freiburg setzte es eine peinliche 0:4-Klatsche.

Nun steht am Wochenende schon eine sehr brisante Partie an. Werder Bremen wird auf Schalke zu Gast sein. Auch das ein Klub, der wie Schalke aus einer desaströsen Saison kommt, bei dem alles besser werden sollte, der kaum Geld hat für neue Spieler und bei dem die Verantwortlichen am nicht mehr unumstrittenen Trainer festhielten.

Werder verlor sein Auftaktspiel gegen Hertha BSC mit 1:4 und zeigte, gelinde formuliert, eine diskutable Leistung. Es wird ein Schlüsselspiel für beide Klubs und vielleicht auch beide Trainer, ganz sicher aber für David Wagner. Brutaler Druck, und das am zweiten Spieltag einer Saison: Auch das schafft eigentlich nur der FC Schalke 04.

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