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Fussball

FC Schalke 04 auf Trainersuche: Darum ist Ralf Rangnick (vorerst) kein Thema bei S04

Ralf Rangnick kann sich eine Rückkehr zum FC Schalke 04 derzeit nicht vorstellen.

Die Fans von Schalke 04 würden Ralf Rangnick mit offenen Armen als Retter in der Not empfangen. Doch praktisch keine der Voraussetzungen, die der Ex-Leipziger erwartet, sind beim Bundesliga-Schlusslicht derzeit gegeben.

Es gibt schönere Aufgaben als im Moment Sportvorstand bei Schalke 04 zu sein. Sportlich und wirtschaftlich stehen die Zeiten schlecht, langjährige Fans fühlen sich bereits an die 80er Jahre erinnert, als die Königsblauen innerhalb von sechs Jahren dreimal aus der Bundesliga abstiegen.

Jochen Schneider muss angesichts leerer Kassen und einer aktuell nicht konkurrenzfähigen Mannschaft den Mangel verwalten. Umso schwieriger wird nun die Aufgabe, einen geeigneten Nachfolger für den entlassenen David Wagner zu finden, der dem Tabellenletzten neues Leben einhauchen kann.

Ein Wunschkandidat wäre für viele Anhänger Ex-Coach Ralf Rangnick, der nach seinem Aus bei Red Bull auch zur Verfügung stünde. "Natürlich werde ich dem Verein immer verbunden sein, auch von Herzen", hatte der 62-Jährige bei Sky gesagt und hinzugefügt: "Im Fußball nie zu sagen, macht auch nicht wirklich Sinn."

Benedikt Höwedes spricht sich für Ralf Rangnick aus

Entsprechend begeistert reagierten dessen Befürworter, etwa Benedikt Höwedes. "Ich würde mich freuen, wenn Ralf Rangnick zurückkommt. Er hat erfolgreich auf Schalke gearbeitet und kennt den Verein. Er ist ein Fußballfachmann, der etwas aufbauen kann", meinte der frühere Kapitän.

Doch schon am Tag danach nahm der potenzielle Hoffnungsträger allen Spekulationen den Wind aus den Segeln. "Ich kann mir zurzeit überhaupt nicht vorstellen, ein drittes Mal zu Schalke zu kommen, und schon gar nicht als Trainer, der kurzfristig die Negativ-Serie beenden soll", erklärte Rangnick der Funke Mediengruppe.

Gesamtpaket Rangnick ist für Schalke nicht zu stemmen

Realistisch war dieses Szenario ohnehin nicht gewesen, auch wenn der gebürtige Backnanger und sein schwäbischer Landsmann Schneider eng befreundet und in regelmäßigem Kontakt sind. Das Gesamtpaket ist für Schalke nicht zu stemmen, zumindest aktuell. Denn für Rangnick würde ein Comeback nur zu seinen Bedingungen ein Thema: Sportliche Alleinverantwortlichkeit, möglichst freie Hand bei Transfers und genügend Mittel für einen Neuaufbau des Teams.

"Ich glaube, dass Schalke schauen muss, wie sie sich für die Zukunft aufstellen, um in zwei oder drei Jahren wieder zu den Top acht in Deutschland zu gehören", hatte er bei Sky gesagt.

Zusammenarbeit mit Michael Reschke undenkbar

Davon aber ist der Klub momentan weit entfernt: Geld für Neuzugänge ist angesichts von mindestens 200 Millionen Euro Verbindlichkeiten praktisch nicht vorhanden, Schneider wird trotz aller Freundschaft kaum freiwillig vom Amt des Sportvorstands zurücktreten und auch eine Zusammenarbeit mit dem Technischen Direktor Michael Reschke ist kaum denkbar.

"Der Unterschied zwischen den beiden ist größer als zwischen dem Papst und Beate Uhse", sagt einer, der beide seit vielen Jahren kennt. "Und außerdem war Ralf Rangnick in den vergangenen 20 Jahren nicht mehr in einem Verein tätig, der kein Geld hatte."

In der Tat standen ihm bei seinen ersten beiden Gastspielen auf Schalke noch weit bessere finanzielle Möglichkeiten zur Verfügung, als das Team noch regelmäßig in der Champions League spielte. Noch besser ausgestattet war er als Coach bei Hoffenheim und als Sportchef und Teilzeit-Trainer bei Leipzig, wo er praktisch mit einer Carte Blanche ausgestattet über einen längeren Zeitraum Mannschaften aufbauen konnte, die er jeweils aus der Regionalliga in die Bundesliga führte. Diese Macht und Mittel würden aktuell auf Schalke fast komplett fehlen.

Ausgliederung der Profis könnte Rangnick-Comeback ermöglichen

So lange sich das nicht ändert, halten Insider einen Einstieg Rangnicks bei den Knappen daher für ausgeschlossen. Erst eine Ausgliederung der Profis aus dem eingetragenen Verein, der für frisches Geld sorgen würde, könnte daran etwas ändern. Doch der Weg dahin ist weit, zumal viele Mitglieder den Plan ablehnen und unbedingt eine dadurch mögliche Rückkehr von Clemens Tönnies als Investor verhindern wollen.

Somit vermuten manche Beobachter, Rangnick habe das Kokettieren mit einer Schalke-Rückkehr zur Werbung in eigener Sache genutzt, um sich für Klubs im Ausland interessanter zu machen. Angeblich soll Rangnick ein Kandidat bei der AS Rom und bei Klubs aus der Premier League sein. Seinem Freund Schneider hingegen hat er, wenngleich wohl unbeabsichtigt, damit keinen Gefallen getan, denn Schalkes Sportchef muss nun den Eindruck widerlegen, er habe Rangnick verhindert.

Und auch sonst ist Schneider nicht zu beneiden, denn seit Rangnicks letztem Abschied auf Schalke im September 2011 sind alle Nachfolger über kurz oder lang gescheitert. "Bei der Entscheidung steht Qualität vor Geschwindigkeit", erklärte Schneider daher über die Suche nach einem neuen Trainer. Als Favorit gilt derzeit der frühere Augsburger und aktuelle U20-Nationaltrainer Manuel Baum, zudem werden unter anderem Dimitrios Grammozis (zuletzt Darmstadt 98) und Valerien Ismael (zuletzt LASK) gehandelt, Marc Wilmots soll kein Thema mehr sein. Eine kleine Lösung im Vergleich zu Rangnick wird es in jedem Fall.

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