Fussball

Max Kruse nach Fenerbahce-Kündigung vor Bundesliga-Rückkehr: Ausgesungen im Ausland

Max Kruse gelangen im Trikot von Fenerbahce Istanbul sieben Tore und sieben Assists.

Nach einer Gesangseinlage, 14 Scorerpunkten und nicht einmal einem Jahr kündigte Max Kruse seinen Vertrag bei Fenerbahce Istanbul vorzeitig. Nun strebt er eine Rückkehr in die Bundesliga an.

Er kam in schwarzem Smoking, weißem Hemd, mit schwarzer Fliege und blondierten Haaren, dann begann er ein bisschen mit der Hüfte zu wippen und schließlich zu singen: "When marimba rhythms start to play. Dance with me, make me sway." Es war die Silvesternacht vor einem halben Jahr und Max Kruse war ziemlich angekommen in der Türkei. So angekommen, dass er sogar im türkischen Fernsehen auftrat.

"Ich habe hier sehr viele hilfsbereite und freundliche Menschen getroffen. Ich fühle mich wohl", sagte er, nachdem er mit dem Lied "Sway" von Dean Martin bei der Promi-Ausgabe der türkischen Version von "The Voice" aufgetreten war.

Drei von vier Juroren überzeugte Kruse mit seinem Auftritt, obwohl es seine Gesangspremiere vor Publikum war. "Ich singe viel unter der Dusche", erklärte er. "Aber das ist das erste Mal mit Zuschauern." Und den Zuschauern gefiel es, der Jubel war laut. Kruse war mitten in seinem ersten Auslands-Abenteuer und er schien es zu genießen.

Max Kruse bei Fenerbahce: Schnelle Flucht vom Abenteuer

Geboren in der Nähe von Hamburg spielte Kruse über weite Strecken seiner Karriere meistens auch irgendwo in der Nähe von Hamburg. Mal etwas im Westen in Bremen, mal etwas im Süden in Wolfsburg, mal etwas im Zentrum in St. Pauli. Nur zwischendurch insgesamt drei Jahre beim fernen SC Freiburg und bei Borussia Mönchengladbach.

Im vergangenen Sommer dann suchte Kruse das Abenteuer. 31 Jahre war er damals alt, sein Vertrag bei Bremen lief aus. Er wolle "unbedingt einmal im Ausland Erfahrungen sammeln", erklärte er. Der FC Liverpool soll interessiert gewesen sein, aber Kruse wollte nicht Ersatzspieler, sondern wichtig sein. So unterschrieb er eben für drei Jahre bei Fenerbahce Istanbul und war dort sofern nicht verletzt auch tatsächlich wichtig. Stammspieler, sieben Tore, sieben Vorlagen.

Nach weniger als einem Jahr kündigte er jedoch mit sofortiger Wirkung. "Ich sah mich bedauerlicherweise zu diesem Schritt gezwungen, weil der Club mir seit Februar 2020 nahezu mein vollständiges Gehalt nicht bezahlt hatte. Die seit Februar 2020 bestehenden Rückstände wurden zu einem erheblichen Teil bis heute nicht ausgeglichen", schrieb Kruse Mitte Juni in einem Statement, das er über seine sozialen Netzwerke verbreitete.

Fenerbahce, derzeit Tabellensiebter der Süper Lig, bezeichnete Kruses Vorgehen als "unfair und unbegründet" und kündigte einen Gang vor die Sportgerichte an. Es steht Aussage gegen Aussagen, Ausgang offen.

Max Kruse strebt eine Rückkehr in die Bundesliga an

Kruse hat damit jedenfalls erstmal genug vom Ausland und kündigte einen Gang zurück in seine sportliche Heimat an, einen Gang zurück in die Bundesliga. Und das tat er ziemlich offensiv. "Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich meine Zukunft in der Bundesliga sehen", sagte Kruse, der wegen der Kündigung ablösefrei zu haben wäre, neulich bei Sky. Und wie sieht es mit dem Gehalt aus? "Das Portemonnaie ist nicht mehr so wichtig. Ich glaube, dass ich für fast alle Klubs in der Bundesliga bezahlbar bin." Und was nun? "Ruft mich an!"

Seitdem wird natürlich munter spekuliert, welche Klubs ihn denn jetzt anrufen könnten. Die türkische Nachrichtenagentur DHA sowie die Bild berichten von einem angeblichen Interesse von Union Berlin, Eintracht Frankfurt wurde schon genannt und selbstverständlich wird auch über eine Rückkehr zu Werder Bremen spekuliert. Claudio Pizarro hat schließlich seine Karriere beendet und somit ist die Pizarro-Rolle vakant: Ein Stürmer, der alle paar Jahre in Bremen auftaucht, viele Tore schießt, verschwindet und dann wieder auftaucht und erneut viele Tore schießt.

Kruse spielte schon in der Jugend sowie von 2016 bis 2019 in Bremen. Bei seinem zweiten Engagement sogar reichlich erfolgreich mit 65 Scorerpunkten in 93 Pflichtspielen. "Ich würde nie etwas ausschließen", sagte Kruse über eine mögliche Rückkehr. Florian Kohfeldt, der nach dem erzitterten Klassenerhalt über die Relegation Trainer bleiben darf, erklärte: "Ich mag Max, aber ich habe noch nicht darüber nachgedacht." Speziell bei einem sich konkretisierenden Abschied von Topscorer Milot Rashica sollte er aber bald mal damit anfangen, sich darüber Gedanken zu machen.

Kruse treibt sich unterdessen überall in Deutschland herum: Über seine sozialen Netzwerke verbreitete er ein Video von sich am Vereinsgelände des VfB Stuttgart, mit dem er letztlich aber nur Aufmerksamkeit für die Non-Profit-Organisation "Viva con Agua" machen wollte, die es sich zum Ziel gemacht hat, Menschen weltweit den sicheren Zugang zu sauberem Trinkwasser zu garantieren. Davor wurde er bereits in einer Kölner Shisha-Bar gesichtet, wo er sich die Bundesliga-Konferenz anschaute - und womöglich einen künftigen Arbeitgeber scoutete.

Max Kruses Leistungsdaten in den nationalen Ligen

SaisonKlubWettbewerbSpieleToreAssists
2006/07Werder Bremen IIRegionalliga Nord12--
2007/08Werder Bremen IIRegionalliga Nord3327
2008/09Werder Bremen II3. Liga2353
2009/10FC St. Pauli2. Bundesliga2974
2010/11FC St. PauliBundesliga3326
2011/12FC St. Pauli2. Bundesliga34136
2012/13SC FreiburgBundesliga34118
2013/14Borussia M'GladbachBundesliga341211
2014/15Borussia M'GladbachBundesliga32119
2015/16VfL WolfsburgBundesliga3268
2016/17Werder BremenBundesliga23157
2017/18Werder BremenBundesliga2968
2018/19Werder BremenBundesliga321110
2019/20Fenerbahce IstanbulSüper Lig2077
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