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Fussball

Ex-BVB-Talent Mustafa Amini im Interview: "Wir mussten Dortmund googeln"

Von Stanislav Schupp
Mustafa Amini erinnert sich bei SPOX und Goal an seine erste Begegnung mit Jürgen Klopp.

Bei den Amateuren erhielten Sie anfangs jedoch kaum eine Chance.

Amini: Das ist richtig. Wir hatten eine großartige Mannschaft mit Spielern wie Jonas Hofmann oder Kerem Demirbay. Alles große Spieler, die mittlerweile den nächsten Schritt gemacht haben. Ich fand es sogar schwieriger, in der zweiten Mannschaft zu spielen.

Weshalb?

Amini: Es gab viele junge Spieler, die ebenfalls um den Sprung in die erste Mannschaft kämpften. Es war hart, eine andere Welt. Ich will nicht urteilen, aber wenn man spielen möchte, hilft es natürlich, Deutscher zu sein.

Inwiefern?

Amini: Es war skrupellos und schien eher so, als sei jeder für sich selbst da. Ich glaube, das ist der Grund, weshalb die zweite Mannschaft nie erfolgreich gewesen ist. Jeder Einzelne kämpft darum, in der Bundesliga zu spielen. Wenn man Stürmer ist, hofft man, dass dein Rivale auf dieser Position nicht trifft. Es herrschte ein starker Wettbewerbsgedanke, weil sich jeder in den Blickpunkt der Profis spielen wollte. Das ist der Unterschied zwischen der ersten und zweiten Mannschaft. Die Ersatzspieler bei den Profis jubelten immer, wenn ein Tor geschossen oder ein Spiel gewonnen wurde, weil sie bereits am Ziel waren.

Ex-BVB-Talent Amini: "Lewandowski hat mich am meisten beeindruckt"

Gab es einen Spieler, von dem Sie überrascht waren, dass er den Sprung zu den Profis nicht schaffte?

Amini: Kerem Demirbay. Können Sie sich vorstellen, dass er auf der Bank saß? Er war ziemlich beeindruckend. Jetzt ist er einer der Besten bei Bayer Leverkusen und trägt die Nummer zehn. Es ist seltsam, an die Zeit zurückzudenken, in der ich spielte und er nur auf der Bank saß.

War er Ihr bester Mitspieler?

Amini: Nein. Robert Lewandowski hat mich am meisten beeindruckt. Er war schon immer eine Maschine. Es ist keine Überraschung, dass er wahrscheinlich der beste Stürmer der Welt ist. Auch Pierre-Emerick Aubameyang oder Marco Reus, der immer noch meine Fotos bei Instagram kommentiert, waren stark.

Zu jener Zeit leitete David Wagner, der heutige Trainer des FC Schalke, die Geschicke der U23. Wie denken Sie an ihn zurück?

Amini: Er war sehr streng und sorgte dafür, dass er bekam, was er wollte. Ich erinnere mich noch, wie wir ein Freundschaftsspiel gegen einen Viert- oder Fünftligist verloren haben. Am nächsten Tag mussten wir bereits um 4 Uhr morgens auf dem Trainingsplatz sein. Dort machten wir dann anderthalb Stunden lang Bergläufe mit Medizinbällen. Das zeigt die Schonungslosigkeit des deutschen Fußballs.

Gibt es für Sie Unterschiede oder Gemeinsamkeiten zwischen Klopp und Wagner?

Amini: Die Spieler liefern bei beiden Trainern ihr absolutes Maximum ab. Sie sind freundlich, aber sie sind nicht einfach. Wenn sie nicht das bekommen, was sie verlangen, lassen sie dich das spüren. Sie sind allerdings immer ehrlich - eine Eigenschaft, die einigen Trainern fehlt.

Mustafa Amini im Steckbrief

geboren20. April 1993 in Sydney/Australien
Größe1,75 m
Gewicht75 kg
Positionzentrales Mittelfeld
starker Fußrechts
StationenCentral Coast Mariners, Borussia Dortmund, Randers FC, Aarhus FC
Profispiele/-Tore213/17

Mustafa Amini: Selbst auf der Bank waren die CL-Siege prägend

Apropos Ehrlichkeit: Wagner sagte Ihnen einst, dass Dortmund vielleicht nicht der richtige Ort für Sie sei.

Amini: Das war schwer zu verdauen. In einem meiner ersten Spiele für die U23 gegen Preußen Münster wurde ich eingewechselt. In der Schlussphase machte ich einen Fehler, wir verloren das Spiel und Wagner schrie mich auf dem Platz an. Am nächsten Tag sagte er, dass es für mich schwer werden könnte, weil ich Australier bin und die deutsche Kultur nicht gewohnt bin. Ich bin aber geblieben und habe mich im dritten Jahr unter ihm durchgesetzt.

War das der prägendste Moment in Ihrer Zeit beim BVB?

Amini: Auf jeden Fall einer der prägendsten, da ich ihn in etwas Positives umgewandelt und mich damit immer wieder vorangetrieben habe. Auch jedes gewonnene Champions-League-Spiel, bei dem ich auf der Bank saß, war prägend. Roman Weidenfeller sagte damals, ich sei ein Glücksbringer. Auch das Spiel in Anfield gegen den FC Liverpool und Steven Gerrard, das Idol meiner Jugend, gehört dazu.

Mit Thomas Tuchel übernahm zur Saison 2015/16 ein neuer Trainer das Ruder in Dortmund, unter dem Sie eine neue Chance erhalten hätten können. Warum haben Sie sich entschieden, die Borussia zu verlassen?

Amini: Mein Vertrag lief 2015 aus und ich hatte das Gefühl, dass es an der Zeit war, den nächsten Schritt zu gehen. Ich habe mit Dortmund nie über eine mögliche Verlängerung gesprochen und war mir sicher, dass ich wechseln würde.

Ex-BVB-Talent Amini über seine Zeit in Dänemark

Sie unterschrieben schließlich in Dänemark bei Randers FC - ohne einen einzigen Pflichtspieleinsatz bei den BVB-Profis. Wie wurde der Verein auf Sie aufmerksam?

Amini: Randers war bereits vor meinem Wechsel nach Dortmund interessiert und verfolgte mich seitdem weiter. Als sich erneut die Möglichkeit ergab, sagte ich zu. Einige unterklassige deutsche Teams waren ebenfalls interessiert. Für mich war es jedoch wichtig zu zeigen, dass ich mich in einer ersten Liga durchsetzen kann.

Hat die BVB-Zeit Ihre weitere Entwicklung in Dänemark beeinflusst?

Amini: Als ich nach Dänemark kam, war ich mit Blick auf Taktik und Trainingsmethoden bereits gut ausgerüstet. Wohin auch immer ich gewechselt wäre - es ging darum, bei den Profis zu spielen. Ich habe einen Schritt zurück gemacht, aber bin nach wie vor stolz darauf, die Erfahrungen in Deutschland gemacht zu haben.

Dänemark brachte für Sie eine erneute kulturelle Umstellung mit sich. Es heißt, die Dänen hätten im Vergleich zu Deutschland einen entspannteren Lebensstil. Kommt Ihnen das zugute?

Amini: Das würde ich nicht sagen, denn die Disziplin in Deutschland hatte auch etwas Positives. Das Niveau des dänischen Fußballs ist ebenfalls hoch. Das zeigt auch die Anzahl dänischer Spieler in der Bundesliga.

Nach nur einem Jahr zogen Sie weiter nach Aarhus, wo Sie meist gesetzt waren und Ihr Team in den Play-offs um den Titel spielt. Ihr Vertrag lief allerdings Ende Juni aus. Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Amini: Mein Traum ist es, eines Tages in der Bundesliga zu spielen. Durch die Folgen des Coronavirus ist es aktuell schwer zu sagen, was passieren wird. Ich möchte auf jeden Fall weiterhin in Europa spielen, aber außerhalb Dänemark.

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