Fussball

FC Schalke 04 - Fan-Demo auch gegen Clemens Tönnies: "Schalke ist kein Schlachthof"

SID
Rund um die Veltins Arena hängten Fans Banner mit Protest-Slogans gegen Clemens Tönnies auf.

Für Clemens Tönnies könnte es auch auf Schalke eng werden. Der Aufsichtsratschef, der gerade privat ums Überleben seines Fleischimperiums kämpft, ist ins Fadenkreuz der Fans gerückt. Die Ultras haben ihr langes Schweigen gebrochen und geben dem Unternehmer eine Mitschuld an der Krise.

"Schalke ist kein Schlachthof! Gegen die Zerlegung unseres Vereins", lautet das markige Motto mehrerer Fanorganisationen, die für Samstag eine Demonstration ankündigt haben. Um 15.30 Uhr, wenn der Bundesligist zum letzten Saisonspiel beim SC Freiburg antritt, wollen die S04-Fans eine Menschenkette rund ums Vereinsgelände bilden - natürlich unter Einhaltung der Hygienebestimmungen.

Zuvor hatten sich die Ultras nach vielen Wochen zu Wort gemeldet und die Gremien und Führungspersonen für das Chaos verantwortlich gemacht. "Die gesamte Saison ist eine moralische Bankrotterklärung. Ein Ausverkauf der Schalker Werte, die zu Marketing-Zwecken zwar gern benutzt, ansonsten aber mit Füßen getreten werden", heißt es in einer Erklärung.

Der Text wirkt wohl durchdacht und ist frei von Populismus. Für die desaströse sportliche Entwicklung mit 15 Spielen ohne Sieg in der Bundesliga wird nicht plump Trainer David Wagner verantwortlich gemacht. "Die elementaren Problemen unseres Vereins liegen nicht auf dem Platz", heißt es: "Sowohl Vorstand als auch Aufsichts- und Ehrenrat haben sich in jüngster Vergangenheit mehr als einen Fehltritt geleistet."

Tönnies konkret wird vorgeworfen, dass er sich in der Krise nur einmal geäußert habe - und das auch noch zu den Ausgliederungsplänen. ("Diese Diskussion müssen wir jetzt führen."). Die Pläne sind für die Fans ein rotes Tuch. Sie befürchten, dass der Klub seine Seele verkauft, wenn die Profiabteilung in Form einer Kapitalgesellschaft organisiert wird.

Schalker Härtefallanträge "beispielloser Vorgang von Dreistigkeit"

Doch frisches Geld von Investoren könnte auch Schalke gut gebrauchen. Die Finanznot ist groß, fast 200 Millionen Euro Schulden belasten die Knappen, die Corona an den Rand der Existenz gebracht hat. Das zeigte nicht zuletzt die Farce um die Härtefallanträge bei der Rückerstattung von Tickets. "Ein beispielloser Vorgang von Dreistigkeit, schrieben die Fans, für die auch die Vorstände Alexander Jobst (Marketing) und Jochen Schneider (Sport) Schuld an der Misere haben.

In Gelsenkichen wurden am Dienstag an mehreren Stellen wie an der Arena und Glückaufkampfbahn Anti-Tönnies-Banner aufgehängt. Darauf zu lesen war: "Keine Ausbeutung bei S04 - Tönnies raus" oder "Leitbild leben, statt Werte schlachten."

Stürmer-Idol Klaus Fischer glaubt aber nicht an einen Rücktritt von Tönnies. "Nein, denn Clemens Tönnies ist ein Kämpfer", sagte Fischer der Sport Bild. Der frühere Vorstandsboss Gerd Rehberg sah das ähnlich: "Ein Rücktritt würde nicht zu ihm passen."

Schalke 04: "Haben Verständnis für Fans und Mitglieder"

Die Schalker Führung reagierte am Dienstagnachmittag. "Wir haben Verständnis für Fans und Mitglieder, die aktuell ihren Unmut über die Situation beim FC Schalke 04 äußern", erklärten Jochen Schneider und Jobst: "Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist eine Selbstverständlichkeit, wir sehen die Kritik und setzen uns damit auseinander. Wir glauben, nur im Dialog lässt sich das notwendige Vertrauen für eine bessere Zukunft zurückgewinnen und sind dazu jederzeit bereit."

In der Vergangenheit festigte Tönnies - seit 2001 mächtiger Aufsichtsratschef - seine Macht auch dadurch, dass er Finanzlöcher mit eigenem Geld stopfte. Das könnte nun schwieriger werden, zumal sein Unternehmen angesichts von über 1500 Coronafällen unter den 6140 Mitarbeitern ins Schlingern gerät und zumindest eine rigorose Umstrukturierung benötigt. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet verhängte am Dienstag für den gesamten Kreis Gütersloh einen Lockdown.

Bleibt die Frage, wie Tönnies das zerrüttete Verhältnis zwischen Fans und Klubführung normalisieren will, wie er das Thema Ausgliederung besprechen kann. Das sollte er jedoch nicht auf die lange Bank schieben, denn eins hat die Vergangenheit von Schalke immer wieder gezeigt: Ohne die Fans im Rücken kann man den Klub nicht führen.

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