Fussball

DFB zeigt Verständnis: Keine Strafen wegen McKennie, Sancho und Co.

Von SID
Jadon Sancho war einer von mehreren Bundesliga-Profis, die am Wochenende auf Rassismus und Polizeigewalt aufmerksam gemacht haben.

Der Aufschrei gegen Rassismus und Polizeigewalt bleibt unbestraft, der DFB zeigt Verständnis: Weston McKennie, Jadon Sancho, Achraf Hakimi und Marcus Thuram müssen nach ihren Solidaritätsaktionen mit dem getöteten Afroamerikaner George Floyd keine Konsequenzen befürchten. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) entschied am Mittwoch, keine Strafen zu verhängen.

Auch bei weiteren Protesten in den nächsten Spielen soll "diese Linie beibehalten" werden, teilte der Verband mit.

"Sehr froh" über diese Entscheidung zeigte sich DFB-Präsident Fritz Keller, der bereits Anfang der Woche Verständnis für die Spieler gezeigt hatte. "Der DFB tritt entschieden gegen jede Form von Rassismus, Diskriminierung und Gewalt ein und steht für Toleranz, Offenheit und Vielfalt - also Werte, die auch in der DFB-Satzung verankert sind", sagte Keller. Deshalb habe er "Respekt und Verständnis" für das Verhalten der Profis.

Der Verbandschef beauftragte zudem die DFB-Kommission Gesellschaftliche Verantwortung mit der intensiven Befassung mit politischen Botschaften im Stadion. "Wer die auch in der DFB-Satzung verankerten Werte des Fußballs proklamiert, darf nicht bestraft werden. Wir wünschen uns mündige Spielerinnen und Spieler, die mit gutem Beispiel vorangehen und Menschen von unseren Werten überzeugen. Das muss möglich sein", sagte Keller.

Am vergangenen Bundesliga-Spieltag hatten Schalkes McKennie, die Dortmunder Sancho und Hakimi, Gladbachs Thuram sowie Kölns Anthony Modeste mit verschiedenen Aktionen auf dem Platz ein Zeichen nach dem gewaltsamen Tod des 46-Jährigen infolge eines brutalen Polizeieinsatzes in den USA gesetzt. Da dies laut DFB-Regelwerk eigentlich verboten ist, setzte sich der DFB-Kontrollausschuss mit dem Sachverhalt auseinander.

Auch FIFA-Boss Gianni Infantino begrüßt Proteste

"Natürlich hat der DFB-Kontrollausschuss stets die Vorgaben der FIFA-Fußballregeln und der DFB-Ordnungen im Blick", sagte der Vorsitzende Anton Nachreiner. Im konkreten Fall hätten sich die Spieler aber für Werte starkgemacht, "für die der DFB ebenfalls steht und immer eintritt".

Mit der Entscheidung folgt der DFB auch der Empfehlung des Weltverbandes FIFA. Präsident Gianni Infantino hatte im Interview mit der Nachrichtenagentur AFP dazu aufgerufen, dass "die jüngsten Proteste von Spielern bei Bundesligaspielen nicht sanktioniert, sondern begrüßt werden. Wir müssen alle zu jeglicher Form von Rassismus und Diskriminierung Nein sagen."

Die FIFA habe "volles Verständnis für die tiefen Gefühle und Sorgen, die viele Fußballer angesichts der tragischen Umstände des Falls George Floyd zum Ausdruck gebracht haben". Floyd war vergangenen Montag bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis gestorben, nachdem ein weißer Polizist ihm minutenlang sein Knie in den Nacken gedrückt hatte. In zahlreichen US-Städten kam es seither zu Protesten und Demonstrationen.

McKennie kündigte bereits an, seinen Protest gegen Polizeigewalt und Rassismus unabhängig von der DFB-Prüfung fortsetzen zu wollen. Er werde dem getöteten Floyd weiter "meine Anerkennung zollen", sagte der Mittelfeldspieler dem US-Magazin Forbes: "Wenn ich die Konsequenzen dafür tragen muss, dass ich meine Meinung äußere, meine Gefühle äußere, für das aufstehe, an das ich glaube, dann muss ich das tun."

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