Fussball

Christoph Kramer im Interview: "Ich musste mich überwinden, Messi darum zu bitten"

Von Michael Reis
Christoph Kramer von Borussia Mönchengladbach im Duell mit seinem Lieblingsspieler Lionel Messi vom FC Barcelona.

Vor dem Bundesligaspiel von Borussia Mönchengladbach beim SC Freiburg (20.30 Uhr LIVE auf DAZN und im LIVETICKER) spricht Christoph Kramer im Interview mit SPOX und Goal über seine Trikotsammlung, seinen härtesten Gegenspieler und die Solidaritätsbekundungen von Bundesligastars mit den Protesten gegen Rassismus in den USA.

Außerdem erklärt der 29-jährige Weltmeister von 2014, wieso sich die Gladbacher Profis nicht ihres Gehaltsverzichts rühmen müssten.

Herr Kramer, Sie gelten als Sympathisant von Union Berlin und haben ein Trikot von Klub-Legende Torsten Mattuschka bei sich zu Hause hängen: Wie kam es dazu?

Christoph Kramer: Das war zu meiner Zeit beim VfL Bochum. Nach dem Spiel gegen Union saß ich zusammen mit Torsten Mattuschka bei der Doping-Kontrolle. Ich hielt ihn schon damals für einen klasse Spieler. Sein Trikot war dann auch eines der ersten in meiner Sammlung. Mittlerweile sind es über 200.

Was sind generell die Lieblingstrikots aus Ihrer Sammlung und welche Geschichten verbinden Sie damit?

Kramer: Die Lieblingstrikots sind die aus den großen Spielen, wie aus der Champions League. Generell verbinde ich mit jedem Trikot eine Geschichte zu den einzelnen Partien. Wenn man gegen Klubs wie den FC Barcelona spielt, ist das einfach etwas ganz Besonderes. Als ich das Trikot von Lionel Messi bekommen konnte, habe ich mich natürlich gefreut. Das Teil hängt bei mir zu Hause eingerahmt an der Wand.

Wie ist es zum Tausch mit Messi gekommen?

Kramer: Lionel Messi habe ich ebenfalls bei einer Dopingkontrolle nach seinem Trikot gefragt, das war nach einem Champions-League-Spiel mit Leverkusen gegen Barcelona. Ich saß neben ihm und musste mich schon ein bisschen überwinden, ihn in dem Moment um sein Trikot zu bitten. Er hat dann aber einfach nur genickt und es ausgezogen. Ich habe "Danke" gesagt, er "Bitte" - das war der Trikottausch mit Messi.

Kramer: "Wenn Thuram ein Zeichen setzt, ist das authentisch"

Wie bewerten Sie die Reaktion Ihres Teamkollegen Marcus Thuram nach seinem Tor bei Union Berlin, als er sich auf den Boden gekniet und somit des gewalttätigen Todes des Afroamerikaners George Floyd gedacht sowie gegen Polizeigewalt und Rassismus protestiert hat?

Kramer: Im Spiel habe ich das gar nicht mitbekommen. Erst danach, als in den Medien ausführlich darüber berichtet wurde und es hohe Wellen geschlagen hat. Aber ich finde, dass bei solch wichtigen Themen die Popularität eines einzelnen Spielers - aber auch des Fußballs - sinnvoll genutzt ist.

Es gibt diverse Antirassismus-Kampagnen, die öffentlichkeitswirksam vom Verband und der Liga ausgespielt werden. Gleichzeitig wird bei politischen Äußerungen vom DFB ermittelt. Wie passt das für Sie zusammen?

Kramer: Wenn gegen Statuten und Regeln verstoßen wurde, könnte ich das verstehen. Aber die Aktion von Marcus und auch die Message auf dem Shirt von Jadon Sancho sind keine politisch fragwürdigen Statements, sondern stehen außer Frage und betreffen aktuell die gesamte Welt. Bei uns im Borussia-Park zeigen wir auch mit einem großen Banner unter dem Stadiondach unsere Haltung gegen Rassismus. Aber der Kontrollausschuss des DFB hat ja nun auch erklärt, dass es keine Verfahren wegen der Solidaritäts- und Anti-Rassismus-Bekundungen geben wird.

Sind solche Ereignisse wie in den USA und die Folgen oft Thema in der Kabine?

Kramer: Ja, denn es ist schrecklich, was dort gerade passiert. Egal ob in der Kabine oder in einem Büro, überall auf der Welt wird darüber geredet. Bei uns ist das nicht anders.

Können und müssen Fußball-Profis sich noch klarer zu gesellschaftspolitischen Themen äußern?

Kramer: Wichtig ist, dass man nicht auf jeden Zug aufspringt, sondern voll hinter einer Sache steht. Wenn ein Marcus Thuram nach seinem Tor auf die Knie geht und ein Zeichen setzt, dann ist das authentisch. Es wirkt bei einigen aber manchmal ein bisschen so, dass sie nur einem Trend folgen. Dabei gibt es auf der Welt so viel Leid und Ungerechtigkeit, für das es sich lohnt, sich 365 Tage und immer zu engagieren. Und das nicht nur während der Corona-Pandemie. Da würde ich mir mehr Solidarität wünschen.

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