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Fussball

FC Bayern - Flicks Powerfußball, Goretzka gefällt als Malocher: Die Lehren aus dem Schützenfest

Von Dennis Melzer
Der FC Bayern rollt mit einem Sieg nach dem anderen auf die nächste Meisterschaft zu.

Der FC Bayern schießt Düsseldorf aus der leeren Allianz Arena und schreitet mit Siebenmeilenstiefeln gen Titel. Fünf Lehren aus dem Schützenfest.

Mit nahezu beängstigender, schlafwandlerischer Sicherheit überrollte der FC Bayern München am Samstagabend den als Bundesligist getarnten Sparringspartner aus Düsseldorf mit 5:0.

Dabei zeigte der Rekordmeister in spektakulärer Manier einmal mehr, wie beeindruckend er sich seit Amtsantritt von Trainer Hansi Flick entwickelt hat.

Die fünf Lehren aus dem 5:0 des FC Bayern gegen Fortuna Düsseldorf:

1. Hansi Flicks Powerfußball lässt die Rekorde purzeln

Wenn eine Mannschaft 5:0 gewinnt, liegt die Vermutung nahe, dass nicht allzu viel schiefgelaufen ist. Allerdings bestach der FC Bayern gegen Fortuna Düsseldorf nicht nur aufgrund der vielen Tore, sondern vor allem aufgrund der Spielweise. Von der ersten Minute an ließen die Münchner den Rheinländern keinerlei Luft zur Entfaltung, pressten - wie gewohnt, seit Hansi Flick die Geschicke leitet - den Gegner mit unbändigem Willen immer wieder an und raubten der Fortuna schon früh sämtliche Nerven.

Zudem beeindruckte das Umschaltspiel, sobald die Hausherren die Kugel (zumeist nach wenigen Sekunden) erobert hatten. Bisweilen nahe an der Perfektion kombinierten sich die Bayern durch die gegnerische Hintermannschaft, variierten zwischen One-Touch-Stafetten und sehenswerten Einzelaktionen. Besonders das 3:0, das von Robert Lewandowski per Hacke eingeleitet und nach den Zwischenstationen Joshua Kimmich und Thomas Müller vom Polen vergoldet wurde, stand sinnbildlich für die von Flick etablierten Automatismen.

Wie er es geschafft hat, eine Mannschaft, die Anfang November vergangenen Jahres noch desillusioniert über den Rasen der Frankfurter Commerzbank-Arena getorkelt war, im übertragenen Sinne einen morbiden Eindruck hinterlassen hatte, binnen kürzester Zeit derart erfolgreich wiederzubeleben, verdient den höchsten Respekt.

Ebenso wie die damit verbundene Bilanz von 22 Siegen aus den ersten 25 Pflichtspielen - eine Ausbeute, die vor Flick kein Bayern-Trainer seit dem Bundesligaaufstieg 1965 in die Bücher brachte. Der bisherige Rekordhalter Pep Guardiola hatte seinerzeit "nur" 21 Pflichtspielsiege zum kleinen Jubiläum eingefahren.

Nebst der von Flick übertroffenen Start-Bestmarke setzten die FCB-Protagonisten am Samstagabend noch einen weiteren Meilenstein: 86 Tore nach 29 Spieltagen gelangen keinem anderen Bundesliga-Team je zuvor.

2. FC Bayern - Belohnung für Michael Cuisances "positive Entwicklung"

Erstmals seit seinem Wechsel von Borussia Mönchengladbach im vergangenen Sommer durfte Michael Cuisance eine komplette Halbzeit für seinen neuen Arbeitgeber absolvieren. Der Franzose ersetzte seinen Landsmann Lucas Hernandez und agierte 45 Minuten lang im zentralen Mittelfeld.

"Das war die Belohnung für seine sehr, sehr guten Trainingsleistungen in den vergangenen Wochen und Monaten", begründete Flick den Einsatz des 20-Jährigen auf Nachfrage von SPOX und Goal. Er schob nach: "Er hat eine positive Entwicklung genommen, deshalb haben wir entschieden, dass er heute länger spielt. Meiner Meinung nach hat er das sehr gut gemacht."

Tatsächlich fand Cuisance sich schnell zurecht und war sichtlich darum bemüht, das entgegengebrachte Vertrauen zu legitimieren. Immer wieder forderte er im Zentrum den Ball, versuchte anzutreiben und ließ in dem einen oder anderen Dribbling seine zweifelsohne vorhandenen technischen Qualitäten aufblitzen.

Allerdings: Teilweise wirkte der U-Nationalspieler etwas eigensinnig beziehungsweise übermotiviert. In diversen Szenen ging er ins Eins-gegen-Eins, anstatt den Nebenmann zu bedienen, bei einem Freistoß aus rund 30 Metern halbrechter Position versuchte er sich als Kunstschütze, drosch die Kugel aber in die gähnende Leere der Südkurve. Das nahm ihm in Anbetracht des Spielstandes jedoch niemand übel.

3. Leon Goretzka gefällt beim FC Bayern als Malocher - und bekommt ein Sonderlob

Wenn Dr. Bruce Banner wütend ist, wird er innerhalb weniger Sekunden zum grünen, muskelbepackten Hulk. Leon Goretzkas Verwandlung zur etwas kleineren, weniger grünen Version des Comichelden dauerte etwas länger und hatte vermutlich auch nichts mit Wut zu tun. Der Mittelfeldmann hat die Coronapause offenbar dazu genutzt, an seinem Körper zu arbeiten, kehrte Goretzka doch mit sichtlich mehr Muskelmasse nach dem Lockdown zurück.

In seiner neuen Rolle ist die gewachsene Robustheit förderlich. Goretzka spielt in Thiagos Abwesenheit mittlerweile auf der Sechs und weiß vollumfänglich zu überzeugen. Während seine Kollegen mit spektakulären Spielzügen und prächtig herausgespielten Toren glänzten, gefiel der gebürtige Bochumer - seiner Herkunft entsprechend - gegen Düsseldorf abermals als klassischer Malocher, lief Löcher zu, zwang seine Gegenspieler zu Ballverlusten und hielt den Schöngeistern den Rücken frei.

Weder Doppeltorschütze Robert Lewandowski noch Flügelflitzer Alphonso Davies oder Zweifach-Vorbereiter Serge Gnabry erhielten im Anschluss ein Sonder-Fleißkärtchen des Trainers - stattdessen griff dieser etwas überraschend Goretzka lobend heraus.

"Wenn man heute überhaupt jemanden hervorheben kann, würde ich Leon Goretzka nennen", sagte Flick auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. Er führte aus: "Er hat auf der Sechs hervorragend gespielt. Er war sehr präsent und hatte unheimlich viele Ballgewinne."

Die Zahlen untermauern die Flick'schen Beobachtungen außerordentlich. Mit 15 Balleroberungen verbuchte Goretzka die mit Abstand meisten von allen Akteuren (auf Platz zwei diesbezüglich lag Kimmich mit acht Balleroberungen). Dass der Ex-Schalker mittlerweile neben seinen bekannten Vorzügen auch mit Malocher-Qualitäten aufwartet, zeichnet sich bereits seit dem Restart ab: Nur Alphonso Davies gewann nach der Zwangsunterbrechung bei den Bayern mehr direkte Duelle (26) als Goretzka (24).

4. Lucas Hernandez weiterhin vom Pech verfolgt

Seit Ende Februar musste Lucas Hernandez darauf warten, endlich einmal wieder von Flick für die Startelf berücksichtigt zu werden, gegen Düsseldorf war es dann so weit. Weil Jerome Boateng angeschlagen war und dementsprechend geschont wurde, durfte der Weltmeister von Beginn an ran.

Hernandez überzeugte mit starkem Zweikampfspiel (100 Prozent) und strahlte als linker Innenverteidiger stets Besonnenheit aus. Nach 45 Minuten war es allerdings schon wieder vorbei mit der einstweiligen Herrlichkeit, Hernandez musste gezwungenermaßen in der Kabine bleiben.

"Ich musste ihn runternehmen, verletzungsbedingt", sagte Flick bei Sky. "Er hatte Adduktorenprobleme, das Verletzungsrisiko war einfach zu groß." Hernandez, der im Sommer für die Rekordsumme von 80 Millionen Euro von Atletico Madrid an die Isar gewechselt war, wurde in seiner ersten Saison immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen.

Auf eine Knieprellung Anfang Oktober folgte drei Wochen später ein schwerwiegender Innenbandriss im Sprunggelenk, der Hernandez rund drei Monate außer Gefecht setzte.

5. FC Bayern ist nicht der Maßstab für Düsseldorf

In der vergangenen Saison entführte die Fortuna dank dreier Tore von Dodi Lukebakio sensationell einen Punkt aus der Allianz Arena. Mit Lukebakio, den es im Sommer gen Berlin gezogen hatte, schien sich auch der Glaube an ein erneutes Mini-Wunder bereits im Vorfeld verabschiedet zu haben. Zu bieder, zu ängstlich trat die Mannschaft von Trainer Uwe Rösler auf.

Aber letztlich muss man konstatieren, dass etwas Zählbares in München zwar ein schönes Zubrot gewesen wäre, aber mit Blick auf die aktuelle Form der Bayern sicherlich nicht eingeplant war. "Das war ein Klassenunterschied", fasste Rösler das Geschehen prägnant zusammen, Noch-Vorstand Lutz Pfannenstiel sagte: "Wir wurden auseinandergesägt. Man konnte nichts anderes erwarten."

Die Punkte im Kampf um den Klassenerhalt müssen also im Duell mit ebenbürtigen Gegnern gesammelt werden. Das Problem: Düsseldorf hat neben den Begegnungen mit Augsburg, also einem direkten Konkurrenten, Hoffenheim und Union Berlin, noch Borussia Dortmund sowie RB Leipzig vor der Brust.

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