Fussball

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert über Dresden, Kalou, Fan-Aufläufe und Obergrenzen

Von SPOX
Christian Seifert war im ZDF-Sportdtudio zu Gast.

Christian Seifert hat im ZDF-Sportstudio über mögliche Szenarien für den Zeitplan der Bundesliga gesprochen, sollte es weitere positive Coronafälle wie bei Dynamo Dresden geben.

Außerdem verrät der DFL-Chef, dass ihn das Skandal-Video von Salamon Kalou "wütend" gemacht hat und er für eine Obergrenze bei Beratergehältern sowie Ablösesummen ist.

Christian Seifert über ...

... Dynamo Dresden: "Ich habe heute Nachmittag davon erfahren. Es ist genau in dem Konzept verfasst, dass Coronafälle an das Gesundheitsamt weitergeleitet werden und die dann über die entsprechenden Maßnahmen sprechen. Und wir haben bereits gesagt, dass wir uns darauf einstellen müssen. Ich habe noch mit keinem Verantwortlichen gesprochen. Es ist nunmal 14 Tage Quarantäne angesagt und dann müssen wir in der nächsten Woche schauen, wie wir die Spiele von Dynamo Dresden ansetzen."

... den Zeitplan: "Die medizinischen Experten haben sich an den Empfehlungen des Robert Koch Instituts orientiert. Und auch die Sportminister haben sich dafür ausgesprochen, dass bei positiven Fällen Quarantäne angesagt ist. Wir haben immer gesagt: Das entscheiden die Gesundheitsämter vor Ort. Momentan hätte ich es mir natürlich anders gewünscht, aber es war klar, dass es passieren kann. Für die 2. Liga bedeutet es also im Moment, dass zwei Spiele ausfallen. Wir ändern aber nicht das Ziel, sondern nur die Pläne. Das Ziel ist es weiterhin, die Saison zu beenden."

... die Entscheidungen, wer bei einem positiven Fall in Quarantäne muss: "Die Frage kann ich nicht beantworten. Die Entscheidung liegt jeweils individuell bei einem Gesundheitsamt. Es ist sehr müßig, da Mannschaften mit mehreren Ämtern reden müssten, weil Spieler teilweise in verschiedenen Landkreisen leben. Es ist hypothetisch darüber zu diskutieren, wenn es noch bei anderen Mannschaften aufkommen sollte. Für den Moment ist es so, dass heute bei allen die dritte Runde mit Tests absolviert wurde - bei ein paar Teams sogar schon die vierte Runde. Es ist noch kein Grund, dass die 2. Bundesliga nicht fortgesetzt werden kann, weil bisher nur zwei Spiele betroffen sind. Klar ist, dass es bei einer gewissen Häufigkeit nicht mehr machbar ist, die Saison zu beenden."

Seifert: Nachholspiele? "Beispielsweise parallel zu einem DFB-Pokalhalbfinale"

... die Frage, bei wie vielen Mannschaft das Maß erreicht wäre: "Das kann ich Ihnen noch nicht sagen, da es darauf ankommt, in welchem Zeitraum das stattfindet. Jeder Plan muss eine Flexibilität haben, die haben wir auch jetzt vorgesehen. Über die Frage können wir dann sprechen, wenn es soweit ist. Insofern würde ich da ungern spekulieren. Ich interpretiere es nicht als Rückschlag, da es von Anfang an klar war, dass es passieren kann. Die extrem strengen Voraussetzungen, die jeder Klub umzusetzen hat, sollten eigentlich dafür sorgen, dass es in den nächsten Wochen nicht mehr passiert."

... den Zeitpuffer: "Die Saison soll, wenn es möglich ist, am 30. Juni enden, weil da sehr viele Spielerverträge auslaufen. Deshalb wollen wir bis dahin so viel wie möglich spielen. Wir sehen vor, dass die Relegationsspiele auch in den Juli wandern könnten. Wir haben auch die Möglichkeit, die Spiele unter der Woche nachzuholen. Beispielsweise parallel zu einem DFB-Pokalhalbfinale. Wir haben noch Puffer und darauf ist der Spielplan auch ausgelegt."

... die Sorgen der Spieler: "Ich hatte Kontakt mit Spielern, aber vor allem mit den Sportverantwortlichen der Klubs - auch zu den Trainern. Diese Sorgen muss man auch absolut ernst nehmen. Den Spielern geht es nicht anders als anderen Menschen, die jetzt wieder zur Arbeit gehen und nicht immer die Möglichkeit haben, Schutzmasken zu tragen oder Abstand zu halten. Wir hoffen, dass es den Spielern die Angst nimmt, dass es geringe Risiken gibt, wenn man die Pläne einhält."

... Spieler, die sich weigern zu spielen: "Schalke 04 hat gesagt: Wenn ein Spieler nicht spielen will, respektieren wir das. Und wir wollen da natürlich nicht vorgreifen. Das betrifft das Verhältnis von Klub und Spieler. Das sind absolut legitime Gefühle, die nachvollziehbar sind."

... Salomon Kalous Video: "Ich war richtig sauer, weil es haben Hunderte Menschen Zehntausende von Stunden daran gearbeitet, dass es überhaupt möglich ist, die Saison fortzuführen. Ich war auch bestürzt, aber der Klub hat entsprechend reagiert und der Spieler hat sich entschuldigt. Da will ich nicht öffentlich nachtreten. Es sollte der allerletzte Warnschuss gewesen sein. Ich hoffe es war ein Einzelfall."

Seifert spricht sich für Obergrenze bei Beraterhonoraren und Ablösesummen aus

... Spiele, die gegen die Heimmannschaft gewertet wird, wenn Fans am Stadion stehen: "Es kommt auf die Umstände an. Der Klub selbst kann nur verantwortlich gemacht werden für das, was auf dem Klubgelände passiert. Insofern gibt es Rahmenbedingungen, dass ein Spiel nicht stattfinden kann."

... die Rahmenbedingungen: "Wenn es aus welchem Grund auch immer zu Aufläufen kommt, die in Verbindung mit dem Spiel stehen und dadurch gegen die Auflagen verstoßen wird. Aber ich möchte da nicht spekulieren. Ich habe nicht den Eindruck, dass es eine reale Gefahr ist. Sollte es so kommen, müssen wir uns damit befassen."

... die vielen Stimmen gegen eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs: "Die Zahlen kenne ich und sie überraschen mich auch nicht. Wir leben in einer Extremsituation. Das hat mehrere Facetten. In der Presse wurde oft kommuniziert: Die Bundesliga wird wieder spielen. Und das ist nicht der Fall. Was Sie da sehen werden, ist ein absoluter Notbetrieb der Bundesliga. Die Bundesliga wird nicht mehr so sein wie zuvor. Am Ende heißt es immer noch Fußballspiel. Und das Wort Spiel passt nicht in diese Zeit. Die Wahrnehmung, dass da 36 Unternehmen versuchen, an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren, wurde nicht kommuniziert. Es wurde falsch berichtet, dass wir den anderen Menschen Coronatests wegnehmen. Die Frage hätte nicht aufkommen sollen, warum wir so viel testen, sondern warum die anderen so wenig testen. Und diese wurde nicht gestellt, es wurde sich auf uns konzentriert."

... verlorenen Kredit in der Gesellschaft:" Es gab in den letzten Jahren einige Ausprägungen, die man im Alltag nicht reflektiert hat und nicht konsequent dagegen vorgegangen wurde. Das viel zitierte goldene Steak spielt sicherlich auch eine Rolle. Auch die hohen Summen bei Ablösen."

... auf die Frage, wie es zu finanziellen Problemen kommen kann: "Eine gute Frage, weil jeweils 14 Klubs aus der ersten und zweiten Liga letztes Jahr ein Plus verzeichnet haben - und das ist mehr als in ganz Europa. Die Balance ist ein bisschen aus den Fugen geraten."

... Lizenzierungsverfahren: "Kein Lizenzierungsverfahren der Welt kann eine Corona-Pandemie einpreisen und vorwegnehmen. Es war lange das leuchtende Vorbild im Profifußball. Die UEFA hat versucht, das Financial Fairplay daran anzulehnen. Eine solche Krise wirft neue Fragen auf und auf manche haben wir noch keine Antworten. Zwangsrücklagen wären eine Option, aber das entscheidet nicht die DFL allein."

... Beraterhonorare: "Ich habe darüber mit Alexander Ceferin gesprochen. Das sind Gespräche, die man führen muss. Karl-Heinz Rummenigge war der Erste, der vor Jahren versucht hat, eine Begrenzung einzuführen - ähnlich wie es in der USA gut funktioniert. Ich bin dafür, es zu versuchen. Für Beratergehälter und auch für Ablösesummen."

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