Fussball

Richard Golz: Fußball ist konservativste Institution nach der Kirche

Von SPOX
Richard Golz hat den Fußball kritisiert.

Richard Golz absolvierte zwischen 1987 und 2006 insgesamt 453 Bundesligaspiele als Torwart, unter anderem für den HSV und auch den SC Freiburg. Inzwischen vermittelt er Führungskräfte in der Sportbranche und glaubt, dass Frauen bald eine größere Rolle im Fußball spielen werden, auch wenn dieser noch nicht dafür bereit sei.

"Wir erkennen einen klaren Trend, dass vermehrt Frauen in Führungspositionen gewünscht werden", erklärte Golz in einem Interview mit t-online, um aber auch einzuschränken: "Der Fußball tut sich dabei noch ein wenig schwer, die Bereitschaft ist aber durchaus vorhanden."

Trotzdem glaubt der frühere Keeper, dass in Zukunft mehr Frauen wichtige Positionen im Fußball besetzen werden. Für eine Frauenquote kann sich Golz jedoch nicht begeistern: "Wichtig ist ganz allein die Qualifikation."

Trotzdem glaubt Golz, dass Fußball-Deutschland noch nicht soweit ist, Frauen in hohen Positionen zu akzeptieren. So ist Inka Grings (SV Straelen) die einzige Frau, die in den ersten vier Ligen eine Männermannschaft trainiert.

"Fußball ist nach der katholischen Kirche die konservativste Institution, die es auf der Welt gibt. Aber auch hier gilt: Welche Kompetenzen sind gefordert, wer hat sie? Erfahrung ist oftmals ein wichtiges Kriterium und der Frauenfußball in Deutschland ist in der Entwicklung noch nicht so weit wie etwa in den USA. Dort könnte ich es mir vorstellen, hier ist es noch ein langer Weg", erklärt Golz.

Golz kritisiert Vereine: "Überhaupt nicht glaubwürdig"

Außerdem sprach der frühere HSV-Torwart auch über das angebliche Aussterben von echten Typen, wofür Golz eine einfache Erklärung hat. "Man lässt sie nicht mehr zu. Es ist Journalisten kaum mehr möglich, an Spieler heranzukommen und von ihnen echte Zitate zu erhalten."

Früher habe es keine Pressestellen gegeben, die jedes einzelne Zitat der Spieler überprüft hätten, stattdessen habe es viel mehr persönlichen Kontakt zwischen Spielern und Journalisten gegeben. So sei es doch inzwischen gar nicht mehr möglich, dass Spieler kontroverse Meinungen hätten. "Es schließt sich doch aus, dass Spieler nichts mehr ungefiltert sagen dürfen, von ihnen jedoch verlangt wird, eine eigene Meinung zu haben" befand Golz.

"Die Vereine müssen sich darüber bewusst werden, dass, wenn sie nur noch eigenen Content produzieren und die Spieler sich nur noch über vereinseigene Kanäle äußern, das überhaupt nicht glaubwürdig wirkt. Es ist doch zehnmal glaubwürdiger, wenn ein externes Medium positiv über mich berichtet, als wenn ich die Nachricht selbst verbreite."

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