Fussball

Fan-Proteste am Bundesliga-Spieltag gegen DFB und Hopp: Von Beruhigung bis Eskalation ist alles möglich

SID
Wird der kommende Bundesliga-Spieltag ruhig verlaufen?

Das bevorstehende Bundesliga-Wochenende wird zeigen, wie es im Machtkampf zwischen Fan-Gruppierungen und den Verbänden weitergeht. Eine Beruhigung der Lage scheint ebenso möglich wie eine weitere Eskalation.

Am Donnerstag rauchten in Frankfurt die Köpfe. Bei einer Sondersitzung der "AG Fankulturen" in der Zentrale der DFL suchten die Fan-Vertreter mit den Verantwortlichen der Verbände nach einem Ausweg im festgefahrenen Machtkampf.

Alle Beteiligten wissen, dass die relative Ruhe unter der Woche trügerisch war. Trotz der moderaten Proteste während der Pokalspiele sowie der verbalen Abrüstungs- und Annäherungsversuche ist der Konflikt noch lange nicht ausgestanden.

Erst das Bundesliga-Wochenende wird zeigen, ob Hass und Hetze in die Stadien zurückkehren. Von kreativem Protest bis hin zu einer weiteren Eskalation mit Spiel-Abbrüchen scheint alles möglich. Selbst führende Fan-Vertreter wissen offenbar nicht, was passieren wird.

"Ein bisschen ist das Kaffeesatzleserei. Aber bisher hat es nur Eskalationen gegeben, und ich sehe leider kein Anzeichen dafür, dass es zurückgeht", sagte "ProFans"-Sprecher Sig Zelt, dessen Organisation bei der "AG Fankulturen" ausgestiegen ist, im kicker.

"Kollektivstrafen haben noch nie ein Problem gelöst"

Für Michael Gabriel hängt viel davon, "ob es zu einem Spielabbruch kommt, was ich für fatal hielte". Der Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) forderte beide Seiten auf, "alle Anstrengung in die Kommunikation" zu legen, "damit es nicht dazu kommt".

Große Bemühungen in dieser Hinsicht sind bei der DFL und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) zu erkennen. Beide Verbände gingen vor allem in Hinblick auf die von den Fans angeprangerten Kollektivstrafen, die den Konflikt ausgelöst haben, auf die Anhänger-Gruppen zu - so weit sie es ihres Erachtens konnten.

"Kollektivstrafen haben im deutschen Fußball noch nie ein Problem gelöst", ließ die DFL wissen: "Es gab und gibt keine pauschale Wiedereinführung." Der DFB betonte: "Es ist seit 2017 die noch immer gültige Linie, bei Zuschauerfehlverhalten im Stadion primär gegen die Täter vorgehen zu wollen." Dennoch machte die DFL auf der anderen Seite klar, dass Kollektivstrafen als "Ultima Ratio in absoluten Ausnahmefällen" nicht komplett ausgeschlossen werden kann.

Diese Argumentation können die Fan-Vertreter nicht nachvollziehen. Laut Gabriel sind Kollektivstrafen "prinzipiell falsch, weil man sehenden Auges viele Unschuldige bestraft." Für Zelt stellt diese Sanktion sogar ein "mittelalterliches und despotisches Machtinstrument" dar.

Schiedsrichter könnten erneut im Mittelpunkt stehen

Konkret geht es derzeit um die Kollektivstrafe gegen die Fans von Borussia Dortmund, die in den kommenden beiden Spielzeiten nicht ins Stadion der TSG Hoffenheim dürfen, weil Teile der Anhänger den Hoffenheimer Mehrheitseigner Dietmar Hopp diffamiert hatten. Die Strafe war eigentlich zur Bewährung ausgesetzt.

Die Bewährung wurde allerdings zuletzt widerrufen, weil BVB-Fans im Dezember wieder mit Hass und Hetze negativ aufgefallen waren. Aufgrund der abgesprochenen Aktionen von Ultra-Gruppierungen gegen die Sanktion standen am vergangenen Spieltag mehrere Spiele vor dem Abbruch, weil Hopp dabei diffamiert wurde.

Sollte es am Wochenende zu ähnlichen Vorfällen kommen, werden erneut die Schiedsrichter im Mittelpunkt stehen. Sie müssen entscheiden, wie der sogenannte Drei-Stufen-Plan mit zweimaliger Unterbrechung und möglichem Abbruch umgesetzt wird. Obwohl die Referees bei einer Schulung noch einmal sensibilisiert wurden, verlangt die DFL Nachbesserungen.

"Die Meinungsfreiheit steht nicht zur Disposition"

Das DFL-Präsidium hält es "für zwingend erforderlich", dass der Drei-Stufen-Plan "mit Blick auf konkrete Interpretation, Umsetzung und eventueller Konsequenzen präzise definiert" wird: "Alle Beteiligten benötigen schnellstmöglich Klarheit. Derzeit gibt es noch zu viele offene Fragen, die Missbrauch nicht ausschließen."

Fragen haben allerdings auch die Vereine an die DFL. Die Klubs wollen wissen, wie sie mögliche Proteste werten und in welcher Form sie darauf reagieren sollen. Als Reaktion darauf veröffentlichte die DFL eine Art Leitfaden.

"Die Meinungsfreiheit, zu der selbstverständlich auch Protest gehört, steht nicht zur Disposition. Der deutsche Fußball zeichnet sich durch eine große Vielfalt aus, daran soll und darf sich nichts ändern", hieß es darin: "Genauso klar ist aber auch: Menschen gehören auch auf Plakaten nicht ins Fadenkreuz. Diffamierungen, Hetze und Hass - gleichgültig in welcher Form - sind nicht hinnehmbar."

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