Fussball

Amine Harit schießt Schalke 04 gegen Mainz zum Sieg: Zum Glück besser als im Training

Von Robin Haack
Amine Harit erzielte gegen Mainz den Siegtreffer zum 2:1.

Amine Harit macht beim FC Schalke 04 derzeit den Unterschied. So auch beim 2:1-Sieg gegen Mainz 05. Beflügelt von seiner Tochter glänzt der Dribbler dank David Wagner und fühlt sich endlich frei.

89 Minuten sind am Freitagabend auf Schalke gespielt, als Jonjoe Kenny den Ball zu Nebenmann Amine Harit herüberschiebt. Mit Blick in Richtung Torwart Robin Zentner geht der Marokkaner ins Dribbling, lässt seinen Gegenspieler Karim Onisiwo aussteigen wie ein Hütchen im Training und zirkelt die Kugel mit dem Außenrist in die lange Torecke. Die Veltins-Arena versinkt wenige Augenblicke später im kollektiven Freudentaumel.

"Ich habe gesehen, dass die lange Ecke offen war, aber konnte nicht mit links schießen, da ich zu wenig Platz hatte", beschrieb Schalkes Matchwinner sein Siegtor zum 2:1 gegen Mainz 05 später. "Es war das schönste und wichtigste Tor meiner Karriere. Ich habe ja bislang noch nicht so viele Tore geschossen", freute er sich und fügte an, dass natürlich auch Glück dabei gewesen sei.

Dass Harits sehenswertes Siegtor tatsächlich Glück war, deutete auch sein Teamkollege Suat Serdar an, als er mit einem Augenzwinkern erklärte, dass der 22-Jährige im Training nicht derart treffsicher unterwegs ist: "Er versucht es häufig mit dem Außenrist, aber dort klappt es nicht so wie im Spiel. Umso besser, dass es in dieser Phase tatsächlich funktioniert hat."

Amine Harit spielt "wie auf der Straße mit seinen Kumpels"

"Er ist im Moment gut drauf. Wir freuen uns, dass er bei uns ist. Er spielt wie auf der Straße mit seinen Kumpels", schwärmte auch Lizenzspielerkoordinator Sascha Riether nach Abpfiff bei DAZN. "Es ist super, dass er zu alter Stärke zurückgefunden hat. Er zahlt das Vertrauen mit Toren zurück",

Doch nicht nur Riether war voll des Lobes für den offensiven Mittelfeldspieler - egal, wen man nach dem knappen 2:1-Sieg von Königsblau ansprach: Jeder war von Harits Auftritt begeistert. Eine Tatsache, mit der vor wenigen Monaten wohl nur die wenigsten gerechnet hätten. Denn statt durch starke Leistungen machte der 22-Jährige in der Vorsaison vor allem neben dem Platz auf sich aufmerksam. Ex-Sportvorstand Christian Heidel hätte den Marokkaner aus diesem Grund am liebsten schon im vergangenen Winter verkauft.

Trainer David Wagner hat es seit Sommer geschafft, aus dem vermeintlichen Einzelkämpfer mit Hang zur Ballverliebtheit, einen Spieler mit Kämpfermentalität zu formen. "Große Baustelle" nannte der Coach die Defensivarbeit Harits und arbeitete seit Beginn der Vorbereitung mit dem Techniker daran. "Wir haben ein sehr gutes Verhältnis und reden viel miteinander. Wenn du viel arbeitest, dann zahlt sich das irgendwann aus", lobte auch der Offensivkünstler seinen Förderer. "Er gibt mir viel Selbstvertrauen."

Schalke 04: Amine Harit hat "alles verändert"

Trotz zunehmender Defensivarbeit und kürzeren Ballbesitzphasen hat Harit aber auch gegen Mainz nicht vergessen, was ihn schon in der Vergangenheit ausgezeichnet hat: seine wilden Dribblings und Übersteiger. Eines dieser Soli zeigte er vor dem Treffer zum zwischenzeitlichen 1:0 als er auf die Viererkette zulief und einen messerscharfen Pass auf den einlaufenden Serdar spielte. "Als Defensivspieler weiß man in einer solchen Situation nicht, ob er abschließt oder den Pass spielt, das hat er wirklich gut gemacht", erkannte auch Mainz-Manager Rouven Schröder an.

Dank seines Doppelpacks beim 5:1-Auswärtssieg gegen den SC Paderborn kommt Harit nun auf vier Scorerpunkte in den vergangenen zwei Spielen - mehr als in der kompletten Vorsaison, als er in 18 Bundesligaeinsätzen nur ein Tor und zwei Assists zustande brachte. "Ich habe alle verändert", erklärte der marokkanische Nationalspieler.

"Jetzt bin ich frei und voller Selbstvertrauen", machte er klar und fügte an: "Wenn man diese Freiheit auf dem Platz hat und nicht daran denkt, den Ball zu verlieren, macht es einfach Spaß. Ich verspüre keinen Druck."

Amine Harit von Frau und Töchterchen Alijah beflügelt

Dass es für Harit aktuell so gut läuft, liegt neben Trainer Wagner vor allem an seiner Familie, wie der junge Vater der kleinen Alijah stolz erzählte: "Die Geburt meiner Tochter war das Schönste, was mir in meinem Leben passiert ist und nur Gott weiß, mit welch schlechten Dingen ich mich in der Vergangenheit befassen musste." All jene Dinge, die ihn im vergangenen Jahr belastet haben, sein jetzt abgehakt, versicherte er.

Weil das Zusammenleben mit seiner Frau und seiner Tochter ihn "viel ruhiger gemacht" habe und er nun wisse, wofür es sich zu kämpfen lohnt, widmete er seinen Siegtreffer seinen Liebsten, die am Freitagabend auf der Tribüne saßen. "Jetzt bin ich für eine Familie verantwortlich und muss dafür sorgen, dass zu Hause das Essen auf den Tisch kommt", sagte er mit einem Lachen.

Bevor er sich der Matchwinner allerdings aus der Mixed-Zone verabschiedete, konnte er sich eine Spitze gegen Teamkollege Serdar nicht verkneifen. "Er versucht die Schüsse mit dem Außenrist auch häufig und trifft selten", sagte er auf Nachfrage von SPOX und Goal. "Jetzt kann Suat auf jeden Fall nichts mehr sagen, denn mit diesem Tor habe ich es ihm gezeigt."

Nicht nur Serdar hat Harit mit der zweiten Top-Leistung in Folge beweisen, dass in dieser Saison mit ihm zu rechnen ist. Dank seiner wilden Spielweise und seiner neu gewonnenen Freiheit wird die ganze Bundesliga nun vor diesem Straßenfußballer gewarnt sein.

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