Fussball

Felix Kroos im Interview über Tonis Kinofilm: "Der Aufstieg ist mein persönlicher WM-Titel"

Toni oder Felix Kroos? Wer hat mehr Ahnung von der NBA?

Toni ist ja sehr früh aus dem Haus und zu den Bayern gegangen. Trotzdem wurde im Hause Kroos am Anfang erst mal noch weiter für ihn mitgedeckt am Tisch. Wie schwer war diese Zeit?

Kroos: Toni war weg und ich hatte die ungeteilte Aufmerksamkeit unserer Eltern, das war nicht so schlecht. (lacht) Nein, es war brutal schwer für mich. Aufgrund des geringen Altersunterschieds haben wir von Anfang an immer alles zusammen gemacht und jede freie Minute zusammen verbracht. Dann war Toni vom einen auf den anderen Tag plötzlich weg. Das war hart, für die ganze Familie. Wir wussten aber immer, dass es der richtige Schritt ist.

Papa Kroos hatte eine sehr schwierige Rolle, weil er seine Söhne auch trainierte. Toni schildert in der Doku, dass er sich irgendwann seinen Vater zurückgewünscht hat. Wie würden Sie das Verhältnis beschreiben?

Kroos: Für unseren Vater war es absolut schwierig, gleichzeitig die Vater- und Trainerrolle auszufüllen. Er hat früh unser Talent erkannt und wollte uns natürlich so gut es geht fördern. Das hat uns auch sehr geholfen. Genauso klar ist, dass du in der Jugend irgendwann in ein Alter kommst, in dem du dir schönere Dinge vorstellen kannst als nach jedem Training und Spiel noch zuhause eine Analyse zu bekommen. Da willst du auch mal über andere Dinge sprechen. Wir haben es ein bisschen verpasst, über die intimsten Gefühle zu sprechen, aber weder Toni noch ich machen unserem Papa einen Vorwurf. Im Gegenteil. Wir empfinden große Dankbarkeit und haben beide ein sehr gutes Verhältnis zu unserem Vater. Wir sind auch sehr wohlbehütet aufgewachsen, uns hat es an nichts gefehlt. Wir hatten eine traumhafte Kindheit.

Felix Kroos: "Das war der erste Urlaub ohne Eltern und Toni hat gleich zugeschlagen"

Tonis Frau Jessica spielt sowohl im Film als auch in Tonis Leben eine entscheidende Rolle. Sie haben jetzt auch geheiratet, welchen Anteil haben die Frauen an Erfolg?

Kroos: Ich glaube, dass man den Anteil der Frauen gar nicht hoch genug bewerten kann. Ich sage extra nicht Spielerfrauen, weil meine Frau den Begriff absolut hasst. Einfach weil in der Öffentlichkeit so ein falsches Bild davon existiert. Die Frauen müssen alles mitmachen, es geht im Prinzip die ganze Zeit um Fußball und sie sind immer diejenigen, die verzichten und zurückstecken müssen. Sowohl bei Toni als auch bei mir ist es so, dass wir da unglaublichen Rückhalt haben.

Wer hat die bessere Kennenlerngeschichte? Toni soll Jessica ja auf Fuerteventura getroffen haben.

Kroos: Ja, der Punkt geht an Toni. Das war der erste Urlaub ohne Eltern und er hat gleich zugeschlagen. (lacht) Wir waren mit unseren beiden Cousins unterwegs und hatten uns vorgenommen, richtig Vollgas zu geben. Toni hat sofort die Frau fürs Leben gefunden, das war so nicht geplant.

Toni nutzt ja jede Möglichkeit, so schnell es geht nach Hause zur Familie zu kommen, auch wenn es im Endeffekt vielleicht nur ein paar Stunden mehr Zeit zuhause bringt. Können Sie das nachempfinden?

Kroos: Ich bin jemand, der nach einem erfolgreichen Spiel auch gerne noch mit den Kollegen an der Bar sitzt, aber Toni ist es extrem wichtig, sofort nach Hause zu kommen. Wenn du auf diesem Level die Möglichkeit hast, dir einen Privatflieger zu nehmen, dann ist das natürlich auch leichter möglich. Es tut ihm gut, das ist das Entscheidende. Toni bewegt sich ja in zwei brutal unterschiedlichen Welten.

Felix Kroos über die wahren Helden des Alltags

Schön zu sehen, wenn er bei der Weltfußballer-Gala auf dem Hotelflur mal eben Diego Maradona über den Weg läuft, dann aber so schnell es geht wieder nach Hause in sein "Spießerleben" zurück will.

Kroos: Ich glaube, dass er sich mit der Familie und seinem Zuhause einen perfekten Kontrast geschaffen hat. Ja, er kann die schönen Seiten des Geschäfts mitnehmen und genießen, er trifft viele berühmte Menschen, es wird ein Film über ihn gemacht, aber er weiß auch, dass diese Sachen am Ende nur Bonus und eigentlich völlig unwichtig sind. Wichtig ist, was zuhause passiert.

Dazu passend ist ja auch die Arbeit mit seiner Stiftung, die ihn mit mehr Stolz erfüllt als alle Titel und die sich mit einem sehr schweren Thema beschäftigt: schwerkranke Kinder. Wie war Ihre erste Berührung mit dem Thema?

Kroos: Am Anfang hatte ich ein mulmiges Gefühl. Ich war mir unsicher, wie die Kinder reagieren würden. Aber dann habe ich ganz schnell gemerkt und erleben dürfen, was das für eine super Erfahrung ist und welch positive Stimmung dort herrscht - das hätte ich nicht erwartet. Schon beim zweiten Besuch im Kinderhospiz bin ich mit einem ganz anderen Gefühl hingegangen und habe mich richtig darauf gefreut. Wenn du merkst, wie du nicht nur den kranken Kindern, sondern auch den Geschwistern und den ganzen Familien mit kleinen Sachen eine große Freude machen kannst, ist das etwas ganz Besonderes. Es ist auch sehr beeindruckend, wie positiv die Kinder mit den Schicksalsschlägen umgehen. Davor habe ich den größten Respekt. Ich kann jedem nur empfehlen, einmal in ein Kinderhospiz zu gehen und diese Erfahrung selbst zu machen. Fußballer oder Künstler sind keine Helden, für mich sind diese Kinder und diese Familien die Helden des Alltags.

Gibt es einen Fall, der Sie besonders berührt hat?

Kroos: Es gab ein Mädchen, das den großen Wunsch hatte, nochmal einen Helikopter-Flug machen zu dürfen und nochmal ans Meer zu kommen. Diesen Wunsch konnten wir ihr erfüllen und ich durfte es ihr persönlich mitteilen. Die Freude in ihrem Gesicht zu sehen, war unfassbar. Ein paar Monate später ist das Mädchen verstorben. Ihr Tod hat mich emotional sehr mitgenommen und beschäftigt. Es war aber auch irgendwo schön zu wissen, dass wir ihr nochmal einen besonderen Moment schenken konnten.

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