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Fussball

"Magengeschwür und Herzflimmern"

Von Interview: David Kreisl
Ex-Spieler Jimmy Hartwig leidet immer noch mit dem Hamburger SV mit
© getty

Jimmy Hartwig erlebte den HSV zu seiner erfolgreichsten Zeit und holte in den Achtzigern drei Meisterschaften und den Europapokal der Landesmeister mit den Hanseaten. Im Interview mit SPOX spricht die Hamburger Kultfigur über Thorsten Finks Rauswurf, den FC Bayern als Vorbild und das kommende Nord-Derby gegen Werder Bremen.

SPOX: Herr Hartwig, Sie standen nicht nur für den HSV, sondern unter anderem auch für 1860 München und den 1. FC Köln auf dem Platz. Wie intensiv verfolgt man als Ehemaliger seine alten Vereine?

Jimmy Hartwig: Sehr intensiv. Ich leide natürlich genauso, wie die meisten Fans leiden, nur mit einer anderen Sichtweise. Vieles, was in diesen Vereinen passiert, kann ich einfach nicht verstehen.

SPOX: Dann dürfte Ihnen die aktuelle Situation beim Hamburger SV ja nicht gerade gefallen?

Hartwig: Wow, das ist wie ein Magengeschwür und Herzflimmern zugleich.

SPOX: War die Entlassung von Coach Thorsten Fink ihrer Meinung nach der richtige Schritt?

Hartwig: Zunächst möchte ich Thorsten Fink erst einmal beglückwünschen, dass er versucht hat, aus dieser Mannschaft etwas zu formen. Ich wünsche ihm jetzt viel Glück für die Zukunft und dass er sich bei seiner Familie wieder viel Kraft holt. Die vielen Trainerwechsel beim HSV machen es doch offensichtlich, dass die Trainerfrage aktuell nicht der richtige Stellhebel ist. Der muss woanders angesetzt werden.

SPOX: Was läuft beim HSV nicht richtig? Wie bewerten Sie die Außendarstellung des Klubs, zum Beispiel mit Investor Klaus-Michael Kühne, der sich in den letzten Tagen immer wieder einmischt?

Hartwig: Man darf nicht vergessen, dass Herr Kühne den HSV mit seinen finanziellen Spritzen gerne auch mal rettet. Damit darf er doch auch Einfluss nehmen. Der HSV sollte sich ein Beispiel an der Organisation und Führung des FC Bayern nehmen, dann würde es dort vielleicht richtig laufen.

SPOX: Viele Trainernamen werden derzeit mit den Hamburgern in Verbindung gebracht - wer wäre Ihrer Meinung nach die richtige Wahl?

Hartwig: Felix Magath, weil er nicht nur Trainer wäre, sondern insgesamt mitsprechen würde.

SPOX: Kann der HSV in der aktuellen Situation mit den aktuellen Strukturen überhaupt wieder auf Kurs gebracht werden?

Hartwig: Sehr schwer, denn ich bin mir sicher, dass umstrukturiert werden muss.

SPOX: Ist das Projekt "HSVPlus" da der richtige Ansatz? Mit Ditmar Jakobs, Holger Hieronymus und Thomas von Heesen sind aus der 83er-Mannschaft einige alte Kollegen von Ihnen involviert.

Hartwig: Die Idee einer Umwandlung in eine AG kann ich nur gutheißen, weil so ja auch der FC Bayern aufgestellt ist und damit größtmögliche Transparenz geschaffen werden kann. Die Personalien sollte man sich gut überlegen.

SPOX: Am Samstag steht das Nord-Derby an. Vor vier Jahren war HSV gegen Werder noch ein UEFA-Cup-Halbfinale. Was ist los mit den beiden Aushängeschildern im Norden, dass sie innerhalb weniger Jahre so abgerutscht sind?

Hartwig: Werder Bremen und den HSV unterscheidet nur der Fluss, an welchem die jeweiligen Städte liegen. Obwohl ich persönlich große Stücke vom aktuellen Werder-Präsidenten Klaus-Dieter Fischer halte.

SPOX: Was erwarten Sie vom Spiel am Wochenende? Kriegt der HSV nach der Klatsche gegen den BVB die Kurve?

Hartwig: Sie werden 2:1 gewinnen, weil sie hoffentlich gemerkt haben, dass sie mit ihrer bisherigen Einstellung nicht weiterkommen.

SPOX: Was haben Sie für Derby-Erinnerungen aus Ihrer aktiven Zeit?

Hartwig: Ich habe immer gute Erinnerungen an Spiele gegen Werder Bremen. Es war immer schön, aber nicht mehr und nicht weniger.

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