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Fussball

Plötzlich ist der Druck da

Von Benjamin Wahlen
"Es ist 12 Uhr und nicht 5 vor 12." - Fortuna Düsseldorf muss um den Klassenerhalt kämpfen
© getty

Fünf Spiele, neun Punkte, null Gegentore. So startete Aufsteiger Fortuna Düsseldorf in die neue Saison. Aus elf Zählern Vorsprung auf den Relegationsplatz sind zwei Spiele vor Saisonende kümmerliche drei Tore geworden - Düsseldorf steht mitten im Abstiegskampf (Sa. 15.15 Uhr im LIVE-TICKER).

Es ist etwas mehr als ein Jahr her. Fortuna Düsseldorf liegt am 23. Spieltag der 2. Liga auf dem fünften Rang der Tabelle und noch ganz gut im Rennen um den Aufstieg.

Zufriedenstellend ist diese Situation für den Verein allerdings nicht, lag man doch in der Winterpause noch mit fünf Punkten Vorsprung auf dem ersten Tabellenplatz.

Die Rückrunde verläuft aber deutlich schlechter für die Rheinländer. Die Abwehr steht immer noch relativ stabil, die eigenen Treffer bleiben aber meist aus. Düsseldorf verliert den Anschluss an Fürth und Frankfurt, kämpft stattdessen mit Paderborn und St. Pauli um den Relegationsplatz.

"Druck, was für ein Druck?"

Beunruhigend war das Ganze für Trainer Norbert Meier damals allerdings nicht: "Druck, was für ein Druck? Wenn ich arbeitslos bin und drei Kinder zu ernähren habe, dann habe ich Druck. Wir spielen nicht gegen den Abstieg, wir wollen oben dabei bleiben. Eigentlich kann dich das doch nur positiv beeinflussen."

Der Ausgang der Geschichte ist bekannt: Die Fortuna fing sich, schaffte es auf den Relegationsplatz und stieg nach dem Skandalspiel gegen Hertha BSC in die Bundesliga auf. Der Herbstmeisterschaft folgte Platz neun in der Rückrundentabelle, allein das Torverhältnis entschied das Rennen mit dem FC St. Pauli.

Die Überraschung der Hinrunde

In dieser Saison befindet sich die Fortuna in einer vergleichbaren Situation. 13. nach der Hinrunde, satte neun Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Düsseldorf überraschte die Liga mit einem neu zusammengewürfelten Kader und einer bombensicheren Abwehr.

Vor dem 33. Spieltag ist es nun wieder nur das Torverhältnis, das die Fortuna vom Relegationsplatz trennt. Kein Sieg in den letzten zehn Spielen, mehr als zwei Gegentore pro Partie: Düsseldorf befindet sich im stetigen Fall, der in der 2. Liga enden könnte.

Entsprechend anders ist in diesem Jahr auch die Stimmung in der Mannschaft, im Umfeld und bei den Verantwortlichen. Plötzlich ist der Druck da. Diesmal geht es nicht darum, ein ohnehin nicht angepeiltes Saisonziel knapp zu verpassen, es geht um den Klassenerhalt.

Was läuft verkehrt?

Wie ist der erneute Abfall der Mannschaft in der Rückrunde zu erklären? Klar, die Fortuna hatte mehr mit Verletzungsproblemen zu kämpfen als die Konkurrenz im Abstiegskampf. Langzeitverletzt war aber lediglich Abwehrchef und Kapitän Jens Langeneke.

Viel auffälliger ist aber der fehlende Geist und Zusammenhalt der Mannschaft, eine Stärke, auf die sich die Fortuna in den letzten Jahren immer verlassen konnte. Sinnbildlich dafür waren die fehlenden Aufmunterungs- und Anfeuerungsversuche nach Dani Schahins Anschlusstor in Frankfurt. Die Mannschaft scheint resigniert zu haben, Einzelkämpfer wie Axel Bellinghausen oder Robbie Kruse können das Team nicht alleine mitreißen.

Dazu kommt, dass die Schlüsselspieler ihrer Form aus der Hinrunde hinterherlaufen. Angefangen bei Fabian Giefer, der bis zur Winterpause noch zu den besten Torhütern der Liga gezählt wurde, inzwischen aber längst nicht mehr die gleiche Sicherheit ausstrahlt und wiederholt patzte. Gleiches gilt für Lumpi Lambertz und Stefan Reisinger, allesamt absolute Leistungsträger ihrer Mannschaft in der Hinserie.

Die Konzentration fehlt

"Wenn Spieler zu einem anderen Verein Kontakt haben, lässt die Konzentration nach - ohne dass ihnen das bewusst ist. Sie sind mit den Gedanken dann nicht mehr zu 100 Prozent dabei", spricht Manager Wolf Werner eine mögliche Ursache für Leistungsschwankungen an.

Psychologisch hat Fortuna nach der langen Serie ohne Sieg die vermeintlich schlechtesten Karten. Die Mannschaft bekommt den Druck nicht aus dem Kopf, agiert gerade zu Beginn einer Partie verunsichert und gehemmt. Das Selbstvertrauen fehlt in allen Mannschaftsteilen, Schuldzuweisungen auf dem Platz sind an der Tagesordnung.

Hoffenheim und vor allem Augsburg geben da ein ganz anderes Bild ab. Der FCA präsentiert sich schon seit Monaten als geschlossene Einheit und steht nicht umsonst in der Rückrundentabelle auf Platz sieben. Auch Hoffenheim ist nach den letzten Erfolgserlebnissen im Aufschwung und gegenüber Düsseldorf mental im Vorteil.

Was lässt Düsseldorf hoffen?

Noch ist das Kind nicht in den Brunnen gefallen, Düsseldorf geht mit der komfortabelsten Situation der drei Abstiegskandidaten in die heiße Phase. Die Rheinländer liegen auf dem 15. Tabellenplatz, sind punktgleich mit Augsburg, zwei Zähler vor Hoffenheim und haben das beste Torverhältnis. Düsseldorf hat es also selbst in der Hand und muss nicht auf Patzer der Konkurrenz hoffen.

Ebenfalls Grund zur Hoffnung gibt das Restprogramm. Mit Nürnberg und Hannover hat die Fortuna lösbare Aufgaben in den letzten Partien: Beide Gegner liegen im tristen Mittelfeld der Bundesliga und spielen nur noch um einen versöhnlichen Saisonabschluss.

Augsburg muss am 33. Spieltag zum FC Bayern München und empfängt anschließend die SpVgg Greuther Fürth. Hoffenheim hat erst Hamburg zu Gast und reist am letzten Spieltag nach Dortmund. Geht man davon aus, dass sich Bayern die Meisterfeier nicht verderben lassen werden und sich auch Dortmund gebührend von seinen Fans verabschieden will, ist ein Dreier gegen Nürnberg ein großer Schritt Richtung Klassenerhalt.

Fans und Verein besinnen sich auf das Wesentliche

Die Fans stehen weiter hinter ihrer Mannschaft und wissen um die Bedeutung des Heimspiels gegen den Club. Pfiffe und Unmut sind nur zu erwarten, wenn sich die Mannschaft kampflos ergibt.

Fehlen werden beim Endspurt Andrij Voronin und Nando Rafael, die Norbert Meier am Dienstag bis Saisonende suspendierte, weil er "während der letzten beiden Wochen ausschließlich mit jenen Akteuren arbeiten möchte, die er für den Abstiegskampf benötigt."

Axel Bellinghausen gibt die Richtung vor: "Jetzt gegenseitig mit dem Finger aufeinander zu zeigen, wäre fatal und entspräche auch nicht dem Charakter der Mannschaft." Der bissige Fighter will auch in der nächsten Saison wieder Bundesligaspiele wie auf Schalke erleben: "Da haben wir richtig Bock drauf, das könnt ihr als Kampfansage verstehen."

Die Fortuna konzentriert sich auf das Wesentliche und versucht die Kräfte vor dem Endspurt zu bündeln. Die Mannschaft hat nicht an Qualität, sondern an mentaler Stärke verloren. Die Aufgabe von Trainer Meier ist daher vor allem, die Abstiegsangst aus den Köpfen seiner Spieler zu bekommen und ihre Blockade zu lösen.

Der Druck ist da, die Fortuna muss lernen damit umzugehen - spätestens am Samstag.

Fortuna Düsseldorf im Überblick

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