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Fussball

Das Loch hinter den fantastischen Vier

Von Jochen Tittmar
Die alternative BVB-Viererkette: Felipe Santana, Oliver Kirch, Koray Güner, Marcel Halstenberg (v.l.)
© spox

Borussia Dortmund hat es geschafft, alle Verträge der begehrten Spieler aus der Stamm-Viererkette zu verlängern. Doch hinter Lukasz Piszczek, Neven Subotic, Mats Hummels und Marcel Schmelzer sinkt die Qualität der Backups beträchtlich. Ein Risiko?

Marcel Schmelzer ist kein Typ, der gerne im Rampenlicht steht. Es mag ihm deshalb vielleicht ganz recht gewesen sein, dass sein Bekenntnis zum Klub im Trubel der blitzlichtumwitterten Rückkehr von Nuri Sahin ein wenig unterging.

Schmelzer war der Letzte aus Dortmunds Stamm-Viererkette um Lukasz Piszczek, Mats Hummels, Neven Subotic und Schmelzer, der seine Unterschrift unter ein neues Arbeitspapier setzte.

Wie entscheidet sich Santana?

Damit ist es dem Verein gelungen, alle vier Leistungsträger bis 2016 (Subotic) beziehungsweise 2017 (Piszczek, Hummels, Schmelzer) zu binden. Eine zweifelsohne außerordentliche Leistung der sportlichen Führung. Die Arbeit in diesem Mannschaftsteil ist damit jedoch längst nicht abgeschlossen.

Der Blick richtet sich nun auf die Backups dieser fantastischen Vier. Manager Michael Zorc wird im Verlauf der Rückrunde Gespräche mit Felipe Santana und dem seit langer Zeit verletzten Patrick Owomoyela führen müssen.

Während bei Letztgenanntem der Vertrag zum Saisonende ausläuft, wurde Santana bei seiner Verlängerung im Sommer die Möglichkeit zugesichert, im Laufe der Spielzeit ein persönliches Fazit hinsichtlich seiner Einsatzzeiten zu ziehen und gegebenenfalls den Verein vorzeitig verlassen zu können.

Dortmunder Abwehrgerüst wackelt

Nimmt man die nackten Zahlen als Grundlage, dürfte Santana nicht zufrieden sein. Seine Hoffnung auf mehr Rotation, die er im Sommer im Interview mit SPOX geäußert hatte, hat sich nicht erfüllt. Der Brasilianer stand nur in fünf von 26 Pflichtspielen beim Anpfiff auf dem Platz. Viele Pluspunkte konnte er dabei nicht sammeln, seine Leistungen waren gemessen an den Aushilfseinsätzen der Vorjahre allenfalls solide.

Santanas Bilanz wird nun dank Subotic' Faserriss am Muskelsehnenübergang, der ihn sechs Wochen außer Gefecht setzt, aufgebessert. Doch Santana laboriert aktuell selbst an einem Nasenbeinbruch, an diesem Dienstag soll er wieder ins Training einsteigen und sich voraussichtlich an eine Spezialmaske gewöhnen.

Beim Auftaktspiel bei Werder Bremen am Samstag (18.15 Uhr im LIVE-TICKER) dürfte er dabei sein. Doch macht diese Personalie deutlich, wie wacklig das Dortmunder Abwehrgerüst sein kann, wenn es das Schicksal nicht gut meint.

Klopp: "Jetzt darf nicht noch mehr passieren"

Es ist zwar nicht unwahrscheinlich, dass der BVB noch im Januar auf den Abgang von Schmelzer-Vertreter Chris Löwe reagieren wird, derzeit stehen neben Santana jedoch nur Oliver Kirch sowie die beiden bundesligaunerprobten Youngster Koray Günter und Marcel Halstenberg zur Verfügung, sollte noch ein Glied der Stamm-Viererkette wegbrechen.

Ein längerfristiger Ausfall von Hummels etwa würde in der aktuellen Situation ein enormes Qualitätsloch in den Defensivverbund reißen. Zur Verdeutlichung: Trainer Jürgen Klopp müsste sich dann aus dem Trio Sven Bender, Günter oder Sebastian Kehl bedienen, um die Innenverteidigung wieder aufzufüllen.

Doch auch an der derzeitigen Gemengelage sieht man, dass das Gefälle zwischen Stamm- und Ersatzabwehrspielern beträchtlich ist. Ähnlich dürfte auch Klopp denken, schließlich traute er bei den letzten Engpässen Spielern wie Kirch oder Löwe nicht zu, die defensivtaktischen Abläufe fehlerfrei umzusetzen und beorderte stattdessen Kevin Großkreutz (im Pokal gegen Hannover) sowie Jakub Blaszczykowski (in Hoffenheim) auf die Außenverteidigerposition. Und sagte dazu nach Subotic' Ausfall: "Jetzt darf nicht noch mehr passieren."

Optimierungsbedarf auf den Plätzen 12 bis 18

Schon die Vorrunde zeigte, dass Dortmunds zweiter Anzug nicht auf Anhieb sitzt - mit einer der Gründe, warum der BVB gegen Schalke, Düsseldorf und Wolfsburg Punkte liegen ließ.

Auch Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ließ bereits wissen, dass man sich zukünftig "auf den Plätzen 12 bis 18 im Kader noch verbessern" müsse, um diesen dauerhaft zu stabilisieren. Dass er dabei vor allem den Abwehrbereich gemeint hat, ist angesichts des Überflusses an variablen Mittelfeldspielern offensichtlich.

Das Problem dabei: Es ist keineswegs leicht, etwaige Kandidaten davon zu überzeugen, sich "im Normalfall" mit einem Platz auf der Bank begnügen zu müssen. Die Vertragsverlängerungen mit den über jeden Zweifel erhabenen Piszczek, Subotic, Hummels und Schmelzer sind nicht nur ein klares Signal an die aktuelle Abwehr-Belegschaft, sondern auch an potentielle Neuverpflichtungen. Dazu gibt der Spielermarkt traditionell nur wenige Optionen auf den Außenverteidigerpositionen her, also dort, wo momentan vermeintlich am dringlichsten Bedarf bestünde.

Keine fertigen Profis als Neuzugänge

Der BVB wird dabei bleiben, auf junge und entwicklungsfähige Spieler zu setzen und keine fertigen Profis holen. "An der generellen Herangehensweise wird sich auf Jahre hinaus erst einmal nichts ändern. Wir glauben für uns, dass es der sinnvollere und auch freudvollere Weg ist, Spieler im Kader zu entwickeln", sagt Klopp.

Doch ein Spieler der Kategorie Sebastian Jung (22, Eintracht Frankfurt, Ausstiegsklausel über 2,5 Millionen Euro), qualitativ über Kirch und Co., aber (noch) unterhalb der vier Stammspieler anzusiedeln, wird angesichts der unverrückbaren Konkurrenz sicherlich genau abwägen, ob ein solcher Schritt für ihn Sinn ergibt.

Bei den ausgeliehenden Lasse Sobiech (Innenverteidiger, Greuther Fürth) und Julian Koch (Außenverteidiger, MSV Duisburg) hat der BVB zwar die Möglichkeit, sie zur neuen Spielzeit wieder nach Dortmund zurück zu holen. Eine 1-b-Lösung, wie es beispielsweise der angesprochene Jung wäre, können angesichts der gestiegenen sportlichen Ansprüche aber beide noch nicht sein.

So muss die Borussia kurzfristig darauf hoffen, dass das Vabanque-Spiel gutgeht. Günter und Halstenberg wurden angehalten, nicht mit ins Trainingslager der U 23 zu fahren und stattdessen bei den Profis bereit zu stehen. Owomoyelas Plan sieht vor, Ende Januar wieder ins Mannschaftstraining einzusteigen.

Doch vielleicht macht es Subotic ja auch BVB-Legende Dede nach, der bei seinen Blessuren mehrfach die prognostizierte Ausfallzeit unterbot. Darauf spielt auch Zorc an: "Neven hat gutes Heilfleisch. Schauen wir mal, ob es wirklich sechs Wochen werden."

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