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Fussball

Das teuerste Missverständnis des Sommers?

Von SPOX
Eren Derdiyoks Arbeitsnachweis in Hoffenheim bisher: 343 Minuten Einsatzzeit, null Tore
© Getty

Eren Derdiyok fasst in Hoffenheim so gar nicht Fuß, auch Hamburgs angebliche Skandalnudel ist noch nicht angekommen. In Freiburg meldet sich ein fast Vergessener wieder zurück.

1899 Hoffenheim: "Die Gespräche mit Trainer Markus Babbel haben mich überzeugt. Er setzt voll auf mich, und ich bin sicher, dass es richtig ist, diesen Schritt zu gehen." Das sagte Eren Derdiyok vor der Saison. Da war sein Wechsel von Bayer Leverkusen nach Hoffenheim gerade publik geworden. Der Schweizer hatte offenbar auch mit Dortmund, Mönchengladbach und Schalke gesprochen, sich letztlich dann aber doch für die TSG entschieden. Nach knapp einem Drittel der Saison ist der zusammen mit Joselu teuerste Zugang des letzten Sommers (rund 5,5 Mio. Euro Ablöse) allerdings außen vor. Erst ein Spiel hat Derdiyok bisher über die vollen 90 Minuten bestritten, beim 0:4 gegen Frankfurt am 2. Spieltag. Seit Mitte September spielt er entweder gar nicht mehr oder kommt für ein paar Minuten von der Bank. Zuletzt gegen Schalke wurde ihm sogar Sven Schipplock vorgezogen, eigentlich Stürmer Nummer vier in Hoffenheim. Der schoss Sekunden nach der Einwechslung prompt das Siegtor - fast schon unnötig zu erzählen, dass Derdiyok noch gar nicht für seinen neuen Klub getroffen hat. Die Bilanz bisher rückt ihn verdächtig nahe an die Kategorie "Teuerstes Missverständnis des Sommers".

VfB Stuttgart: Auf dem Zettel stand Kevin Stöger bereits vor gut einem Jahr schon. Dann stoppte ihn ein Knochenödem im Mittelfuß, die Zwangspause verwehrte dem Regisseur der zweiten Mannschaft einen flotteren Sprung in den Profibereich. Vor einer Woche im Pokalspiel gegen St. Pauli war es dann soweit: Stöger feierte sein Debüt in der ersten Mannschaft.

Ein erster Schritt für den Österreicher, wenngleich die nächsten wohl noch eine Weile auf sich warten lassen werden. An seinen körperlichen Defiziten arbeitet der 19-Jährige schon seit längerem. "Er muss aber noch dazulernen und effektiver werden", sagt Sportdirektor Fredi Bobic. Stöger, der beim VfB einen Vertrag bis 2015 hat, soll neben Raphael Holzhauser (19), Antonio Rüdiger (19) und Rani Khedira (18) den viel zitierten Stuttgarter Weg in den kommenden Jahren mit Leben füllen. Wie der eine oder andere vor ihm auch schon, darf sich Stöger die nötige Reife für höhere Aufgaben gerne auch woanders holen. Ein Leihgeschäft im Winter erscheint möglich. "Manchmal ist eine Ausleihe sinnvoll", so Bobic.

Hamburger SV: Paul Scharner hat seine schmale Einsatzzeit von lediglich fünf Minuten in der Bundesliga in völlig fremden Gefilden verbracht. Beim 0:1 zu Hause gegen den VfB Stuttgart sollte der 32-Jährige kurz vor dem Ende am Ausgleichstreffer mitbasteln - als Anspielstation für lange, hohe Bälle ganz vorne drin in der Sturmspitze. Verpflichtet wurde der Österreicher aber als Spezialist für die Innenverteidigung des HSV. Nach einer schweren Verletzung (Innenbandriss im rechten Knie) und rund sechs Wochen Pause sind die Plätze im Zentrum der Viererkette aber besetzt. Heiko Westermanns Rückversetzung entpuppte sich als guter Griff, Michael Mancienne ist neben Westermann bis auf weiteres gesetzt - auch wenn der Engländer beileibe nicht immer überzeugend auftritt. Scharner dürfte sich derzeit mit dem mehr oder weniger kaum noch beachteten Jeffrey Bruma auf einer Stufe sehen. Allerdings erwächst den beiden auf mittelfristige Sicht in Slobodan Rajkovic wieder ernsthafte Konkurrenz. Der Serbe war eigentlich schon ausgebootet, wurde jetzt von Trainer Thorsten Fink aber begnadigt. Ein Muskelfaserriss setzt Rajkovic jetzt mindestens zwei Wochen außer Gefecht. An und für sich war Scharner mit dem Ziel angetreten, ein Führungsspieler zu werden. Davon ist er derzeit aber noch ein ganzes Stück entfernt.

SC Freiburg: Die Aufgabenstellung war nicht eben leicht zu interpretieren. "Zwischen den Linien schwimmen", sollte Jan Rosenthal bei Freiburgs Gastspiel in Mönchengladbach. Das zumindest hatte ihm Trainer Christian Streich in seiner ihm eigenen Rhetorik mit auf den Weg gegeben. Dass Rosenthal überhaupt so schnell wieder mitschwimmen konnte, kam doch einigermaßen überraschend. In der ersten Pokalrunde bei Victoria Hamburg verletzte sich Rosenthal schwer am Knie (Sehnenanriss) und fiel über zehn Wochen aus. Erst wenige Tage vor dem Spiel in Gladbach stieg der ewige Pechvogel (unter anderem verletzt wegen einer Schambeinentzündung, einem Jochbeinbruch, langwieriger Hüftprobleme und einem halbes Dutzend Muskelfaserrisse) wieder ins Mannschaftstraining ein. "Zwei bis drei volle Trainingseinheiten vor einem Bundesligaspiel sind zu wenig", schrieb Rosenthal selbst vor dem Siel auf seine Facebook-Seite. Wie sehr der Trainer aber auf Rosenthal in der Rolle des Halbstürmers setzt, zeigte dann die Tatsache, dass Rosenthal plötzlich zum Einsatz kam, während die Kontrahenten wie Erik Jendrisek oder Karim Guede weiter auf der Bank schmoren mussten. Die Perspektive für Rosenthal stimmt also, jetzt muss er nur noch gesund bleiben.

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Borussia Mönchengladbach: Als Granit Xhaka im Sommer an den Niederrhein kam, orientierten sich seine Ambitionen nahezu am Maximum: Mit der Borussia wollte er die Königsklasse aufmischen und über die Liga am Ende der Saison auch wieder in selbige einziehen. Derzeit läuft es für seinen Klub aber alles andere als rund - und für Xhaka selbst schon gar nicht.

Am Wochenende beim Spiel gegen Freiburg fand sich der 20-Jährige auf der Bank wieder. Wie schon einige Tage davor im Pokalspiel bei Fortuna Düsseldorf. Die Borussia ist nach dem Verlust ihrer Achse Dante-Neustädter-Reus immer noch nicht so weit und Xhaka momentan nicht derjenige, der der Mannschaft den nötigen Schub nach vorne verleihen könnte. Also ist Geduld gefragt: Vom Spieler, seinem Trainer, den Kollegen, den Fans und den Medien. "Es braucht seine Zeit, Granit ist jung, er muss noch lernen", sagt Lucien Favre und stößt damit bei seinem Spieler auf Verständnis. Offenbar hat der forsche Xhaka verstanden, dass ein Schritt zurück nicht immer gleichbedeutend ist mit einem Rückschritt.

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