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Fussball

Christian Heidel: "Ist dieser Don Heiteli hier?"

Von Interview: Haruka Gruber
Christian Heidel ist seit 1991 für den FSV Mainz 05 tätig
© Imago

Mainz 05 ist die Erfolgsstory eines ungewöhnlichen Mannes. Christian "Don" Heidel ist Telenovela-Gucker, ein Fan-Urgestein - und der vielleicht beste Manager der Bundesliga. Ein Interview mit dem 48-jährigen Heidel über seinen Weg vom Kutten-Fan zum Autohaus-Geschäftsführer und Macher von Mainz 05.

SPOX: Herr Heidel, Sie sind ein rastloser Mensch. Konnten Sie dennoch die Eröffnungsfeier der Coface-Arena genießen und angesichts des Erreichten etwas in sich gehen?

Christian Heidel: Normalerweise stehe ich ja bei Spielen hinter dem Tor. Diesmal habe ich mal eine Stunde auf der Tribüne gesessen und mir das tolle Spektakel in aller Ruhe angeschaut. Vor meinem Auge lief dann ein Film ab, was in den letzten 20 Jahren hier so alles passiert ist.

SPOX: Welche Bilder kamen auf?

Heidel: Es ging weniger um schöne Siege oder bittere Niederlagen, vielmehr schossen Bilder in den Kopf, wie sich die Heimstätte des FSV seit den 70er Jahren verändert hat und wie bezeichnend das ist für die generelle Entwicklung des Vereins. Alleine in den letzten fünfzehn Jahren spielte Mainz 05 quasi in drei verschiedenen Stadien. Der Bruchweg wurde zweimal komplett umgebaut, jetzt die Coface-Arena. Ich habe fast täglich miterlebt, was sich alles getan hat. Wie die Bagger kamen, wie die Tribünen hochgezogen wurden. Deswegen nahm ich mir bei der Eröffnungsfeier die Freiheit und ließ alles Revue passieren.

SPOX: Ansonsten, so wird erzählt, kommen Sie nur zur Ruhe, wenn Sie sich im Fernsehen die Telenovela 'Sturm der Liebe' ansehen. Stimmt es, dass Sie ein großer Fan sind?

Heidel: Ich Idiot habe das irgendwann mal erzählt und seitdem verfolgt mich die Geschichte. Um es klarzustellen: Ich bin alles andere als ein Fan von Soaps und Telenovelas und kenne mich da überhaupt nicht aus. Ich bin glücklicherweise fast nie krank, aber vor einigen Jahren lag ich mal wegen einer Grippe drei Tage flach. Ich konnte nichts machen außer fernsehen - und da lief eben zufällig morgens diese Serie und ich habe an drei Tagen, drei Folgen gesehen und war im Thema. (lacht) Die Serie kommt ja Tag und Nacht und ab und zu sehe ich eine Folge, alleine schon, um mit meiner Mutter zu diskutieren. Das fördert das Familienleben.

SPOX-Reportage: Der Container der Träume - so mischt Mainz bei den Großen mit

SPOX: Ihr Leben klingt fast schon idyllisch - aber wie hektisch und arbeitsam geht es tatsächlich bei einem Bundesliga-Manager zu?

Heidel: Das ist ein Fulltime-Job - und mit Fulltime meine ich 365 Tage im Jahr ohne richtig abzuschalten. Die Nerven spielen eine große Rolle, da sich der Beruf komplett in der Öffentlichkeit abspielt. Ich bin jedoch ganz weit davon entfernt, mich zu beklagen. Mein ganzes Leben dreht sich um Fußball und ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Daher ist es auch kein Problem, wenn das Handy nie aufhört zu klingeln.

SPOX: Ihr Werdegang ist einzigartig: Sie waren 15 Jahre lang ehrenamtlich als FSV-Manager tätig und arbeiteten parallel als Geschäftsführer eines BMW-Autohauses. Erst seit 2006 konzentrieren Sie sich auf den Fußball. Was hat sich verändert?

Heidel: Gar nicht so viel. Früher wurde meine Arbeit von Außenstehenden verniedlicht, weil ich als Manager kein Geld vom Verein bekommen habe. Aber damals wie heute musste alles abgearbeitet werden. Immerhin sind wir während dieser Zeit nie aus der 2. Liga abgestiegen, sondern 2004 sogar in die Bundesliga aufgestiegen.

SPOX: Wie haben Sie die Doppelbelastung geschafft?

Heidel: Mit Effizienz. Die Profiabteilung wurde im Büro der Firma abgewickelt. Ein Büro im Klub habe ich erst seit 2005.

SPOX: Ihnen hängt der Ruf nach, dass Sie ein solch geschickter Bundesliga-Manager seien, weil Sie ihr Handwerk als Autoverkäufer gelernt hätten...

Heidel: ... was überhaupt nicht stimmt. Den Titel habe ich Rudi Assauer zu verdanken, der dies mal bei einer Auseinandersetzung um die Transfersumme beim Wechsel von Mimoun Azaouagh, die er übrigens dann zahlen musste, zum Besten gegeben hat. Dabei habe ich den Beruf des Automobilverkäufers weder gelernt noch jemals ausgeübt, sondern komme aus dem Kaufmännischen.

SPOX: Geht es genauer?

Heidel: Ich habe nach dem Abitur eine Ausbildung als Bankkaufmann absolviert und bin später in das regionale Autovermietungs-Unternehmen meiner Eltern eingestiegen. Als mein Vater in die Politik wechselte, habe ich mit 21 Jahren erst den Betrieb übernommen, später verkauft und mich dann an einem BMW-Betrieb mit 20 Prozent beteiligt.

SPOX: Hilft Ihnen das Wissen, dass Sie nicht auf die Bundesliga angewiesen sind und in die freie Wirtschaft zurückkehren könnten, sollte es im Fußball nicht so erfolgreich laufen?

Heidel: Ich fand es immer angenehm, unabhängig zu sein. Meine persönliche Entwicklung und die des Vereines haben dann zu der hauptamtlichen Tätigkeit geführt. Es schadet sicherlich nicht, im Leben über den Tellerrand hinauszublicken. Deswegen verfolgen wir zum Beispiel bei unserer Nachwuchsarbeit auch die Idee, dass die jungen Spieler sich nicht ausschließlich als Fußballer definieren sollen. Wir sind keine Freunde von Fußballinternaten, sondern verfolgen einen anderen Ansatz mit dem Kolpinghaus. Dort wohnen unsere Nachwuchsfußballer zusammen mit Auszubildenden aus anderen Ausbildungsberufen. Dies ist für deren Persönlichkeitsentwicklung sehr förderlich.

SPOX: Der Erfolg spricht für Sie - und entsprechend umworben müssten Sie in der Bundesliga sein.

Heidel: Der FSV wird mittlerweile nicht mehr als der kleine Zweitligist belächelt, der gegen den Abstieg kämpft, sondern als konkurrenzfähiger Bundesligist. Mainz 05 ist sehr spannend und noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen. Ich bin Mainzer. In Mainz geboren, Mainz ist meine Heimat. Seit Kindesbeinen bin ich Mainz-05-Anhänger und seit 20 Jahren darf ich Teil der Entwicklung dieses Vereines sein. Das ist für mich eigentlich kein Job, sondern mehr eine selbstauferlegte Verpflichtung. Über andere Möglichkeiten oder Angebote habe ich nie gesprochen und dabei bleibt es.

Teil II: Heidel über sein Leben als Kutten-Fan und seine Tunnel-Phobie

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