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Fussball

Hoffenheims Triple-Experiment

Von Haruka Gruber
Für Rangnick ein "Experiment", für Flamengo-Präsident Braga der "neue Juan": Hoffenheims Fabricio
© 1899 Hoffenheim

1899 steckt in der Mini-Krise. Einige Leistungsträger sind müde oder angeschlagen. Die Hoffnungen ruhen nun auf anderen: Auf Hoffenheims Vorzeigetalent oder dem "neuen Juan".

Die oberflächlichen Medien mit ihren "schwachsinnigen" Anfragen stören also die Konzentration. Seine Spieler wiederum lassen sich zu sehr blenden vom aufkommenden Starkult und achten nicht mehr auf das Wesentliche. Und überhaupt, die chaotischen Verkehrsbedingungen an der Rhein-Neckar-Arena sind eines Bundesligisten nicht würdig.

Mit einer überraschenden Vehemenz meldete sich Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick im Laufe der Woche zu Wort und ließ Dampf ab. "Ich finde es gut, dass wir nicht mehr Tabellenführer sind. So wie wir gegen Leverkusen aufgetreten sind, gehören wir nicht zu den Teams, die für die Plätze eins bis fünf in Frage kommen", so Rangnick.

Ein nervöser Hilferuf eines sorgenden Trainers? Oder doch ein kühl kalkuliertes Ablenkungsmanöver eines PR-Profis vor der richtungsweisenden Partie in Stuttgart?

Müde und angeschlagen

Welche Intentionen Rangnick auch verfolgen mag, er sah sich offenbar genötigt, etwas an den Routinen bei der TSG zu ändern. Denn nach nur einem Sieg in fünf Spielen und dem Verlust der Tabellenspitze steckt Hoffenheim zumindest in einer Mini-Krise. 

"Es muss wieder weh tun, gegen uns zu spielen", sagt Rangnick. Aber wie? Einige Leistungsträger wirken überspielt (Tobias Weis, Luiz Gustavo, Andreas Ibertsberger) oder laborierten an Verletzungen (Chinedu Obasi, Marvin Compper), zumal Alternativen im dünnen Kader rar gesät waren. 

Doch in den letzten Wochen haben sich drei Spieler an die erste Elf herangearbeitet und könnten sich in der schwierigen Phase zu wertvollen Rollenspielern entwickeln. Die drei Hoffnungsträger:

Marco Terrazzino (Stürmer, 17)

Das Prestigeobjekt der 1899-Jugendarbeit. Terrazzino ist dazu auserkoren, sich als erstes von Hoffenheim ausgebildetes Talent in die Bundesliga zu etablieren. Nachdem er die Hinrunde und die Winterpause über mit Verletzungen zu kämpfen hatte, fand er überraschend schnell Anschluss an die Profimannschaft und wurde in der Rückrunde zweimal eingewechselt. Gegen Mönchengladbach gelang ihm fast das erste Bundesliga-Tor. 

Im Sommer 2007 wechselte der Sohn sizilianischer Eltern vom VfL Neckarau zur TSG und schoss Hoffenheims B-Junioren mit zwei Toren beim 6:4-Finalsieg über Dortmund zur deutschen Meisterschaft.

Sturmkollege Demba Ba traut dem Deutsch-Italiener sogar zu, in die Rolle des verletzten Vedad Ibisevic hineinzuwachsen. Ba: "Ein Bojan Krkic von Barca oder Ben Arfa von Marseille waren auch so jung, als sie anfingen." Beim 1:2 im Testspiel bei Wehen Wiesbaden stand Terrazzino schon mal als Linksaußen in der Startelf.

Wellington (Stürmer, 21)

Sechs Monate lang war der Brasilianer ein fünf Millionen Euro teures Missverständnis. Als kommender Top-Mittelstürmer geholt, entpuppte sich Wellington als phlegmatischer Lulatsch mit körperlichen Defiziten.

Die sportliche Führung legte ihm einen Weggang in der Winterpause nahe, "es lagen auch Anfragen aus dem Ausland und der zweiten Liga vor" (Rangnick), aber Wellington entschied sich zum Verbleib - und rettete 1899 mit seinem Joker-Tor in Mönchengladbach das Remis.

Sollte Boubacar Sanogo wie bei der Borussia oder gegen Leverkusen schwächeln, ist Wellington die erste Alternative.

Fabricio (Defensivspieler, 19)

Mr. Ausleihgeschäft. Um Spielpraxis zu sammeln, lieh ihn Flamengo zunächst an Atletico Paranaense und in der Winterpause nach Hoffenheim aus. "Er ist Temperaturen unter 20 Grad nicht gewohnt. Vor allem an den Füßen hat er gefroren. Wir haben uns köstlich amüsiert", so Rangnicks erster Eindruck vom Brasilianer, den 1899 im Sommer fest für rund 3,5 Millionen Euro verpflichten kann.

Fabricio, mit anständiger Leistung bei seinen Debüt bei Wehen Wiesbaden, verfügt über eine herausragende Athletik. Sein Zweikampfverhalten jedoch genügt noch nicht europäischen Maßstäben, weshalb andere interessierte Bundesligisten auf eine Verpflichtung verzichteten.

In seiner Heimat vorrangig als Linksverteidiger und im defensiven Mittelfeld eingesetzt, soll Fabricio trotz des bekannten Defizits schrittweise zum Innenverteidiger umgelernt werden. Ähnlich wie bei Luiz Gustavo, der als Außenverteidiger gekommen war, sich aber als Sechser einen Stammplatz erkämpfte. 

Rangnick: "Da würde in Brasilien keiner drauf kommen. Es ist ein Experiment, aber damit haben wir gute Erfahrungen gemacht." Flamengo-Präsident Marcio Braga sieht in Fabricio immerhin schon den "neuen Juan".

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