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Fussball

Warum Ex-Bayern-Stürmer Giovane Elber nie ein Star in der Selecao wurde: "Er konnte sich meinen Namen nicht merken"

Von Stanislav Schupp
Nur 15-mal lief Elber für die Selecao auf.

Der frühere Bayer Giovane Elber zählt noch heute zu den erfolgreichsten Bundesliga-Stürmern aller Zeiten. In der Nationalelf wurde er nie ein Star.

133 Tore erzielte der frühere Weltklasse-Angreifer Giovane Elber während seiner Zeit in der Bundesliga in 256 Spielen für den VfB Stuttgart und den FC Bayern München, bei Borussia Mönchengladbach blieb er bei vier Auftritten torlos. Damit liegt er im Ranking der torgefährlichsten Ausländer des deutschen Oberhauses auf Rang drei - hinter dem ebenfalls bereits pensionierten Claudio Pizarro (197 Tore) und Bayerns Rekordmann Robert Lewandowski (303).

Mit den Münchnern gewann der mittlerweile 49-jährige Elber je viermal die Meisterschale sowie den DFB-Pokal, wurde 2001 Champions-League-Sieger und holte im gleichen Jahr zudem den Weltpokal. Darüber hinaus schnappte er sich in der Saison 2002/03 mit 21 Treffern (gemeinsam mit Bochums Thomas Christiansen) die Torjägerkanone.

Eine durchaus beeindruckende Vita, die der Brasilianer vorzuweisen hat. Allerdings wohl nicht beeindruckend genug, wenn man auf seine Nationalmannschaftskarriere blickt: 15 Spiele sowie sieben Tore stehen da zu Buche. Ein großes Turnier bestritt Elber dabei nie - sieht man einmal von dem vom CONCACAF (Nord- und Zentralamerikanischer und Karibischer Fußballverband) organisierten Gold Cup 1998 ab.

Doch weshalb schaffte es Elber nie in den Kreis der Ronaldos, Rivaldos oder Peles?

Elber und die Krux Selecao: "Haben Tausende davon"

Bereits 1990, also im Alter von zarten 18 Jahren, verließ Elber sein Heimatland, um sich der AC Milan in Italien anzuschließen. "Ich habe meine Heimatstadt Londrina verlassen - dummerweise ohne zuvor ein einziges Spiel als Profi in Brasilien gemacht zu haben", erinnerte sich der Rechtsfuß vor drei Jahren in einem 11Freunde-Interview. Dementsprechend war er seinen Landsleuten vor Ort kein Begriff.

Sieben Jahre später schnürte Elber seine Schuhe bereits für den FC Bayern. Mit einer Empfehlung von 44 Toren in 96 Auftritten war er im Sommer 1997 aus Stuttgart in die bayrische Landeshauptstadt gewechselt. Im Dezember stattete der damalige Selecao-Coach Mario Zagallo Deutschland einen Besuch ab - und wurde prompt auf den aufstrebenden Torjäger angesprochen.

"Wird Gio­vane Elber bei der Welt­meis­ter­schaft in Frank­reich dabei sein?", wollten die anwesenden Journalisten mit Blick auf das im Folgejahr stattfindende Großturnier wissen. Zagallos Antwort fiel ziemlich deutlich aus: "Wie viele Gio­vane Elbers haben wir in Bra­si­lien? Tau­sende! Der soll sich ein Flug­ti­cket kaufen und im Sommer in den Urlaub fliegen."

Wie hatte Elber selbst diese Ausbootung aufgefasst? "Ich sagte: 'Der Mann ist alt und hat nicht mehr alle Tassen im Schrank. Der weiß über­haupt nicht, wer ich bin!'", erklärte er rückblickend: "Die lachten sich alle kaputt."

Die Reaktion fand beim Coach offenbar Gehör, denn: "Drei Wochen später wurde ich von Zagallo für die Natio­nalelf nomi­niert. Anschei­nend musste ich ihn erst ärgern."

Gold Cup statt WM: "Ein Turnier, für das sich niemand interessierte"

Doch bei der unerwarteten Kehrtwende und dem damit verbundenen Debüt handelte es sich nicht etwa um das Turnier in Frankreich. Nein, Elber reiste mit Brasilien 1998 zunächst zum Gold Cup in die USA. Dort holte der spätere Vize-Weltmeister Bronze - doch das fand in der Heimat keinerlei Anerkennung.

"Das war ein Turnier, für das sich niemand interessierte", betonte Elber. Für Elber interessierte sich offensichtlich auch niemand wirklich, denn der damals 25-Jährige stand in vier Begegnungen nur einmal in der Startelf, im Halbfinale gegen den Gastgeber fehlte er gänzlich im Kader.

So richtig schien Zagallo auch wenige Monate nach Elbers Standpauke noch nicht zu wissen, wer der Neuankömmling war. "Wenn er mich ein­wech­seln wollte, sagte er nur 'Junge' zu mir. Er konnte sich meinen Namen ein­fach nicht merken", verriet Elber.

Immerhin steuerte der ominöse "Junge" zwei Tore bei - "einmal sogar per Hacke." Bei der vier Monate später stattfindenen Weltmeisterschaft fehlte er dennoch - allerdings verletzungsbedingt. "Das Tur­nier 1998 ver­passte ich ver­letzt. Damals hätte ich gute Chancen gehabt, in den Kader zu rut­schen", resümierte Elber.

Auch ein Hackentor brachte Elber nicht zur WM

Auch vier Jahre später war vom Münchner im Aufgebot keine Spur. Diesmal lag es allerdings am Verein: "2002 stellten die Bayern mich nicht für die letzten beiden Qua­li­fi­ka­ti­ons­spiele frei, weil ich ange­schlagen war. Der Ver­band wollte, dass ich ohne die Erlaubnis des Ver­eins fliege, aber auf den Ärger hatte ich keine Lust." Die Bayern seien schließlich "mein Klub" gewesen und "zahlten mein Gehalt, da musste ich loyal bleiben. Also war die Sache für mich gelaufen."

Gelaufen war damit auch Elbers restliche Karriere in der Auswahl. Anfang September 2001 bestritt er bei der 1:2-Niederlage im Quali-Spiel gegen Rivale Argentinien sein letztes Länderspiel. 25 Minuten stand er dabei auf dem Rasen und erlebte hautnah, wie die Albiceleste einen 0:1-Rückstand drehte.

Trotz seiner zahlreichen Tore und Titel fand er auch unter Zagallo-Nachfolger Carlos Alberto Parreira keine Berücksichtigung.

Seinen Landsleuten stellte sich Elber dennoch noch einmal auf Profi-Ebene vor, als er sich im Januar 2006 zum Ausklang seiner Karriere für rund acht Monate Erstligist Cruzeiro Belo Horizonte anschloss. Seinen Bekanntheitsgrad dürfte er auch ohnehin zuvor schon gesteigert haben.

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