Fussball

Druck auf UEFA nimmt vor Krisengipfel zu: Nationale Ligen vor Euro 2020

SID
Allgemein wird von einer Verschiebung der EURO 2020 ausgegangen.

Am Dienstag wird die Europäische Fußball-Union (UEFA) vermutlich das Geheimnis um ihren EM-Plan lüften. Dass die EURO wie geplant über die Bühne geht, ist eigentlich ausgeschlossen - über mehrere Szenarien wird bereits spekuliert

Am Fuße des Genfer Sees werden sie gar nicht gerne hören, wie da gerade über ihre millionenschweren Premiumprodukte hergezogen wird. EM 2020? Champions League? Völlig unwichtig. Und zu Zeiten der Corona-Krise die Wettbewerbe, auf die am ehesten verzichtet werden kann. Wenn die UEFA am Dienstag also über ihre dringendsten Fragen berät, scheint es nur eine richtige Antwort zu geben.

"Das Wichtigste ist die nationale Liga", sagte Rudi Völler, Sport-Geschäftsführer des Bundesligisten Bayer Leverkusen, am Sonntag im Sport1-Doppelpass und machte klar: "Der Rest steht hintendran." Also unter anderem die für diesen Sommer geplante EURO (12. Juni bis 12. Juli). Die Champions League mit all den internationalen Superstars. Und natürlich auch die Europa League.

Während die Spekulationen ins Kraut schießen und sämtliche Szenarien vor allem mit Blick auf die EM in den Medien bereits durchgespielt werden, hält sich die UEFA allerdings noch total bedeckt.

Verschiebung der EURO 2020 ist alternativlos

Erst nach dem Krisengipfel, an dem via Telefonkonferenz die Vertreter der 55 Mitgliedsverbände, die Vorstände der Klubvereinigung ECA und der Vereinigung der europäischen Ligen sowie der Spielergewerkschaft FIFPro teilnehmen, soll die Öffentlichkeit informiert werden. DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius sagte am Sonntag bereits, er "rechne fest mit einer Verlegung des Turniers."

Alle Gedankengänge, die über eine Verschiebung der EM und die vorläufige Aussetzung der Klubwettbewerbe hinausgehen, wären angesichts der Entwicklungen jedenfalls hanebüchen.

"Kein Mensch kann aktuell seriös voraussagen, wie lange uns das Thema Coronavirus noch beschäftigen wird", sagte auch Bayern Münchens mächtiger Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge: "Ich bin mir sicher, dass die UEFA mit Präsident Aleksander Ceferin an der Spitze eine seriöse und verantwortungsbewusste Entscheidung treffen wird."

Verschiebung wohin? Zwei Szenarien in der Diskussion

Bei der wie so oft in diesem schnelllebigen Geschäft auch das Geld eine dominante Rolle spielen wird. Mit der Champions League erwirtschaftet die UEFA Unsummen, an der EM hängen unzählige Verträge. Dass alles ersatzlos gestrichen wird, dürfte deshalb ebenso ausgeschlossen sein wie die planmäßige Durchführung. Auch deshalb treten immer mehr Alternativen zutage.

So berichtet der Daily Telegraph von einer möglichen Verlegung des EM-Turniers in den Dezember. Diese könnte den Vorteil mit sich bringen, die EURO als Testlauf für die Winter-WM 2022 zu nutzen und gleichzeitig eine Konfrontation mit dem Weltverband FIFA zu umgehen. Eine Verschiebung der EM-Endrunde um ein Jahr würde schließlich zu einer Kollision mit der reformierten Klub-WM der FIFA führen, die für den Sommer 2021 in China geplant ist.

Rettig warnt: "Können nicht die Existenzgrundlage riskieren"

Auf Vereinsebene berichtete die spanische Zeitung AS von einer Durchführung der verbliebenen Champions- und Europa-League-Spiele im Schnelldurchgang. Sobald alle Viertelfinalisten feststehen (wann auch immer das sein mag), sollen in einem K.o.-Duell die Halbfinalisten ermittelt werden. Die Sieger würden dann in einem Final Four in Istanbul (Champions League) und Danzig (Europa League) gesucht.

Über allem, forderte der ehemalige Bundesliga-Funktionär Andreas Rettig im Aktuellen Sportstudio des ZDF, stehe jedoch das "Brot- und Buttergeschäft", also die nationalen Ligen. "Wir können nicht die Existenzgrundlage oder das Schwungrad des Fußballs riskieren, nur weil wir einen nachgelagerten Wettbewerb spielen wollen", sagte er.

Ähnlich argumentierte Leverkusens Vorsitzender der Geschäftsführung, Fernando Carro, in der ARD-Sportschau. "Es ist die beste Lösung, im Sommer die nationalen Wettbewerbe zu Ende zu spielen"; sagte das Mitglied des UEFA-Komitees für Klub-Wettbewerbe: "Ich hoffe, dass die Entscheidung so kommt."

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