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Formel 1

Sebastian Vettels Triumph ohne Sieg

Von Alexander Maack
Sebastian Vettel (r.) konnte aufgrund der abbauenden Reifen nicht lange mit Kimi Räikkönen mithalten
© getty

Nach dem Großen Preis von Spanien ist für Pirelli endgültig klar, dass die eigenen Reifen die Standards der Formel 1 nicht erfüllen. Für Red Bull, Ferrari und Co stehen wieder Änderungen an. Weltmeister Sebastian Vettel dürfte sich freuen. Fernando Alonso und Kimi Räikkönen eher weniger.

Eigentlich hat sich beim Rennen auf dem Circuit de Catalunya nichts geändert. Der Fahrer mit dem besten Kompromiss zwischen reifenschonendem Setup und Geschwindigkeit hat gewonnen: Vizeweltmeister Alonso. Eigentlich.

Das Ergebnis des Spanien-GP in der Übersicht

Die Scuderia hatte unter den bisherigen Bedingungen vielleicht den besten Wagen im Feld. "Ich glaube, dass wir mit diesem Auto um die Weltmeisterschaft kämpfen können. In fünf Rennen sind wir einmal als Zweiter ins Ziel gekommen und hatten zwei Siege", erklärte Alonso.

Wäre er in Malaysia nicht wegen der teaminternen Fehlentscheidung bezüglich seines beschädigten Frontflügels ausgeschieden, hätte er in Bahrain nicht mit defektem DRS hinterherfahren müssen - Alonso wäre in der Fahrer-WM auf einem Level mit Vettel und Räikkönen.

"Wir haben großartige Arbeit geleistet, sowohl hier an der Strecke als auch zuhause in Maranello", jubelte auch Teamchef Stefano Domenicali: "Wir haben das Rennen sehr gut gelesen, als es um den Umgang mit den Reifen ging."

"Kleine Änderungen, um meckerndes Team zu beruhigen"

Die modifizierte harte Mischung hatte daran kaum Anteil. "Es gab einige kleine Änderungen, um das am stärksten meckernde Team zu beruhigen", schoss Teamchef Eric Boullier in Richtung Red Bull und lobte Pirelli: "Sie sollten Reifen entwickeln, die 20 Runden halten. Sie haben es getan."

Damit war der Franzose aber nicht mehr auf dem neusten Stand. Bald werden sich die Vorzeichen ändern und Lotus vielleicht zum größten Meckerer werden: Pirelli hat eingeräumt, mit den Slicks über das Ziel hinausgeschossen zu sein.

"Wir streben zwei bis drei Boxenstopps an. Heute waren es definitiv zu viel", gestand Motorsportdirektor Paul Hembery. Am Sonntag hatten es nur sechs von 19 Fahrern mit drei Stopps ins Ziel geschafft. "Das haben wir am Anfang auch probiert. Aber wir mussten uns dann eingestehen, dass das nicht geklappt hätte", erklärte Weltmeister Vettel.

"Das ist keine Formel 1 mehr"

Fast Dreiviertel des Feldes brauchte wie der 25-jährige Heppenheimer viermal frische Slicks. "Der neue harte Reifen war ein Griff ins Klo", befand Vettel deshalb. McLaren-Pilot Sergio Perez wurde ebenso deutlich: "Das ist schrecklich. Das ist keine Formel 1 mehr. Es ist so langweilig: Du musst nur nach den Reifen schauen."

Die Piloten stießen damit erstmals auf offene Ohren. Hembery hatte seit dem Saisonauftakt immer wieder betont, dass die Italiener erst die Entwicklung abwarten wollten. Genug Daten sammeln, den Ingenieuren Zeit lassen, sich an die neuen Aufgaben zu gewöhnen - aufgegangen ist der Plan nach fünf Rennen nicht.

Nun soll also bis zum Großen Preis von Großbritannien am 30. Juni in Silverstone die nächste Änderung an den sensiblen Pneus vorgenommen werden. Was genau umgestaltet wird, ist noch unklar. In der Mailänder Pirelli-Zentrale werden sich die Ingenieure in den kommenden Tagen die Köpfe zermartern.

Kanada-GP 2010 als Idealrennen

Unterdessen trifft die Italiener an den Problemen kaum Schuld. Sie hatten die Vorgabe bekommen, durch die Reifen das Montreal-Rennen der Saison 2010 zu wiederholen. "Das war kein Rennen, in dem man in jeder Runde einfach nur Vollgas gibt. Man muss sich jede Aktion ganz genau überlegen", resümierte McLaren-Pilot Jenson Button den Zweistopp-Sieg seines damaligen Teamkollegen Lewis Hamilton.

Durch die verschiedenen Reifenstrategien war der Kanada-GP 2010 ein hochspannendes Rennen, ein taktischer Leckerbissen. Eine Wiederholung an jedem F1-Wochenende ist jedoch schwer. "Die Autos entwickeln sich, wir können weder mit aktuellen Wagen testen noch während der Saison", gab Hembery am Sonntag zu bedenken.

Ist Räikkönen der große Verlierer?

Für den Iceman könnten die neuen Slicks unterdessen zum Verhängnis im WM-Kampf werden. "Ich verstehe nicht, warum sich die Leute so aufregen", sagte Räikkönen schon im April über die andauernde Kritik an Pirelli: "Es liegt an dir allein, sie im Rennen etwas haltbarer zu machen." Der Finne könnte nun gezwungen sein, seine reifensparende Herangehensweise aufzugeben.

Bis die neuen Slicks geliefert werden können, stehen aber noch mindestens zwei WM-Läufe aus: Monaco und Kanada. "Es gibt nicht so viele schnelle Kurven dort", verdeutlichte Vettel den Unterschied zu Barcelona. Bei durchdrehenden Slicks droht aber weiter erhöhter Verschleiß. Vettel: "Es wird kein Zuckerschlecken."

Aktuell sieht der Dreifachweltmeister sogar Parallelen zwischen Red Bull und den Silberpfeilen: "Das beste Beispiel ist der Mercedes: Sehr schnell im Qualifying, aber nicht gut im Rennen. Weil er ganz einfach mit den Reifen zu aggressiv umgeht."

Trumpfen die Silberpfeile auf?

Auf der Fahrerstrecke in Monte Carlo könnten die Silberpfeile trotzdem auftrumpfen. Überholmanöver sind kaum möglich. Wer auf der Pole-Position steht, kann das Rennen leichter kontrollieren. 2012 fuhr Michael Schumacher im Qualifying die schnellste Runde und musste nur wegen einer Strafversetzung Startplatz eins wieder abgeben.

BLOG mySPOX hinter den Kulissen: Sebastinhos Arbeit im Mercedes-DTM-Team

Rosberg hat Blut geleckt, nachdem er in Barcelona nach dem Start die Konkurrenz durch die gute Traktion aus der langsamen Schikane vor Start-Ziel kontrollieren konnte. Er will das Kunststück wiederholen und zum dritten Mal in Folge auf die Pole fahren.

"Und dann wieder den D-Zug hinter mir halten. Vielleicht geht es in Monaco etwas länger", gibt Rosberg die Marschrichtung für den 26. Mai vor. Unter Umständen reicht es mit viel Glück endlich sogar bis zur Zielflagge...

Der WM-Stand in der Fahrerwertung

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