Cookie-Einstellungen
Formel 1

Formel 1 - Türkei-GP: Bottas feiert ersten Saisonsieg vor Verstappen - Hamilton betreibt Schadensbegrenzung

Von Christian Guinin
Lewis Hamilton war mit der Entscheidung seines Teams nicht zufrieden.

Valtteri Bottas hat den Großen Preis der Türkei gewonnen. Auf seiner Abschiedstournee für Mercedes gelang dem Finnen auf dem Istanbul Park Circuit sein erster Sieg der laufenden Saison. Dahinter wurde Max Verstappen im Red Bull Zweiter vor Teamkollege Sergio Perez. Verstappens WM-Konkurrent Lewis Hamilton (Mercedes) betrieb als Fünfter Schadensbegrenzung.

Einen schwarzen Sonntag erlebten die beiden deutschen Piloten. Sebastian Vettel (Aston Martin) wurde wegen eines Strategiefehlers nur 18., Mick Schumacher (Haas) beendete das Rennen als 19.

Verstappen liegt dank seines zweiten Platzes in der WM-Wertung nun wieder sechs Punkte vor Hamilton. "Es ist schon die ganze Saison sehr knapp", sagte der Niederländer nach Rennende: "Es war nicht einfach. Die Strecke war sehr rutschig, wir waren sehr mit dem Reifenmanagement der Reifen beschäftigt."

Glücklich zeigte sich Rennsieger Bottas, der seinen ersten Sieg der 21er-Saison sowie den ersten Triumph seit dem Russland-GP 2020 feierte. "Es fühlt sich gut an. Es war eines der besten Rennen meiner Karriere", so der Finne.

"Es war ein ziemlich intensives Rennen", sagte der zweite Red-Bull-Pilot Perez: "Es war eines dieser Rennen, in denen man geduldig sein, zur richtigen Zeit pushen und die Reifen schonen muss, weil man nicht genau wusste, was mit den Reifen passiert." Das sei heute die größte Herausforderung gewesen. Am Ende wurde er mit dem ersten Podestplatz seit Le Castellet belohnt.

Weniger gut lief es für Vettel, der als einziger Pilot einen Versuch auf Trockenreifen wagte. Das spülte ihn bis ans Ende des Feldes zurück, die Entscheidung nahm er nach dem Rennen aber auf sein Kappe. "Letzten Endes habe ich die Entscheidung getroffen. Ich wollte es probieren", gesteht er und erklärt: "Von den Intermediates war nichts mehr übrig. Ich dachte, die Slicks wären genauso gut. Aber ich konnte nicht bremsen und hatte keinerlei Grip, sodass ich viel Zeit verlor. Ich konnte sie nicht zum Arbeiten bringen."

Auch Hamilton war mit seinem fünften Platz nicht vollends zufrieden. Der Brite bekam von seinem Team die Anweisung für einen späten Boxenstopp, das sieht er als einen Fehler. "Die Reifen hätten wohl halten können", sagte Hamilton bei Sky UK: "Im Nachhinein hätte ich besser draußen bleiben oder viel früher reinkommen sollen. Letztlich ist es frustrierend. Auf dem dritten Platz war es ein gutes Gefühl. Jetzt ist es schlechter, aber es hätte auch noch schlechter werden können."

Türkei-GP: Die Analyse

Am Start verteidigte Bottas seine Pole-Position souverän vor dem an zwei startenden Verstappen, der leicht schlechter vom Fleck kam als sein finnischer Kontrahent. Unmittelbar dahinter kam es zwischen Pierre Gasly (AlphaTauri) und Fernando Alonso (Alpine) zur Berührung, was Verstappen-Teamkollege Perez nutzte und von Rang sechs auf Platz vier sprang.

Der von P11 startende Hamilton machte zwei Positionen gut und schob unter anderem Vettel um einen Rang nach hinten. Im hinteren Teil des Feldes wurden Antonio Giovinazzi und Kimi Räikkönen ihrem Ruf als Schnellstarter gerecht. Die beiden Alfa-Piloten kletterten um jeweils vier Plätze nach vorne.

Der erste Stint verlief relativ ereignislos. Ganz vorne konnte Verstappen keinerlei Druck auf den führenden Bottas ausüben. Der Finne verwaltete ohne Probleme das Rennen mit einem Sicherheitsabstand von etwa drei Sekunden auf den Red-Bull-Piloten.

Lediglich Hamilton und Ferrari-Pilot Carlos Sainz sorgten für etwas Action. Mit ihren, im Vergleich zur direkten Konkurrenz, sichtlich schnelleren Boliden pflügten beide durchs Feld. Hamilton war nach 15 Runden bereits hinter Perez auf Rang fünf angekommen. Sainz, der aufgrund einer Strafversetzung das Rennen von Rang 19 aufnehmen musste, arbeitete sich in die Top 10 vor.

Viele Teams und Fahrer zogen den ersten (und einzigen) Boxenstopp absichtlich weit nach hinten, um auf ein rasches Abtrocknen der Strecke vorbereitet zu sein und notfalls mit Trockenreifen antworten zu können.

Doch das blieb aus. Bis zum Rennende herrschten feuchte Bedingungen auf dem Istanbul Park Circuit, weshalb die Piloten nach und nach auf frische Intermediates wechselten und mit diesen das Rennen beendeten. Auch Hamilton, der seinen Stopp bis zum Schluss hinauszögerte und bis zuletzt auf trockene Bedingungen hoffte, tauschte letzten Endes sechs Runden vor Rennende auf neue Intermediates.

An der Spitze tat sich dementsprechend auch nichts mehr. Bottas fuhr seinen ersten Saisonsieg souverän nach Hause, dahinter wurde Verstappen Zweiter. Perez machte das gute RB-Ergebnis perfekt. Der Mexikaner schnappte sich drei Umläufe vor Schluss noch den gut aufgelegten Charles Leclerc (Ferrari) und wurde Dritter.

Hamilton betrieb als Fünfter Schadensbegrenzung. Dahinter komplettierten Gasly (6./AlphaTauri), Lando Norris (7./McLaren), Sainz (8./Ferrari), Lance Stroll (9./Aston Martin) und Esteban Ocon (10./Alpine) die Top 10.

Türkei-GP: Die Reifenstrategie

Aufgrund der anfangs feuchten Fahrbahn entschieden sich alle Fahrer für einen Start auf den Intermediate-Reifen. Da der Regen über die Dauer des GPs doch immer weiter abnahm und die Piste abtrocknete, versuchten die Teams, ihre Piloten möglichst lange auf dem ersten Reifensatz zu halten, um, sollte es die Strecke zulassen, für den zweiten Abschnitt auf Slicks zu tauschen und das Rennen damit zu beenden.

Doch anders als erwartet blieb das große Abtrocknen der Strecke aus. Als einziger Pilot wagte Vettel in Runde 38 den Tausch auf die Mediums, der Heppenheimer wurde für das Wagnis jedoch umgehend bestraft. Als zu nass präsentierte sich der Kurs, knapp eine Minute verlor Vettel auf seiner einzigen Runde auf Slicks, ehe er wieder auf frische Intermediates wechselte.

Highlight des Rennens: Vettel-Ausflüge

Den Versuch von Sebastian Vettel, beim Rennen in Istanbul trotz der schwierigen Bedingungen auf Slicks zu setzen, ist lobenswert. Doch ging die Strategie nach hinten los. Anstatt Punkten sprang am Ende nur Rang 18 heraus. Interessant anzusehen war es dennoch, wie der Heppenheimer als einziger Fahrer zeitweise über den Kurs rutschte. Ebenfalls sehr sehenswert: Das Verteidigungsmanöver von Perez gegen Hamilton.

Top des Rennens: Carlos Sainz

Auch wenn der Ferrari sicherlich zu den stärkeren Autos am Türkei-Wochenende gehörte, die Rennperformance von Carlos Sainz am Sonntag ist dennoch zu würdigen. Nahezu spielerisch arbeitete sich der Spanier durchs Feld und zeigte einige sehenswerte Überholmanöver.

Flop des Rennens: McLaren

Im Regen hatte sich die Truppe von Andreas Seidl eigentlich einen Sprung nach vorne erhofft, sah man in den Freien Trainings auf trockener Piste doch überhaupt kein Land. Aber auch auf nassem Geläuf zeigten sich die Boliden des britischen Traditionsteams wenig konkurrenzfähig. Lando Norris fuhr ein einsames Rennen am Ende der Punkteränge, Daniel Ricciardo kam als 13. nicht einmal hinein.

Formel 1: Die WM-Wertung nach 16 von 22 Rennen

  • Fahrerwertung:
PlatzFahrerTeamPunkte
1Max VerstappenRed Bull262,5*
2Lewis HamiltonMercedes256,5*
3Valtteri BottasMercedes177
4Lando NorrisMcLaren145
5Sergio PerezRed Bull132
6Charles LeclercFerrari119
7Carlos SainzFerrari116,5*
8Daniel RicciardoMcLaren95
9Pierre GaslyAlphaTauri74
10Fernando AlonsoAlpine58
  • Konstrukteurswertung:
PlatzTeamPunkte
1Mercedes433,5*
2Red Bull394,5*
3McLaren240
4Ferrari235,5*
5Alpine104
6AlphaTauri92
7Aston Martin61
8Williams23
9Alfa Romeo7
10Haas0

*Beim 12. WM-Lauf in Belgien wurden aufgrund der nicht vollständig absolvierten Renndistanz nur halbe Punkte vergeben.

Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung
Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung