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Formel 1

"Rückkehr Räikkönens zu Ferrari ist Wahnsinn"

Von Marco Heibel
Jacques Villeneuve gewann 1997 den WM-Titel mit Williams-Renault
© getty

Der frühere Formel-1-Weltmeister Jacques Villeneuve hat die Scuderia Ferrari für die Rückholaktion von Kimi Räikkönen heftig kritisiert. Wirtschaftlich sieht der 42-Jährige die Rennserie in großer Gefahr. Der Kanadier fordert deshalb einerseits eine Rückbesinnung auf alte Werte und andererseits eine Strukturreform.

Kimi Räikkönen wird in der kommenden Saison von Lotus zu Ferrari wechseln und Felipe Massa ablösen. Das sei ein großer Fehler, so Villeneuve. "Die sind ja komplett wahnsinnig bei Ferrari, Kimi zurück zu holen. Er kann nicht mit Ingenieuren arbeiten, er kann das Auto nicht weiterentwickeln, er nimmt keine Sponsoren-Termine wahr, er kann nur schnell Auto fahren", sagte er im Interview mit "Bild".

Überhaupt kann der Weltmeister von 1997 mit der modernen Formel 1 nicht mehr viel anfangen: "Es war mal ein Sport voller Helden, an der Grenze des Menschlichen, immer extrem, Technik und Ingenieure am Limit, und immer eine Logik dahinter." Zuletzt sei die Serie jedoch den falschen Weg gegangen: "Die Teams entfernen sich immer mehr von jenem Image, was die Formel 1 einmal ausgemacht hat."

Bezahlfahrer sind "der Tod"

Besonders kritisch beurteilt Villeneuve, dass immer mehr Teams ihre Cockpits nicht mehr mit den besten Fahrern besetzen, sondern mit Piloten, die Sponsorengelder mitbringen: "Wenn selbst McLaren diesen Weg geht, ist das der Tod. Wenn du damit einmal angefangen hast, kannst du dich nicht mehr erholen davon."

Den Hauptgrund für die finanzielle Misere in vielen Rennställen sieht der Kandier in der Geschäftsführung: "Da stehen aber Leute an der Spitze von Teams, die geben mehr Geld aus, als sie einnehmen."

Weniger Teams mit mehr Autos

Villeneuve führte aus, dass auch die Hersteller einen großen Anteil am finanziellen Ungleichgewicht in der Formel 1 hätten: "Sie bestimmten den Sponsor, weil die oft untereinander verlinkt waren und Geschäfte machten. Dann ging der Hersteller, mit ihm der Sponsor und die Teams standen ohne Geld da."

Villeneuves Vorschlag wäre, nur noch fünf bis sechs gesunde Teams mit jeweils drei oder vier Autos an den Start gehen zu lassen: "Die Teams müssten verschiedene Sponsoren auf verschiedenen Autos haben. Warum denn nicht drei Autos bei Force India und auf jedem Auto ist ein anderer Sponsor."

Der Sohn des 1982 tödlich verunglückten Ferrari-Stars Gilles Villeneuve bestritt zwischen 1996 und 2006 insgesamt 162 Grands Prix in der Formel 1. 1997 gewann Jacques Villeneuve den WM-Titel mit Williams-Renault.

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