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Formel 1

"Es steckt noch vieles in mir"

Von Christoph Köckeis
Mark Webber wurde bei seinem 200. Formel-1-GP nur 7., Team-Kollege Sebastian Vettel gewann
© getty

Mark Webber erlebte am Sonntag ein besonderes Jubiläum: In der Wüste von Bahrain bestritt er den 200. Formel-1-Grand-Prix. Feierlaune wollte gleichwohl nicht aufkommen. Ausgerechnet Intimfeind Sebastian Vettel zelebrierte Red Bulls Dominanz. Während der Australier zum Statisten verkam. Im Rahmen der "ServusTV"-Sendung "Sport und Talk aus dem Hangar 7" spricht er über Rekorde für die Ewigkeit und den Dramaturgie-Multiplikator Reifen. Und der 36-Jährige verrät, warum er die Zukunft bewusst zögerlich plant.

Mark Webber über...

den Bahrain-GP:

Natürlich bin ich enttäuscht. Rang acht entspricht nicht meinen Erwartungen. In der Schlussphase verlor ich zwei Plätze, da hätte ich mir ein besseres Finish gewünscht. Leider spielen die Reifen eine große Rolle, wirken sich auf Performance und zwangsläufig Ergebnis aus. Anfangs fühlte sich das Auto gut an. Nur die Stints waren zu kurz. Entsprechend bekam ich Probleme, hatte im letzten Abschnitt kaum Gummi auf den Reifen. Ich duellierte mich mit Lews Hamilton - ein toller Fight. Leider musste ich ihn ziehen lassen - ebenso Sergio Perez.

das Dauerthema Pirelli:

Die Reifen entscheiden alles. Wenn du nicht im richtigen Arbeitsfenster bist, hast du weniger Grip und fühlst dich nicht wohl im Boliden. Die Rundenzeiten gehen tief in den Keller. Konstanz ist der Schlüssel, um das zu verhindern. Einige Teams, etwa Lotus, gehen sorgsam damit um, können sogar Zwei-Stopp-Strategien praktizieren. McLaren beorderte Jenson Button vier Mal an die Box, obwohl er als Reifenflüsterer gilt. Wir befinden uns noch in einem Lernprozess. Im Saisonverlauf sollte das besser werden..

Red Bulls Aufholbedarf bei den Pneus:

Wir arbeiten an der Grenze, versuchen kleinste Details zu perfektionieren, das Potenzial vollends auszuschöpfen. Plötzlich kommt eine neue Komponente hinzu - der Reifen. Es ist zwar wieder ein Pirelli, aber eine andere Konstruktion. Die Teams müssen neue Szenarien lernen - und verstehen, Auch Red Bull Racing. Wir hatten schlechtere Ergebnisse, auch starke. Seb (Anm: Sebastian Vettel) konnte zwei Rennen gewinnen, ich war in Malaysia sehr konkurrenzfähig.

die Vielzahl der Rad-an-Rad-Duelle:

Das Geschehen wird durch die Reifen beeinflusst. In Bahrain sahen wir den Trend für die nächsten Stationen. Auch in Barcelona wird man überaus schnell am Limit fahren, die Reifen in die Knie gehen. Daraus resultieren Überholmanöver. Wenn du Schwierigkeiten hast, gerätst du schneller in Bedrängnis. Wenn du richtig umgehst, kannst du Druck machen, dir einen Vorsprung verschaffen. Das macht den Grand Prix interessanter für die Zuschauer. Bahrain war dennoch speziell, man hat dort zwei DRS-Zonen.

den Zweikampf mit Hamilton:

Ich versuchte, Lewis mit allen Mitteln abzuhängen. In solchen Situationen muss man den eigenen Rhythmus finden. Und ihn daran hindern. Wenn du direkt hinterher fährst, verlierst du zudem Grip. Ich machte es ihm möglichst schwer. Es war ein faires, gutes Battle und hat Spaß gemacht.

das Flügel-Dilemma bei Ferrari:

Fernando Alonso bereitete das DRS gravierende Kopfzerbrechen. Wenn der Heckflügel nicht schließt, wird die Aerodynamik stark beeinflusst. Die Balance lässt zu Wünschen übrig. An der Box konnten zwar die Mechaniker diesen zuziehen. Eigentlich sollte er dann in seiner Position bleiben. Fernando probierte es auf der Strecke nochmals, das DRS blieb wieder offen und er musste erneut an die Box.

Einsatz-Rekordhalter Rubens Barrichello:

Ihn werde ich niemals erreichen, absolut keine Chance. Er fuhr 323 Grand Prix, war 17 Jahre in der Formel-1 - eine großartige Karriere. Und eine lange. Diese Bestmarke wird vielleicht ewig Bestand haben. Ich kann Rubens wohl nicht herausfordern. Dafür müsste ich weitere sieben Saisonen anhängen.

die Zukunft in der Königsklasse:

Ich habe bestimmt noch einige Zeit in der Formel 1. Die Leistung ist immer noch da, immer noch gut. Solange ich hungrig und erfolgreich bin, werde ich weiterfahren. Das Wichtigste an der Arbeit ist, dass der Spaß nicht verloren geht.

den auslaufenden Vertrag mit Red Bull:

Im Sommer werde ich meine Planung vornehmen. Eigentlich das normale Vorgehen: Schon in der Vergangenheit beschäftigte ich mich während einer Saison nicht mit der Zukunft. Und das werde ich auch jetzt nicht tun. Wir haben erst April. Zunächst freue ich mich auf Barcelona, auf Monte Carlo, auf die kommenden aufgaben. Danach geht es irgendwann um Verträge. Ich möchte weiter gute Ergebnisse liefern. Ich spüre, da steckt noch vieles in mir. Darauf liegt mein Fokus.

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