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Formel 1

"Die Reifen werden es richten"

Von Alexander Mey
Red Bull, McLaren und Ferrari machen den Sieg beim Ungarn-GP unter sich aus
© xpb

Sebastian Vettel startet beim Ungarn-GP (13.45 Uhr im LIVE-TICKER) mit einer echten Siegchance. Aber Lewis Hamilton hat im Reifenkrimi einen Trumpf. Die Mercedes-Piloten sehen schwarz.

Sebastian Vettel in Startreihe eins? Sebastian Vettel mit Siegchance? Bis vor einer Woche waren diese Schlagzeilen vor jedem Rennen selbstverständlich.

Dann kam der Heim-GP auf dem Nürburgring. Vettel schaffte es nur auf Startplatz drei und war im Rennen als Vierter meilenweit vom Sieg entfernt. Und auch in den ersten beiden Trainings in Ungarn sah es noch schlecht aus.

Eine Nachtschicht der Mechaniker später ist die Welt aber schon wieder in bester Ordnung. Vettel steht auf der Pole-Position und kann von dort aus sicher um den Sieg kämpfen. "Das Vertrauen ist wieder da", sagte Vettel. "Und wenn du Vertrauen hast, kannst du in jeder Kurve ans Limit gehen."

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Drei Boxenstopps - oder sogar vier?

Limit ist mit Blick auf das Rennen ein gutes Stichwort. Denn die Frage wird sein, mit welchen Reifen man zu welchem Zeitpunkt im Rennen wie nah ans Limit herangehen kann, ohne einige Kurven später mit fehlendem Grip dafür doppelt zu bezahlen.

Die superweiche und die weiche Mischung werden für ein Rennen mit jeder Menge Boxenstopps sorgen. Pirelli rechnet mit Dreistopp-Strategien. "Unsere Berechnungen deuten auf eine Haltbarkeit der weichen Reifen von 24 Runden hin. Die superweichen sollten 14 Runden halten", sagte Motorsportchef Paul Hembery.

Die Frage ist nur, wie schnell man nach 14 oder 24 Runden auf den Reifen noch fahren kann und ob es sich vielleicht sogar lohnt, vier Stopps zu machen. "Die einzelnen Autos werden unterschiedlich lang mit den Reifen fahren können. Viel wird davon abhängen, wie die Rennreifen behandelt werden. Je weniger Stress, desto besser. Desto mehr Freiheiten hast du bei der Taktik", erklärte Fernando Alonso.

Alonso: "KERS und DRS wird man nicht brauchen"

Alonso enttäuschte die Beobachter mit dem fünften Platz im Qualifying, seine eigene Enttäuschung hielt sich aber in Grenzen. Die erste Startreihe habe er ohnehin nicht erreichen können, sagte er. Den Grand Prix hält er trotzdem für "sehr offen". Die Erfahrungen aus den letzten Rennen, in denen Ferrari immer bärenstark war, geben ihm Recht.

Im Kampf gegen Vettel rechnet sich der Silverstone-Sieger gute Chancen aus, denn: "Im Qualifying scheint Red Bull einen magischen Schalter im Auto zu haben, den sie umlegen können. Im Rennen scheint dieser Schalter aber nicht zu funktionieren."

Am Hungaroring hatte man in den letzten Jahren immer das Problem, so gut wie nicht überholen zu können. Das sollte in diesem Jahr besser werden, was Alonso aber weder auf KERS noch auf den verstellbaren Heckflügel schiebt.

"Die Reifen werden es richten, denn es wird zu unterschiedlichen Zeiten im Rennen große Qualitätsunterschiede geben. DRS und KERS wird man zum Überholen gar nicht brauchen", sagte Alonso.

McLaren spricht vom Sieg

Die besten Chancen, Vettel zu überholen, haben die beiden McLaren-Piloten Lewis Hamilton und Jenson Button. Beide waren im Training sehr stark und bestachen auch auf den Long-Runs durch konstant schnelle Rundenzeiten.

Vor diesem Hintergrund scheinen Hamilton und Button mindestens genauso große Chancen auf den Sieg zu haben wie Vettel. "Wir werden sehen, welche Strategie wir uns zurechtlegen können, und dann den Sieg ins Visier nehmen", sagte Button vor seinem 200. Rennen selbstsicher.

Im Gegensatz zu ihm hat Teamkollege Hamilton aber noch ein Ass im Ärmel. Er hat in Q2 einen Satz superweiche Reifen gespart, der ihm im Rennen einen kleinen, aber vielleicht entscheidenden Vorteil bringen kann. Außer ihm hat diesen Vorteil in den ersten Starteihen niemand, auch Vettel nicht.

Unterschiedliche Set-Ups bei Vettel und Webber

Aber der Weltmeister hat am Start vier Autos zwischen sich und seinem ersten Verfolger in der WM, Teamkollege Mark Webber. Der hatte nach dem Qualifying keine Ahnung, wieso Vettel sechs Zehntel schneller war als er, und bezeichnete seinen Rückstand als "bizarr".

Red-Bull-Teamchef Christian Horner plauderte aus, dass Vettel und Webber das ganze Wochenende über beim Set-Up in unterschiedliche Richtungen gearbeitet haben. Offensichtlich war Vettels Richtung zumindest fürs Qualifying besser.

Mercedes drohen große Reifenprobleme

Set-Up ist auch bei Mercedes das große Thema. Wie bekommen es die Silberpfeile hin, dass die Hinterreifen nicht so schnell in die Knie gehen wie in vielen Rennen zuvor? Die Zuversicht, dass das gelingt, hält sich bei beiden Fahrern jedoch stark in Grenzen.

"Sogar im Qualifying ist das schon ein Problem. Wenn man in die letzte Kurve kommt, sind die Hinterreifen schon völlig überhitzt", beschrieb Nico Rosberg, der als Siebter starten wird. Trotz dieser Tendenz sei der superweiche Reifen deutlich schneller als der weiche, so dass man versuchen werde, die meiste Zeit des Rennens damit zu fahren.

Schumacher: Banger Blick zu Force India und Sauber

Die Zielsetzung für dieses Rennen sieht bei Michael Schumacher extrem bescheiden aus. Man könnte auch sagen, er sieht schwarz für Mercedes: "Man muss schon sagen, dass das für uns ein schwieriger Nachmittag wird. Wir sind im Rennen einfach zu langsam. Die Frage wird sein, ob es gegen Force India reicht. Hoffentlich genügt es für Sauber."

Volle Konzentration nach hinten, heißt Schumachers Devise. Er rechnet kaum damit, den vor ihm startenden Adrian Sutil schlagen zu können. Wahrscheinlich ist er schon froh, wenn er überhaupt in die Punkteränge fährt.

Von den Regionen, in denen sich Vettel und seine WM-Konkurrenten bewegen, wagt Schumacher nicht einmal zu träumen.

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