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Formel 1

"Jenson wusste, dass ich schneller war"

Von Interview: Harry Miltner
Rubens Barrichello (l.) gratulierte Jenson Button direkt nach dem Spanien-GP zum Sieg
© Getty

Aufregung bei Brawn GP nach dem Doppelsieg beim Spanien-GP in Barcelona. Rubens Barrichello wunderte sich über den Strategiewechsel bei Jenson Button und verdächtigte das Team der Stallregie. Nachdem sich die erste Aufregung gelegt hatte, relativierte Barrichello im Interview mit SPOX seine Aussagen.

Offenbar waren es bittere Erinnerungen an die harten Jahre als Nummer zwei bei Ferrari hinter Michael Schumacher, die Rubens Barrichello nach seinem zweiten Platz in Barcelona aus der Haut fahren ließen.

Jetzt nachlesen: So lief das Rennen in Barcelona

Er hatte nach dem gewonnenen Start mit dem Sieg gerechnet und sich sehr darüber gewundert, dass Jenson Button ihn dank der Umstellung von einer Dreistopp- auf eine Zweistopp-Strategie überholen konnte.

Brawn GP dementiert Stallorder

Nach dem Rennen verdächtigte er Teamchef Ross Brawn der Stallregie und stellte klar: "Ich werde keinen Team-Anordnungen mehr folgen. Ich habe Ross gesagt, dass ich den Helm an den Nagel hänge, wenn er irgendwas gemacht hat, damit Jenson das Rennen gewinnt."

Das Dementi vom Team kam prompt. Es habe auf keinen Fall Stallregie gegeben. Vielleicht auch dadurch besänftigt, schlug Barrichello im SPOX-Interview versöhnliche Töne an. Außerdem sprach er über Bevormundung bei Ferrari und sein Karriereende.

SPOX: Herr Barrichello, Platz zwei in Barcelona, und doch wirkten Sie nicht zufrieden.

Rubens Barrichello: Schauen Sie, die Freien Trainings liefen sehr gut für mich, mein Start ins Rennen war klasse, ich habe geführt, aber dann doch nicht gewonnen. Da kann man nicht ganz zufrieden sein.

SPOX: Warum hat es am Ende nicht gereicht?

Barrichello: Weil mein Wagen nach dem zweiten Reifenwechsel einfach nicht mehr so lief wie vorher. Ich weiß nicht genau, was es war, aber ich konnte einfach nicht richtig draufdrücken.

SPOX: Überwiegt also die Enttäuschung?

Barrichello: Persönlich bin ich nicht wirklich happy, aber es war natürlich ein toller Erfolg für unser Team und auch für Jenson....

SPOX: ...der sich über den Boxenfunk auch bei Ihnen entschuldigt hat.

Barrichello: Wir verstehen uns gut und auch er wusste, dass ich an diesem Wochenende eigentlich ein wenig schneller war.

SPOX: Button fuhr plötzlich eine andere Strategie als Sie. Eine Überraschung.

Barrichello: Allerdings. Ich dachte, er wäre so unterwegs wie ich. Aber gut, das Team hat sich Gedanken gemacht und den Doppelsieg geholt. Damit haben wir das Maximum erreicht.

SPOX: Button führt nun die WM klar an. Und wie damals hinter Michael Schumacher bei Ferrari avancieren Sie zur Nummer zwei. Sie haben Brawn bereits gewarnt, dass Sie das nicht noch einmal mitmachen und lieber aussteigen. Ist es schon so weit gekommen?

Barrichello: Nein, ich sehe das mit der Nummer zwei nicht so. Jenson und ich fahren auf einem Niveau, das war auch mit Michael so. Manchmal ist der eine etwas schneller, manchmal der andere. Sicher wollen wir uns gegenseitig schlagen, aber wir beide haben ein gutes Herz. Er freut sich, wenn ich Erfolg habe und umgekehrt. Wir stehen noch am Anfang der Saison und wollen gemeinsam unser Team voranbringen.

SPOX: Was ist bei Brawn GP anders als früher bei Ferrari?

Barrichello: Die Arbeit ist entspannter, denn bei Ferrari war der Druck enorm. Oft wurde mir sogar vorgeschrieben, was ich in Interviews zu sagen hatte. Ich habe meine sechs Jahre dort genossen, aber manchmal fühlte ich mich zu sehr unter Druck gesetzt. Bei Brawn geht es ebenfalls sehr professionell zu, aber wir haben auch Spaß.

SPOX: Was macht den Brawn-Rennwagen eigentlich so gut? Der Diffusor allein kann es ja nicht sein, oder?

Barrichello (lacht): Nein. Im Vergleich zum Vorjahr ist unser Gesamtpaket einfach sehr, sehr gut. Das Auto ist einfacher zu fahren, beim Mercedes-Motor ist die Leistung viel besser über den Drehzahlbereich verteilt. Das schafft Vertrauen. Das Heck bleibt beim Bremsen unter Kontrolle. Dadurch kann ich das Auto dorthin dirigieren, wo ich es haben will.

SPOX: Sie sind nun in Ihrer 17. Saison und können plötzlich noch einmal um die WM fahren. Ist das nicht irre?

Barrichello: Ich habe immer positiv gedacht und bin überzeugt, dass mir diese Einstellung auch den momentanen Platz eingebracht hat. Außerdem ist das sicher nicht meine letzte Saison. (lacht)

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