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Formel 1

Brawns Vorsprung ist aufgebraucht

Von Alexander Mey
Am Start lag Toyota noch vor Red Bull und Brawn GP an der Spitze
© xpb

Der Bahrain-GP hatte einen großen Sieger: Jenson Button. Der WM-Spitzenreiter gewann das dritte Rennen in dieser Saison und baute seine Führung vor Brawn-GP-Teamkollege Rubens Barrichello und Sebastian Vettel aus. Aber waren Button und Brawn GP noch so überlegen wie bei den ersten Triumphen? Red Bull und Toyota sagen nein. Sie hätten den Bahrain-GP genauso gut gewinnen können.

Eigentlich war der Bahrain-GP schon nach einer Runde gelaufen. Jenson Button hatte am Start Sebastian Vettel überholt und eine Runde später in der ersten Kurve Lewis Hamilton geknackt, obwohl der mit KERS unterwegs war.

Ein starkes Manöver, das den Sieg für den Brawn-GP-Piloten bedeutete. "Dieses Überholmanöver war der Schlüssel zum Rennen", sagte Button. Er liegt in der Fahrerwertung mit 31 Punkten zwölf Zähler vor Teamkollege Rubens Barrichello und 13 Zähler vor Sebastian Vettel.

Horner: "Wir hatten das schnellere Auto als Brawn"

Der Red-Bull-Pilot konnte zwar mit seinem zweiten Platz sehr gut leben, aber jedem im Team war klar, dass auch der zweite Sieg innerhalb von einer Woche möglich gewesen wäre.

"Wir hatten das schnellere Auto als Brawn und waren auf Sieg programmiert", sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner. "Das Rennen wurde von einem Zwischenfall in der ersten Kurve bestimmt. Sebastian wurde etwas angeschoben und Hamilton und Button konnten vorbeigehen."

Jetzt nachlesen: So lief der Bahrain-GP

Zufriedenheit statt zu großer Gier

Folge: Vettel hing in seinem ersten Stint auf den schnelleren Reifen hinter Lewis Hamilton fest und verlor eine Menge Zeit auf Button. Nach dem ersten Boxenstopp das gleiche Spiel. Diesmal hing Vettel hinter Trulli und verlor wieder jede Menge Zeit auf Button. Als er im dritten Stint endlich freie Bahn hatte, war schon alles zu spät.

Dennoch setzte sich bei Vettel Zufriedenheit über die acht WM-Punkte durch: "Ein gutes Resultat nach einem schwierigen und verdammt heißen Rennen." Auch Horner besann sich auf die positiven Aspekte des Wochenendes und erinnerte sich selbst: "Man darf nicht zu gierig sein."

Gass: "Wir haben eine Chance vertan"

Ein kleines bisschen gierig ist auch Toyota nach den Startplätzen eins und zwei in Bahrain geworden. "Das ist mit Sicherheit das enttäuschendste Podium, das wir je erlebt haben. Wir haben eine Chance vertan", ärgerte sich Chefingenieur Dieter Gass im Premiere-Interview.

Seine Erklärung: "Das Hauptproblem war, dass wir auf den harten Reifen nicht schnell genug waren. Wir haben erwartet, dass der weiche Reifen etwas schneller abbaut und vor allem, dass der harte etwas besser funktioniert, aber das ist nicht eingetreten."

Dieser Irrglaube warf Timo Glock im langen Mittelstint auf harten Reifen aussichtslos zurück, Jarno Trulli konnte sich bis zum zweiten Boxenstopp retten und verlor nur einen Rang gegen Vettel. So richtig konnte er sich darüber aber auch nicht freuen: "Ich bin schon etwas enttäuscht, denn ich hatte auf den ersten Sieg von Toyota gehofft."

Premiere-Stimmen: Flick Flacks, Blech & starker Tobak

Vormachtstellung von Brawn GP ist beendet

Drei Teams waren in Bahrain auf den Sieg programmiert, geholt hat ihn am Ende Brawn GP. Aber das heißt nicht, dass die Truppe von Ross Brawn noch so überlegen wäre wie zu Saisonbeginn.

Im Gegenteil: "Die anderen sind möglicherweise an uns vorbeigezogen", sagte Button trotz des Sieges. "Wir hatten hier keinen Vorteil mehr. Es ist das vierte Überseerennen und wir haben eine Menge Teile am Auto, die geändert werden müssen und langsam schon etwas alt sind."

Umfangreiches Brawn-Update in Barcelona

Brawn GP hat seit Australien keine Updates ans Auto gebracht und nur von seinem großen Vorsprung gezehrt. Das soll zum Europa-Auftakt in Barcelona anders werden.

"Unser Ziel war es, bei diesen Überseerennen überhaupt erst einmal am Start zu sein, deshalb hatten wir auch kein festgelegtes Entwicklungsprogramm", sagte Teamchef Ross Brawn. "Für Barcelona bekommen wir jetzt aber ein umfangreiches Update. Ich glaube, es wird noch eine interessante WM."

Ist Red Bull die wahre Bedrohung?

Wie jedes andere Team wird natürlich auch Toyota in Barcelona viele neue Teile ans Auto bringen, aber den angeblich kleine Wunder bewirkenden Doppel-Diffusor haben sie schon.

Red Bull nicht, und deshalb sieht Ross Brawn Vettel und sein Team insgeheim vielleicht sogar als größere Bedrohung an. Wenn es Red Bulls Stardesigner Adrian Newey erst einmal geschafft hat, den Doppel-Diffusor perfekt in sein ohnehin schon bärenstarkes Auto zu integrieren, dann könnte Vettel im Kampf gegen Button einen entscheidenden Trumpf in der Hand haben.

"Wir haben ein sehr, sehr schnelles Auto und haben uns seit dem ersten Saisonrennen stetig gesteigert", sagte Vettel. "Aber jetzt müssen wir ganz hart arbeiten, damit wir das eine Team vor uns auch noch überholen. Ein paar kleine neue Teile am Auto - dann werden wir ihnen das Leben noch schwerer machen. Ich bin sehr optimistisch."

So steht es in der Fahrer-WM

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