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Formel 1

Jet-Helme und Pfefferminzbonbons

Von Alexander Mey
räikkönen, ferrari, helm
© Getty

Die Vorfreude auf die Premiere des Singapur-GP (Training, Fr. ab 12.45 Uhr im SPOX-TICKER) ist riesig. Die Stadt befindet sich in Erwartung des ersten Nachtrennens der Formel-1-Geschichte nicht nur im Ausnahmezustand, sie ist auch schon seit Tagen hell erleuchtet.

"Die Streckenbeleuchtung ist seit zig Tagen durchgehend eingeschaltet", sagt Premiere-Experte Jacques Schulz im SPOX-Gespräch.

Er ist bereits vor Ort und beeindruckt von der Kulisse in Singapur: "Die Stimmung ist sehr gut, es sind wahnsinnig viele Leute schon sehr früh angereist, um einfach die Atmosphäre der Stadt aufzusaugen. Man kann überall die große Erwartungshaltung spüren."

Apropos Erwartungshaltung: Was ist vom ersten Nachtrennen der F-1-Geschichte zu erwarten? Welche speziellen Vorbereitungen treffen die Teams und die Fahrer? Wie sieht es auf der Strecke aus? Wer ist Favorit? Und was hat das alles mit Pfefferminzbonbons zu tun?

SPOX beantwortet die offenen Fragen vor dem Singapur-GP.

Was macht den besonderen Reiz der Strecke aus?

Der Marina Bay Circuit ist 5,067 Kilometer lang und wurde zunächst vom deutschen Allzweck-Architekten Hermann Tilke konzipiert und dann von einer australischen Firma umgesetzt. Die Durchschnittsgeschwindigkeit wird bei rund 170 km/h liegen und somit deutlich langsamer sein als in Valencia.

Darüber, ob man in Singapur überholen kann, gibt es geteilte Meinungen. Das Streckenprofil zeigt drei potenzielle Überholstellen. Ob diese jedoch halten, was sie versprechen, muss der Praxistest zeigen. Die Enge der Piste spricht eher gegen Überholmanöver.

Spektakulär ist auf jeden Fall die Kulisse. Vor der beeindruckenden Skyline der Stadt geht es über zwei Brücken und - ein Highlight für alle Fans an der Strecke - durch einen Tunnel unter einer Zuschauertribüne durch.

"Wir sind die Strecke am Donnerstag schon abgelaufen. Es wirkt unglaublich perfekt. Ich kann jetzt schon sagen, dass das ein gigantisches Projekt wird", beschreibt Schulz seine Eindrücke vor Ort.

Kann es Probleme mit der Beleuchtung geben?

Dafür, dass die Fahrer trotz Dunkelheit beste Sicht haben, werden 1500 Hochleistungs-Scheinwerfer mit insgesamt mehr als drei Millionen Watt sorgen. Sie sollen viermal so hell strahlen wie eine Flutlichtanlage in großen Fußballstadien.

Gegen einen Ausfall sollen zwölf Doppelgeneratoren helfen. Sie sind stark genug, dass ein Generator notfalls den Ausfall eines anderen kompensieren könnte. Selbst wenn die Hälfte aller Strahler ausfallen sollte, wäre es immer noch hell genug, um sicher fahren zu können.

Zudem wird das System schon seit März auf Herz und Nieren geprüft. Auch vor dem Rennen laufen die Tests auf Hochtouren. "Hier ist die Nachtbeleuchtung durchgehend eingeschaltet, da will man sichergehen, dass alle technischen Dinge funktionieren", sagt Schulz. "Das wirkt natürlich am Abend sehr stimmungsvoll."

Wie groß ist die Angst vor dem Regen?

50 Prozent beträgt laut aktuellsten Vorhersagen das Regenrisiko für den Rennsonntag. Dabei handelt es sich aber um Gewitter, von denen man naturgemäß nie weiß, wann und wo sie niedergehen.

Trotzdem ist der Respekt vor möglichem Regen riesig, vor allem deswegen, weil man befürchtet, dass die grellen Scheinwerfer in Verbindung mit Wasser auf dem Asphalt und dem Visier stark blenden.

Um das zu verhindern, hat Helmfabrikant Schuberth ein spezielles Visier entwickelt, das mit Hilfe neuer Materialien so entspiegelt ist, dass ein Blenden des Fahrers praktisch ausgeschossen ist. Einsetzen wollen dieses Visier Felipe Massa, Kimi Räikkönen und Nick Heidfeld.

"Unser Spezialvisier ist eine Luftfahrtentwicklung. Wir arbeiten gerade intensiv an einem Prototypen für Jetpilotenhelme. Dort wollen wir diese neuartige Beschichtungstechnik einsetzen. Es ist ein Filter, der nicht nur entspiegelt, sondern vor allem die störenden Reflexe bei nasser Fahrbahn herausfiltert", zitiert "motorsport-total.com" Oliver Schimpf, den Geschäftsführer von Schuberth.

Wer ist der Favorit auf den Sieg?

Für einen Einsatz von 10 Euro gibt es 28 Euro, sollte der McLaren-Pilot siegen. Es folgen Felipe Massa mit 35 für 10 und Kimi Räikkönen mit 40 für 10. Für einen Sieg von Sebastian Vettel oder Nick Heidfeld gäbe es bei einem Einsatz von 10 Euro 250 Euro.

Doch was sagen die Favoriten selbst zu ihren Chancen? "Ich plane den Sieg", sagt Hamilton ganz selbstbewusst. Sein Titelrivale Massa ist etwas zurückhaltender: "Ich hoffe immer auf den Sieg. Aber wir sind zum ersten Mal auf dieser Strecke. Das kann gut sein, es kann aber auch schwierig sein."

Wie kommen Formel 1 und Singapur miteinander zurecht?

Sonderlich offenherzig ist das strenge Singapur eigentlich nicht. Der "Playboy" ist verboten, Drogenbesitz kann sogar mit der Todesstrafe enden - und auch die Hygiene-Vorschriften muten für den gemeinen Mitteleuropäer etwas skurril an.

"Man sollte keine Kaugummipapiere durch die Gegend werfen. Da gibt es heftige Strafen", erklärt Schulz. "Man sieht die besondere Wertlegung auf Hygiene auch bei der Einreise: Die Zollbeamten sind sehr nett, aber bevor sie deinen Pass stempeln, bekommst du erstmal ein Pfefferminzbonbon. Kein Zöllner will den Mundgeruch nach zwölf Stunden Flug ertragen. Es ist einfach eine nette kleine Geste, die stellvertretend für die Stadt ist. Sehr zuvorkommend."

Sehr zuvorkommend - und dann doch ganz schön offenherzig - sind auch die Hostessen. Sie rechnen für das Wochenende mit Umsatzsteigerungen zwischen 25 und 75 Prozent. Sei es einfach als weibliche Begleitung für einen der reichen Gäste oder eventuell für mehr, das Geschäft soll sich auf jeden Fall lohnen.

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