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Eishockey

Ehrhoff und Hegen schimpfen über DEL und DEB

Von Felix Götz
Christian Ehrhoff erzielte im letzten DEB-WM-Spiel gegen Frankreich zwei Treffer
© getty

Der Kapitän des DEB-Teams Christian Ehrhoff und der frühere Nationalspieler Didi Hegen kritisieren nach der ordentlichen WM die Jugendarbeit im deutschen Eishockey. Ehrhoff bemängelt die permanente Unruhe, Hegen fürchtet den Absturz.

Sieben Spiele, neun Punkte und die großen Nationen zumindest geärgert: Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft hat bei der Weltmeisterschaft in Schweden und Finnland zwar das Viertelfinale verpasst, aber eine ansprechende Leistung gezeigt und letztlich den neunten Platz belegt.

"Nach der erbärmlichen Vorstellung bei der vergangenen WM war das ein großer Schritt nach vorne", sagte der frühere Nationalspieler Didi Hegen der "Münchner Abendzeitung". DEB-Kapitän Christian Ehrhoff zog in der "Sport Bild" ein ähnlich positives WM-Fazit: "Wir haben uns als Mannschaft gut verkauft und waren mit den Top-Nationen in unserer Gruppe auf Augenhöhe. Wir haben bewiesen: Das deutsche Eishockey lebt noch."

"In der Breite wird nicht genug gemacht"

Ehrhoff betonte dabei das Wort noch. Denn der NHL-Star von den Buffalo Sabres sieht viele Probleme. Vor allem im Nachwuchsbereich müsse dringend etwas passieren. "Da ist viel Luft nach oben. Klubs wie Mannheim, Berlin und auch Krefeld leisten gute Nachwuchsarbeit. Aber es müsste mehr solcher Beispiele geben. In der Breite wird nicht genug gemacht", erklärte der 30-Jährige.

Sein Vorschlag: In den nächsten Jahren müsse die Ausländerquote Stück für Stück heruntergefahren werden. "Das geht natürlich nur, wenn es genug ausgebildete Talente gibt", fügte Ehrhoff hinzu.

Schweiz als Vorbild

Die Jugendarbeit ist auch Hegen ein Dorn im Auge. Der 51-Jährige fordert eine "grundsätzliche, strukturelle Änderung". Die Schweiz, die derzeit bei der WM groß auftrumpft, könne man sich dabei zum Vorbild nehmen.

"Die haben zehn Jahre voll in den Nachwuchs reingebuttert und jetzt erntet man die Früchte", sagte Hegen. Und weiter: "Solange es nicht verpflichtend ist, dass jeder DEL-Verein ein Nachwuchs-Liga-Team stellt oder zumindest fördert, wird nichts passieren." In der Deutschen Nachwuchs Liga (DNL) würden zudem zu wenige Spiele absolviert: "Man kommt auf maximal 36 Spiele im Jahr. Wie soll man da lernen, Eishockey zu spielen? In Kanada und sonst wo spielen die alle 60, 70 Mal."

Hegen fürchtet Absturz

Hegen fürchtet, dass sich die Verantwortlichen von der ordentlichen WM blenden lassen könnten und warnt: "Wenn wir nun nicht agieren, stürzen wir ab." Das Hauptproblem sieht er darin, dass im deutschen Eishockey nicht alle - DEL und DEB - an einem Strang ziehen.

Ehrhoff ist da ganz auf Hegens Seite. Der Verteidiger bemängelt die permanente Unruhe hinter den Kulissen im deutschen Eishockey: "Zwischen DEL, der 2. Liga und dem Verband gibt es ständig Diskussionen. Damit hilft man der Sportart nicht."

Ein unrühmliches Beispiel dafür lieferte Verbandsboss Uwe Harnos unmittelbar vor WM-Beginn, als er völlig ohne Not öffentlich an Bundestrainer Pat Cortina zweifelte. "Es kann nicht sein, dass kurz vor der WM der Bundestrainer und seine Doppelfunktion als Sportdirektor infrage gestellt werden", schimpfte Ehrhoff: "Das ist schlechtes Timing. Wir Spieler würden uns mehr Ruhe wünschen."

Zu Cortina hat Ehrhoff ebenfalls eine klare Meinung: "Er ist der richtige Mann. Seine taktische Ausrichtung passt zu den Spielern, die zur Verfügung stehen. Er lässt nicht zu offensiv spielen und setzt auf die deutschen Tugenden Kampf und Disziplin."

Der WM-Spielplan

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