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Basketball

"Hätte direkt zu Kaunas gehen sollen"

Von Interview: Dave Hein
Isaiah Hartenstein (r.) machte beim All-Star Game der NBBL eine gute Figur
© imago

SPOX: Anders als Richard Freudenberg haben Sie sich trotz guter Angebote gegen den Wechsel ans College entschieden. Warum?

Hartenstein: Am Anfang war das College schon ein Thema für mich, weil ich in den USA aufgewachsen bin. Für jedes Kleinkind, das Basketball spielt, ist das College eine Option. Für mich eben auch, doch im Laufe der Jahre habe ich gesehen, dass es für meine Entwicklung besser ist, in Europa zu spielen.

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SPOX: Mit Kostja Mushidi ging im vergangenen Sommer eine weitere deutsche Nachwuchshoffnung einen ähnlichen Weg wie Sie und wechselte ins Ausland zu Strasbourg IG. Ist Deutschland keine gute Heimat für Talente?

Hartenstein: Es ist schon besser geworden bei uns und immer mehr junge deutsche Spieler erhalten auch in den Ligen Spielzeit. Aber auch die Talente werden eben besser und besser. Wir haben mit Kostja, Richard und mir drei Spieler in einem Jahrgang, die später vermutlich entweder Euroleague oder NBA spielen können. Das gibt es auch nicht alle Tage. Jeder von uns hat einen unterschiedlichen, aber für sich richtigen Weg gewählt. Und wir hoffen natürlich, dass das Beste daraus wird.

SPOX: Wird es vielleicht zum Trend, dass die Top-Talente noch im Jugendalter aus Deutschland weggehen?

Hartenstein: Das hängt sicher auch damit zusammen, wie sich die Liga verändert. Wenn die BBL besser wird und junge Spieler auch die Option haben, zu spielen, kann ich mir vorstellen, dass in Zukunft auch wieder einige bleiben. Und die Pro A wird auch immer besser. Baunach ist ein gutes Beispiel. Die treten ausschließlich mit jungen Spielern an. Aber von solchen Projekten muss es mehr geben. Es ist auch denkbar, dass Talente in Zukunft weggehen, wenn wie sehen, wie die Entwicklung bei Richard, Kostja und mir geklappt hat.

SPOX: Im Januar traten Sie beim NBBL-All-Star-Game vor 4500 Zuschauern in Bamberg an, wenig später stiegen Sie in den Flieger nach Litauen zum Adidas Next Generation Tournament. Wie würden Sie die turbulenten Tage beschreiben?

Hartenstein: Es hat auf jeden Fall Spaß gemacht, noch einmal mit den deutschen Jungs beim All-Star Game zu spielen. Letztes Jahr war ich schon dabei und es war beide Jahre eine tolle Erfahrung. Und der Wettbewerb beim Adidas Next Generation Tournament war ebenfalls ein besonderes Erlebnis. So direkt nacheinander war das schon etwas turbulent, ja. (lacht) Aber das erste Mal in der neuen Arena zu spielen und dann auch mit dem Nachwuchs-Team von Kaunas den Titel zu holen, das war schon klasse.

SPOX: Sie wirkten beim Turnier überhaupt nicht wie ein Fremdkörper im Team, sondern schienen gut integriert. Wie hat das so gut funktioniert - bei Spielen, in denen es richtig um etwas ging?

Hartenstein: Das war einfach. Sie haben mich sehr gut aufgenommen und ich kenne es schon von anderen Events, dass man sich schnell an seine Mitspieler gewöhnen muss. Beim Jordan Brand Classic zum Beispiel. Das gilt schließlich auch für die anderen Jungs im Team. Sie haben mich sehr unterstützt und haben auch sehr gut gespielt. Die erste Partie war nicht so stark, aber bis zum Finale wurde es immer besser. In Berlin werden wir noch besser sein.

SPOX: Sie sprechen von den Finals des Adidas Next Generation Tournament, die im Rahmen des Euroleague Final Four im Mai in Berlin ausgetragen werden. Mit Titelverteidiger Real Madrid und Mega Leks Belgrad wartet aber starke Konkurrenz...

Hartenstein: Klar, die anderen spielen auch gut und haben natürlich eine Chance, zu gewinnen. Aber wir haben sehr viele gute Talente dabei und ich werde mich immer mehr an die anderen Spieler gewöhnen. Daher kann es mit dem Titel klappen. Wir hoffen, dass es in Berlin so weitergeht wie zuletzt.

SPOX: Beim ANGT treffen Sie auch auf viele Spieler, die mit Ihren Nationen bei der U18-Europameisterschaft im August um den Titel kämpfen werden. Welche Erwartungen haben Sie und die deutsche Mannschaft an das Turnier?

Hartenstein: Auf dem Papier sieht man, dass wir ein talentiertes Team haben. Aber es wäre vermessen, davon jetzt irgendwelche Ziele abzuleiten. In so einem Turnier ist alles möglich und wir wollen versuchen, besser und besser zusammenzufinden. Natürlich träumt man immer von einer Medaille, aber wir müssen sehen wie es klappt. Die Titelkandidaten sind wohl eher Serbien, die Türkei, Litauen und Frankreich. Und wenn mein ehemaliger Teamkollege Roberts Blumbergs bei Lettland mitspielt, dann muss man die auch auf der Rechnung haben.

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SPOX: Sie haben auf Jugendebene immer körperliche Vorteile gehabt. Das wird auf Profi-Ebene in Kaunas anders sein. Was müssen Sie an Ihrem Spiel verändern, um sich durchzusetzen?

Hartenstein: Ich kann mich noch in allem verbessern. Körperlich kann man immer weiter entwickeln, man kann schneller und stärker werden. Bisher konnte ich im Training mit der ersten Mannschaft eigentlich ganz gut mithalten, aber man muss sehen wie es bei den Spielen wird. Da ist die Intensität ja nochmal eine ganz andere. Aber ich bin gespannt darauf und heiß auf die Herausforderung.

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