Fussball

Sturm-Sportdirektor Schicker: "Gute Leistung gegen Hartberg - oder es gibt eine Reaktion"

Von APA
Andreas Schicker treibt gemeinsam mit Trainer Nestor El Maestro die Kaderplanung des SK Sturm Graz voran.

Red Bull Salzburg befindet sich weiter auf Titelkurs in der Bundesliga. Der Tabellenführer triumphierte am Mittwochabend bei Sturm Graz 5:1 (4:1) und verschärfte damit die Krise der Steirer. "Wir sind in einer Verfassung, in der es für uns schwierig wird, Punkte zu holen", gestand Lukas Spendlhofer nach der vierten Niederlage en suite, bei der er schon in der 24. Minute Rot gesehen hatte.

Bereits sechs Minuten zuvor war sein Trainer Nestor El Maestro wegen lautstarker Schiedsrichterkritik ebenfalls mit einer Roten Karte auf die Tribüne verbannt worden. Und da auch noch Isaac Donkor wegen wiederholten Foulspiels Gelb-Rot sah (71.), beendete Sturm das Heimspiel nur zu neunt und ohne Coach. "Die zweite Halbzeit war es auch aufgrund der Ausschlüsse kein richtiges Fußballspiel mehr, sondern wie ein Handballspiel rund um den Sechzehner des Gegners", lautete der treffende Kommentar von Salzburgs Sportdirektor Christoph Freund.

"Natürlich ist das nicht optimal", meinte Neo-Sport-Geschäftsführer Andreas Schicker im Sky-Interview zum Ausschluss von El Maestro, der beim Stand von 1:2 gewissermaßen der Anfang vom Ende war. "Das muss man im Nachhinein besprechen." Trotzdem sei er "überzeugt, dass Nestor ein guter Trainer ist. Wir müssen den Fokus jetzt auf Hartberg richten", forderte der 33-Jährige mit Blick auf das Steirerderby am Sonntag (17.00) beim Tabellenfünften, der nach dem 4:2-Erfolg beim WAC schon vier Punkte Vorsprung auf Sturm hat.

Schicker: "Hartberg ist das Spiel der Wahrheit"

"Hartberg ist das Spiel der Wahrheit, das gilt es abzuwarten. Sollte die Leistung erneut nicht gut sein, wird es am Montag eine Reaktion geben", kündigte Schicker personelle Konsequenzen an. "Wir drehen uns in Graz schon das zweite Jahr im Kreis. Ich bin nach wie vor von Nestor überzeugt. Es wird dann so sein, dass der eine oder andere Spieler in dieser Saison nicht mehr für den SK Sturm spielen wird. Dann geht es definitiv in die Planung für die neue Saison."

Doch auch der Trainer stehe in der Pflicht. "Natürlich hat Nestor keine Garantie, wenn sich die Abwärtsspirale weiterdreht", sage Schicker kurz vor Mitternacht der APA. Denn Sturm feierte nur einen einzigen Sieg in den jüngsten zehn Pflichtspielen (bei zwei Remis und sieben Niederlagen). Erst am Sonntag waren die Grazer in Wien bei Rapid in ein 0:4-Debakel geschlittert. Und zuletzt hatten die "Blackies" am 27. März 2004 in der Bundesliga bei der 1:5-Niederlage in Wien gegen die Austria vier Tore in der ersten Hälfte kassiert.

El Maestro: "Wenn man von einem Ultimatum spricht, habe ich kein Problem"

"Ich werde keine Meinung äußern, was die Aussagen meiner Vorgesetzten betrifft", lautete El Maestros Replik zur Kritik an seiner Person. "Wenn man von einem Ultimatum spricht, habe ich kein Problem. Denn ich sehe jedes Spiel als ein Ultimatum und bereite jedes Spiel so vor, als wäre es ein Champions-League-Finale."

Außerdem sei "Fußball seit Jahrzehnten" sein Beruf, weshalb er "mit schwierigen Situationen Erfahrung" habe. "Wir sind in einer schwierigen Situation, aber wenn man noch sieben Spiele hat, ist es nicht aussichtslos", versicherte der Sturm-Trainer, der sich in der Halbzeit beim Schiedsrichter für seinen "viel zu langen Protest" entschuldigt hatte.

Auch Salzburg-Trainer Jesse Marsch hatte den Referee in der Anfangsphase lautstark kritisiert und war deshalb kurz vor Rot für El Maestro mit Gelb verwarnt worden. "Das waren keine einfachen Situationen für die Schiris. Sie brauchen Hilfe, wir brauchen Beweise", meinte der US-Amerikaner, dessen Team nach dem siebenten Pflichtspielsieg en suite weiter sieben Punkte vor dem ersten Verfolger - nun Rapid nach dem 1:0 beim LASK - liegt.

Nur drei Tage nach dem 6:0 in Hartberg folgte der nächste überzeugende Sieg der "Bullen". "Ja, die Steiermark ist ein Superboden für uns", bekräftigte Marsch. Schon gegen den TSV Hartberg hatte sein Team mit einer 3:0-Führung nach nicht einmal elf Minuten einen Blitzstart hingelegt. In Graz erzielte Matchwinner Dominik Szoboszlai die ersten beiden seiner insgesamt drei Tore in den ersten zehn Minuten.

Marsch: "Szoboszlai jetzt auf einem anderen Niveau"

"Wir sprechen immer davon, wie wichtig ein guter Start ist. Das bringt unserem Spiel dann große Vorteile. Wir wussten, dass Sturm tief verteidigen wird, umso mehr war die frühe Führung gegen diesen Gegner so wichtig", betonte Marsch und lobte die "gute Mentalität" seiner Profis. "Dazu haben wir auch so viel Qualität vorne." Denn neben Szoboszlai, der laut Marsch "jetzt auf einem anderen Niveau spielt", habe auch Patson Daka, der gegen Sturm sein bereits 22. Saisontor in der Liga erzielte, "sehr viel Selbstvertrauen".

Trotzdem warnte der 46-Jährige vor verfrühter Euphorie: "Wir dürfen jetzt nicht zu stolz sein, sondern müssen weiter dranbleiben." Bereits am Sonntagabend (19.30 Uhr) kommt es in der Red-Bull-Arena in Wals-Siezenheim zum Duell mit dem nur noch auf Platz vier stehenden Vizemeister LASK. Szoboszlai will auch gegen die Linzer glänzen. "Ich bin glücklich, dass ich meiner Mannschaft mit drei Toren helfen konnte. Ich hoffe aber, es kommt noch mehr", sagte der Ungar nach seinem Triplepack in Graz.

Einziger Wermutstropfen für die Gäste war, dass sich Stürmer Sekou Koita beim Aufwärmen unmittelbar vor dem Spiel an der Leiste verletzte. "Es dürfte aber nicht so schlimm sein", vermutete Freund, dass der 20-jährige Teamspieler von Mali nicht allzu lange ausfallen werde.

Die Tabelle der Meistergruppe

Pl.VereinSpieleSUNToreDiffPunkte
1FC Red Bull Salzburg25176286:275933
2SK Rapid Wien25137552:282426
3WAC25126757:352223
4LASK25174454:262822
5TSV Hartberg251051042:59-1820
6SK Sturm Graz25951139:39o16
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