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08.01.2010 um 14:26 Uhr
Geschrieben von Italiarocker
Platzprobleme
Man hat es sich anders erhofft, es sah lange Zeit auch danach aus, aber letzten Endes zeichnet sich sogar zur Halbzeit der Saison wieder das gleiche Szenario ab, wie schon zum Ende der Spielzeit 08/09:

Es wird wieder verdammt eng dort oben!

Der Trend, dass die Liga auf den oberen Tabellenplätzen immer näher zusammenrückt, setzt sich weiterhin fort.
Vorbei sind die Zeiten, in denen der zukünftige Meister schon zur Winterpause die Planung der Meisterschaftsfeier angehen konnte.

Die momentane Tabellenlage ist ein Sinnbild für diesen Trend. Nur 5 Punkte trennen den Herbstmeister Leverkusen vom Tabellenfünften Borussia Dortmund. Letztes Jahr waren es gar nur 3 Punkte!

Aber umso weiter man in der Zeit zurückschaut, desto weiter driftet auch das obere Tabellendrittel auseinander:

- 2003/2004: 1. Werder Bremen, 39 Punkte – 5. Vfl Bochum, 26 Punkte = 13 Punkte
- 2005/2006: 1. Bayern, 44 Punkte – 5. Hertha BSC Berlin, 26 Punkte = 18 Punkte
- 2007/2008: 1. Bayern, 36 Punkte – 5. Schalke, 29 Punkte = 7 Punkte

Natürlich sind diese hier angegebenen Tabellenplätze nicht 100% mit meiner Aussage deckungsgleich, aber darum geht es hier auch nicht. Die Botschaft lautet so, wie schon oben genannt: Es wird eng!

Was sind nun die Gründe für diese leistungsmäßige Stauchung der guten deutschen Vereine?

Hier kann man mit Aussagen ziemlich aufs Glatteis geraten, gerade weil es äußerst viele Gründe dafür gibt. Jedoch sind für mich die prägnantesten Ursachen klar ablesbar.

Die Bayern z.B. haben deutlich an Dominanz verloren. Es wird von Jahr zu Jahr unwahrscheinlicher, dass man an Zeiten wie die Saisons 1998 bis 2001 anknüpfen kann, in denen man dreimal hintereinander Meister werden konnte. Das liegt nicht an fehlender Qualität im Kader, im Gegenteil. Der rein theoretische Marktwert der Bayern überragt den „Wert" der restlichen Teams um viele Millionen. Die dichte an namenhaften, internationalen Topspielern hat bei den Münchnern kaum nachgelassen.

Jedoch scheint sich ein weiterer Wandel im Fußball auch entscheidend auf die Tabellensituation auszuwirken.

Im Nachhinein wird z.B. über die Weltmeisterschaft 2006 oft gesagt, dass nie ein großes Turnier so taktisch geprägt war. Und diese Entwicklung hat auch im Vereinsfußball gegriffen.
Die Spieler werden immer fitter, technische Defizite zwischen den Teams können leicht durch eine kluge Taktik und viel Laufbereitschaft aufgehoben werden. Das war nicht immer so.

Auch die taktische Handschrift des Trainers wird immer entscheidender; ein gutes Beispiel dafür ist „mein" Verein, Borussia Dortmund. Mit einem komplett anderen System und einer anderen Philosophie beim Spielen können sogar fehlende Einkäufe kompensiert werden. Jürgen Klopp hat z.B. Spieler wie Mladen Petric, den nicht viele Trainer hätten gehen lassen, gegen den rein theoretisch gesehen schwächeren Zidan eingetauscht. Das Ergebnis kennt jeder: Zidan hat besser ins System Klopps gepasst und nun ist Zidan ein wichtiger Bestandteil des Dortmunder Spiels.

Der nächste Punkt verdeutlicht die Komplexität des Themas, denn er scheint ein wenig mit dem vorigen Argument im Gegensatz zu stehen: Geld spielt auch eine immer größere Rolle.

Beispiele hierfür: Wolfsburg und Hoffenheim. Beide Vereine sind grob gesehen ziemlich langfristig auf Erfolg getrimmt worden. Hoffenheim ist von der Regionalliga aus ins Oberhaus durchmarschiert, die Wolfsburger hatten sogar schon im letzten Jahrtausend schon offiziell den Wunsch geäußert, in spätestens 10 Jahren international spielen zu wollen – mit Erfolg.
Dadurch sind zwei deutsche Topvereine herangewachsen, die vorher nicht vorhanden waren.
Es gab immer schon Stuttgart, Leverkusen, Bremen, streckenweise sogar Dortmund und vor allem die Bayern, die sich im Kampf ums obere Tabellendrittel befunden haben. Doch nun, wo „kleinere" Vereine auch Anspruch aufs internationale Geschäft erheben, wird die Luft an der Spitze immer dünner.
So wirken sich kleinere Formschwankungen unmittelbar auf die Platzierung aus. Wenn nun Schalke und Leverkusen beide ihre Spiele am 18. Spieltag verlieren und die Bayern gegen Hoffenheim gewinnen, so findet sich der Rekordmeister schon wieder an der Spitze.
Diese Aussage scheint ein wenig flach, aber alleine schon die Begebenheit, dass rein theoretisch an fast jedem Spieltag ein anderer Verein an der Spitze stehen könnte, erzeugt eine enorme Spannung.

Zusammenfassend kann man sagen, dass eine altbekannte Aussage nun nicht mehr auf die Bundesliga zutrifft: Zu viele Köche verderben den Brei.

Hier sorgen aber die vielen Köche für eine unheimlich spannende Rückrunde, auf die ich mich schon sehr freue.
Einen Meister voraussagen? Das ist wohl ein weiteres mal unmöglich.

Jetzt seid aber ihr gefragt:

Was sind weitere Gründe für diese unheimlich spannende Tabellensituation?
Findet ihr diesen Umstand eher gut oder schlecht?

Ich freue mich auf eine hoffentlich angeregte Diskussion.

In diesem Sinne…

Italiarocker
Aufrufe: 2806 | Kommentare: 22 | Bewertungen: 25 | Erstellt:08.01.2010
ø 7.7
KOMMENTARE
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xxlhonk
08.01.2010 | 14:34 Uhr
+2
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xxlhonk : 
08.01.2010 | 14:34 Uhr
+2
-1
xxlhonk : 
Das ging dann jetzt aber fix.

Stark!
Das Du mal wieder was von Dir hören lässt.

Und auch stark finde ich folgende Feststellung:
003/2004: 1. Werder Bremen, 39 Punkte – 5. Vfl Bochum, 26 Punkte = 13 Punkte
- 2005/2006: 1. Bayern, 44 Punkte – 5. Hertha BSC Berlin, 26 Punkte = 18 Punkte

Man achte auf die beiden 5Platzierten.
Und schwupps, hat man die Absteiger der Saison.


Aber generell finde ich den Trend ja sogar begrüßenswert, dass die Liga spannend ist und bleibt.
Zum Glück.
Und es ist ein Vorteil, aus der 50+1 regel.
Allerdings droht hier dann doch langsam ein Wettbewerbsnachteil, denn VW und Hoppenheim fällt es deutlich leichter, sich den Erfolg zu kaufen.
Genau wie den bayern, die ja auf Grund der Erfolge der letzten Jahrzehnte ein pralles Bankkonto haben.
Und das ist dann wieder problematisch.

Genauso wie die Tatsache, dass wir zwar eine ausgeglichene Liga haben, die dafür in Europa eher nur Leader der Ligen ohne PL und PD sind.
Also eher CL-Quali-Kandidaten als echte Meisterschaftsaspiranten.
Taktiker
08.01.2010 | 14:40 Uhr
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Taktiker : 
08.01.2010 | 14:40 Uhr
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Taktiker : 
Nett geschrieben. Auch hast du recht, dass es einfach viel mehr Vereine gibt als früher, die sich um die internationalen Plätze streiten:

Bayern, Schalke, Leverkusen, Dortmund, Bremen, Hamburg, Hoffenheim, Wolfsburg und am Anfang der Saison wollte auch Stuttgart und mit Abstrichen berlin mindestens Platz 5 erreichen.

Ein weiterer Grund ist das stark verbesserte Arbeiten der kleinen Klubs, auch hier drängen einige weiter nach oben. Das ist aber ohne sehr große Geldquellen nicht so leicht möglich, weil einfach die Spitze nicht mehr wie früher 3,4 oder 5 Vereine bilden, sondern wie gesgat 8,9 oder 10.

Auch die 2. Liga hat enorm zugelegt, die schwächeren veriene können auf viele Spieler aus unteren Ligen oder dem Ausland bauen.

Auch hat sich die Jugendarbeit enorm verbessert, dadurch stehen insgesamt mehr gut ausgebildete den vereinen zur verfügung.

Insgesamt guter Blog, kriegst 10 Punkte.
Taktiker
08.01.2010 | 14:43 Uhr
+2
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Taktiker : 
08.01.2010 | 14:43 Uhr
+2
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Taktiker : 
@xxlhonk

"Genau wie den bayern, die ja auf Grund der Erfolge der letzten Jahrzehnte ein pralles Bankkonto haben.
Und das ist dann wieder problematisch."

Was willst du machen, die bayern verklagen, weil sie durch ihre Erfolge mehr Geld haben?
xxlhonk
08.01.2010 | 14:49 Uhr
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xxlhonk : 
08.01.2010 | 14:49 Uhr
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xxlhonk : 
@ Taktiker

Nichts läge mir ferner.
aber es ist zumindest ein wichtiger teil der diskussion.
und nicht umsonst versuchen die bayern zu verhindern, dass die 50+1 fällt und gehen auf hopp los.
die haben angst, dass ihr vorteil bald keiner mehr sein könnte.
aus der hoeness sicht absolut nachvollziehbar.
aber für die restlichen 14 erstligavereine (wenn man bayer als team nr. 4 mit ungleichen voraussetzungen betrachtet) ist das schon eine enorme hürde.
Dr_D
08.01.2010 | 15:05 Uhr
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Dr_D : 
08.01.2010 | 15:05 Uhr
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Dr_D : 
Schön geblogt, einige Gesichtspunkte warum es die BL so ausgeglichen ist hast du aufgegriffen. Im Großen und Ganzen stimme ich dir zu.

Freuen wir uns doch über diese Ausgeglichenheit. Was wäre in der Liga los, wenn immer die gleichen vereine die ersten Plätze unter sich ausmachen würde, wie jahrelang in der PL? Wär doch irgendwie langweilig, oder? Eben.

Ob WOB und Hoffenheim sich langfristig oben etablieren können bleibt für mich noch abzuwarten. WOB ist immerhin schon Meister geworden, aber was hat Hoffenheim bisher erreicht? Nix zählbares jedenfalls.

Honks Glaskugel kennt sogar schon den Meister, frag ihn mal danach.

ich sage: Wer am Ende die meisten Punkte hat, der ist Meister.
HA_HO_HE
08.01.2010 | 16:07 Uhr
+3
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HA_HO_HE : 
08.01.2010 | 16:07 Uhr
+3
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HA_HO_HE : 
starker Blog. bekommst 10 Punkte von mir.

Ich lehen mich mal weit aus dem Fenster und Behaupte Vizekusen ist dieses Jahr bereit für die Meisterschaft.

Übrigens ein Nicht Abstieg Herthas hat im Wettbüro ein 1:36er Quote!!!ich glaub ich riskiere da mal nen fuffi
Voegi
MODERATOR
08.01.2010 | 16:56 Uhr
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Voegi : 
08.01.2010 | 16:56 Uhr
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Voegi : 
würde auch ganz einfach sagen, dass die liga eben recht ausgeglichen ist. gibt nicht die übermannschaften. ob ich das gut finden soll? ja und nein. ja, weil es die liga spannend macht. nein, weil wir derzeit eben nicht die herausragenden mannschaften haben, die international ganz oben mitspielen würden.
quintessenz: ausgeglichenheit ist schön und gut. wäre aber wünschenswert, wenn sich drei, vier teams qualitativ und dann auch punktemäßig vom rest absetzen.
Italiarocker
08.01.2010 | 17:06 Uhr
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08.01.2010 | 17:06 Uhr
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Der allwissende Voegi hat hier mMn den Kern getroffen:

Die Medaille hat 2 Seiten. Deswegen hab ich die Thematik ja ma in die Runde geworfen, damit die beiden Seiten mal ausdiskutiert werden können
xxlhonk
08.01.2010 | 17:11 Uhr
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xxlhonk : 
08.01.2010 | 17:11 Uhr
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xxlhonk : 
@ Italia

Das ist das Leben.
Es gibt immer mehrere Möglichkeiten. Es ist nicht weiß oder schwarz.
Zum Glück.
Und immer haben Vorteile auch irgendwelche Nachteile mit sich.
Top4 ist eine ideale Lösung in Europa.
Aber wäre kontraproduktiv in der BL (Spannung, siehe Engelland oder gar PD).
Und wenn man das wollte (also mit Europa mithalten) müsste man deutlich mehr Gelder generieren.
Entweder über reine PAY-TV Übertragungen und/oder Investoren.

Diese Diskussion ist so alt, wie die PL die Investoren rein gelassen und die TV Vermarktung dezentralisiert wurde (außerhalb der BL).


PS Und, war eine gute Entscheidung, den Blog hier zu posten, oder?
Italiarocker
08.01.2010 | 17:12 Uhr
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08.01.2010 | 17:12 Uhr
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@honk PSSSSST!
Muss ja nicht jeder wissen ;)
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