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Blogpokal 2014/2015


Gründer: RoterBulle92 | Mitglieder: 25 | Beiträge: 5
Von: Maxi_FCB
18.01.2015 | 3079 Aufrufe | 12 Kommentare | 10 Bewertungen Ø 8.2
.....
Ilias
.....

"Mensch, Achim, du siehst ja aus. Hat die Kleine wieder die ganze Nacht Radau gemacht?"
Er blickte in den Spiegel, an der Rückseite seines Spinds. Es stimmte. Er sah tatsächlich mitgenommen aus. Dicke Ringe unterlegten seine Augen. Er meinte gar, manches graue Haar in seinem zerzausten Scheitel zu erkennen.
"Ach, naja, geht schon." Er mühte sich zu einem Lachen. "Dirk, den Spaß wirst du vielleicht auch noch haben. Aber es lohnt sich. Sie ist so ein Sonnenschein."
"Mal schauen, mal schauen, Achim. Ein Schritt nach dem anderen." Er lachte herzlich. "Aber da wirst du wohl durch müssen."
Erleichtert wandte Achim sich wieder in seinen Spind. Dirk hatte ihm anscheinend geglaubt. Es war nämlich keineswegs seine Kleine gewesen, die ihn die ganze Nacht wach gehalten hatte. Die hatte selig geschlafen. Viel mehr gab es wieder einmal Ärger mit seiner Frau. Die immerselben Anschuldigungen, er arbeite zu viel, sie sei mit der Kleinen ganz allein, er müsse endlich mal Verantwortung zeigen.
Er hatte das so satt. Auf der Couch hatte er miserabel geschlafen und das sah man ihm an. Aber er war schon fit. Heute war er beim Fussball eingeteilt, das würde schon gehen.

"Komm schon, wir sollen um 11 Uhr am Stadion sein." rief ihm eine bekannte Stimme zu.
"Ah Patti, bist du heute auch beim Fussball.?" 'Patti', das war eigentlich Patrick, sein kleiner Bruder. Und, wenn man hier klein sagte, dann meinte man klein. Patrick war 21 und damit immerhin 15 Jahre jünger als sein älterer Bruder. Er war vor zwei Jahren ebenfalls in den Polizeidienst aufgenommen worden. Achim mutmaßte, dass sein Bruder es nur seinetwegen getan hatte. Schon immer war er das große Vorbild für seinen kleinen Bruder. Anfangs hatte ihm das geschmeichelt. Sehr sogar. Doch seine Entscheidung, zur Polizei zu gehen, missbilligte er zutiefst. Zu gedankenlos, zu draufgängerisch - er hatte stets Angst um seinen Bruder.
"Na klar, Bruderherz. 250 Mann haben wir dorthin abgestellt. Besser, als Streife zu schieben allemal."
"Mal sehn." gab er zurück, während er versuchte, das zu enge, hellblaue Hemd über seinen einst so gut durchtrainierten Körper zu streifen. Mann, wie verändert man sich bloß mit der Zeit?
Er setzte sich seine Mütze auf den Kopf, steckte den Schlagstock ins Revers und ging in Richtung des Hofes.

Der Schal, der Schal, verdammt, wo war der Schal. Schublade für Schublade durchsuchte er seinen Schrank, auf der Suche nach seinem Lieblingsschal. Den er sich bei seinem ersten Spiel gekauft hatte. Ohne ihn würde er das Haus sicher nicht verlassen.
"Mum, wo ist mein Schal?"
"!No sé!"
Ah, da war er ja. Zwischen Wintermützen und dicken Socken. Puh. Jetzt konnte es los gehen. Das würde sein Tag.
So lange hatte er darauf gewartet. Endlich im Block, endlich bei den Ultras, endlich weg von den lahmen Tribünen, wo nur alte Leute und Spießer saßen. Manche standen bei einem Tor nicht einmal auf. Sie klatschten nur. Wie in der Oper. Selbst die Merkel macht das mit mehr Verve. Aber heute würde das anders. Inmitten von tausenden Verrückten, die das Stadion in eine Festung verwandeln. Es zum Beben bringen. Seine Vorfreude kannte keine Grenzen.
"!Héctor, cuidate!"
"Mama, du musst ein bisschen Deutsch sprechen, sonst wirst du es nie lernen. Ich bin 21. Ich bin schon groß, ich war schon so oft im Stadion, da ist mir auch nichts passiert."
"Me solo preocupo siempre."
Er band sich noch schnell einen anderen Schal um den Arm und packte das Portemonnaie ein. Jetzt gehts los! Das wird so geil!

Dienst bei Fussballspielen ist eigentlich das Grässlichste, was man sich vorstellen konnte. Horden von Betrunkenen, an denen jegliche Rationalität abperlt, es war immer eine Grundaggressivität vorhanden. Oft genug schon war er bei Versuchen, Fans vom Urinieren an Polizeiautos abzuhalten, selbst getroffen worden. Es wurde sich schon in Polizeiautos übergeben und dazu die permanenten Beleidigungen - obwohl: Die waren ja noch das Verträglichste.
Er konnte nur den Kopf schütteln, dass Patrick sich freiwillig für diesen Dienst meldete. Er selbst machte das nur widerwillig.
"Ist doch echt ruhig, Achim, ich weiß garnicht warum du so missmutig bist? Ein paar Betrunkene haben wir doch auch bei der Nachtwache. Ich find's cool."
"Man merkt, dass du das erste Mal Dienst bei einem Fussballspiel hast. Warte mal ab. In einer Stunde kommen die Ultras..."

"Hey Héctor! Na, bereit für das erste Mal Kurve?"
"Klaro. Danke nochmal, dass du mir die Karte besorgt hast. Was hat dein Kollege denn?"
"Der hatte gestern Polterabend."
Die Menge um ihn herum war (offensichtlich von dem ein oder anderen Kaltgetränk aufgeputscht) schon eifrig am Intonieren der verschiedenen Gesänge. Man verstand kaum sein eigenes Wort.
"Was?"
"Polterabend!"
"Okay!"
Ein lautes Dröhnen durchfuhr die Halle. Sogleich erkannte man die Lärmquelle. Die U-Bahn näherte sich unter Ächzen.

Die nächste U-Bahn kam an. Etwa 200 Mann hatten sich inzwischen auf dem Platz, dessen Rand von diversen Buden umringt wurde, versammelt. Einige Gesichter kannte er. Die üblichen Verdächtigen eben. Einige erkannten ihn, spuckten provokant in seine Richtung. Doch alles war unter Kontrolle.
Sie hielten etwa 10m Abstand zu der Meute, schließlich war ihr einziges Ziel, diese von den gegnerischen Fans, die wohl in einigen Minuten ebenfalls kommen würden, zu trennen. Doch irgendetwas kam Achim spanisch vor. Wo sich die Menge sonst schon langsam Richtung Stadion bewegt hätte, verweilte sie auf dem Platz. Die Grundstimmung war noch aggressiver als sonst.
Er verstand nur nicht warum, war das heutige doch eigentlich kein Risiko-Spiel.


"Wollen wir nicht langsam mal Richtung Stadion?" Héctor wurde langsam hektisch. Noch eine Stunde bis zum Spielbeginn und er wollte in die Kurve, einen guten Platz sichern.
"Ich weiß auch nicht, warum wir noch warten. Vielleicht fehlen noch welche."

Hmm."
Plötzlich breitete sich ein hektisches Gemurmel unter den etwa 200 Mann aus. Irgendetwas war in Gange. Hoffentlich ginge es jetzt endlich Richtung Stadion.
"Diese Scheiß-H****söhne kommen!" brüllte sogleich ein älterer Kerl. Héctor wurde irgendwie unwohl. Irgendetwas war in Gange und er hatte nicht das Gefühl, dass es etwas Gutes war. Er wandte sich an den Mann in der von vielen Aufnähern verzierten Kutte, der neben ihm stand.
"Was ist denn los?"
"Wir haben da noch was zu klären."
"Was denn?"
"Die haben letztes Jahr eines unserer Banner geklaut. Das holen wir uns heute zurück. Weiß nicht, ob das was für so ein Jungchen wie dich ist."

Die Menge setzte sich in Gang. Aber in die falsche Richtung, Richtung Busparkplatz. Achim rief in Richtung der Menge: "Jungs, links geht's Richtung Stadion!"
"Drecksbullen! Macht euch ab!"
"Hier gehts nicht her. Geht Richtung Stadion."
Die Menge bewegte sich immer weiter auf die Polizisten zu, sie waren schon einige Meter zurückgewichen.
"A.C.A.B! A.C.A.B! A.C.A.B!" rief es aus der Menge.
Achim griff sich ein Megafon: "Hier spricht die Polizei: Der Durchgang ist nicht gestattet, ich wiederhole: Der Durchgang Richtung Busparkplatz ist nicht gestattet!"
Doch die Worte zeigten keine Wirkung, der Mob bewegte sich unaufhaltsam auf die Polizisten zu.
"Die Schilde aufstellen und Schlagstöcke einsatzbereit halten!"
"Achim, lass mich mal mit ihnen reden. Ich kenne ein paar von denen, stand auch schon in der Kurve. Die sind harmlos."
"Kommt garnicht in Frage, Patrick. Mit den Kerlen ist nicht zu spaßen. Außerdem hast du keinen Helm auf."
Hinter ihm sprach ein Kollege: "Hey, Achim, wir bekommen in 2 Minuten Verstärkung."
"Gut, solange müssen wir sie zurückh... Patrick?!"

Héctor sah, wie sich einer der Polizisten aus deren Formation löste. Er kam einige Meter auf ihren Pulk zu. Ihm wurde immer mulmiger, er wollte nicht mehr hier sein. Doch Umkehren war nicht drin, schließlich war er irgendwie, ohne es zu merken, fast an die Spitze des Mobs gelangt.
Der Polizist erhob die Stimme: "He Jungs, das macht doch keinen Sinn, geht doch Richtung Stadion und macht euch einen schönen Mittag. Richtung Busparkplatz kommt ihr eh ni-"
Plötzlich kam der Polizist ins Taumeln. Blut rann über seine Stirn. Ein faustgroßer Stein prallte von seiner Schläfe zurück. Ein dumpfer Schlag - und sein Körper sank leblos zu Boden. Der Kopf knallte mit Wucht auf den Asphalt.
Héctor war wie gelähmt vor Schock. Keinen Meter kam er von der Stelle. Die Polizisten näherten sich im Sprint, der ganze Pulk hatte sich fluchtartig zurückgezogen. Nur er nicht. Er konnte nicht. Paralysiert blickte er auf den leblos am Boden Liegenden.

"NOTARZT!!! WIR BRAUCHEN SOFORT EINEN NOTARZT!!!" Achim schrie nur noch, während er zu seinem am Boden liegenden, blutüberströmten Bruder eilte.
"Patrick! He, Patrick! Bleib bei mir. Hey. Patrick! WO BLEIBEN DIE SANITÄTER?!"
Er sah in den Augenwinkeln, wie sich zwei Sanitäter näherten. Als er seinen Blick kurz schweifen ließ, schien die Zeit stehen zu bleiben. Er nahm die Geräusche um ihn herum kaum wahr. Plötzlich erblickte er einen Jungen. Etwa so alt wie sein Bruder. Das musste die Sau sein, die den Stein geworfen hatte. Offensichtlich ein Südländer. Natürlich. Das passte ja. Wie konnte es anders sein? Vor Achims Augen fügte sich eins ins andere. Tausende Male schon hatte er in seinen ganzen Jahren als Polizist mit Kerlen wie diesem zu tun gehabt. Am Ende liefen sie meist wieder grinsend an ihm vorbei aus dem Präsidium. Zu jung. Oder nichts nachzuweisen. Wut stieg in ihm auf. Nein, keine Wut, wilde Raserei. Dieses Mal würde ihm das nicht passieren. Nicht schon wieder.
Er würde ihn fertig machen.

KOMMENTARE
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Broich
19.01.2015 | 16:30 Uhr
3
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Broich : 
19.01.2015 | 16:30 Uhr
0
Broich : 
Maxi kann auch Fiktion! Na sowas! :) Gefällt mir ausgesprochen gut, werde natürlich noch auf Putz Blog warten. 10er aber schon mal hierfür!
3
Maxi_FCB
18.01.2015 | 16:46 Uhr
0
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Maxi_FCB : 
18.01.2015 | 16:46 Uhr
0
Maxi_FCB : 
Dies ist mein zu langer Beitrag zum Blogpokal...

Mein Gegner ist MarcelPutz, dessen Beitrag ihr unter diesem Link finden könnt: http://www.spox.com/myspox/group-blogdetail/Die-Qual-der-Wahl,215531.html
Hoffen wir auf ein faires Duell, diesmal ohne Skandal wenns geht
Daher werde ich auch auf Werbung verzichten.

Hinweis: Die im letzten Absatz verwendeten Klischees und Stereotypen entsprechen nicht meiner Weltanschauung, ganz im Gegenteil, sondern fügen sich in die Fiktionalität der Handlung.
Auch soll dies keine Hetze gegen Ultras sein, da ich eigentlich kein Gegner der Ultra-Kultur bin und deren Beitrag zur Stimmung in Deutschlands Stadien schätze.
Zudem sei die ruppige Wortwahl zu entschuldigen.
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