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Von: Voegi
05.10.2014 | 7119 Aufrufe | 3 Kommentare | 10 Bewertungen Ø 9.9
mySPOX-Themenwoche: Stille Helden
Die Macher im Hintergrund
Der Startschuss zur Themenwoche

"Ich bin einer, der lässt sich das nicht gefallen, Freunde der Sonne". Die bedrohlich wirkende Ansage gegenüber den anwesenden Pressevertretern steht geradezu sinnbildlich für einen Fußballer, der sich Zeit seiner Karriere als unbequeme Führungspersönlichkeit verstand. Stefan Effenberg war und ist das, was wir gemeinhin als Lautsprecher verstehen - ein großspuriger Leader, für den Bescheidenheit und Zurückhaltung - jedenfalls auf dem Platz - Fremdworte waren.

Es verwundert daher kaum, dass der langjährige DFB-Masseur Adi Katzenmeier unlängst bilanzierte, mit fast allen Spielern gut zurechtgekommen zu sein, sich nur mit Effenberg irgendwie immer schwer getan zu haben. Katzenmeier, in gewissem Sinne der Anti-Pol zu dem hochtönenden Tiger aus Hamburg-Niendorf, steht stellvertretend für einen ganz anderen Typus Mensch im Profisport: Zurückgenommen, bescheiden - ein Leisetreter im besten Sinne des Wortes.

Als Faktotum der Nationalmannschaft war Adi Katzenmeier über 45 Jahre hinweg so etwas wie die gute Seele des DFB-Auswahlteams, die mit Humor und Herzenswärme die Freundschaft vieler namhafter Nationalkicker gewann, ohne selbst dabei groß in den Fokus der Öffentlichkeit zu geraten. Wie viele der stillen Helden, derer wir uns in der mySPOX-Themenwoche annehmen, war es dabei nie sein Ansinnen, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen.

Man mag darüber spekulieren, wieso Katzenmeier & Co. die große Bühne scheuen und sich mit dem Dasein als stiller Held fernab von Medienhype und Promi-Wahnsinn begnügen. Vielleicht ist es die Abneigung gegenüber einem von Oberflächlichkeiten geprägten Business, vielleicht ist es die fehlende Freude am Lauten und Grellen - womöglich ist es ganz einfach Charakterstärke. Die Menschen der leisen Worte genießen denn zwar zumeist keine große Prominenz, dafür aber eine besondere Wertschätzung. Sie gelten als ehrenvolle Persönlichkeit mit Anstand und ausgeprägtem Wertesystem, als kleiner Mann mit großem Herz.

Stille Helden sind deshalb nicht automatisch einwandfreie Charaktere ohne Fehl und Tadel. Im Gegenteil, ist der Kultcharakter, der ihnen mitunter zuteilwird, nicht zuletzt auch Folge der zahlreichen Ecke und Kanten, die ihre Persönlichkeit mitbringt. Ein Herrmann Gerland, bei den Bayern-Fans längt eine Ikone, die gleichwohl nie in der allerersten Reihe des Vereins stand, präsentierte sich zuweilen von der unbequemen, bärbeißigen Art. Doch mit Humor und Charme gewann er wie viele andere Vertreter der leisen Töne die Sympathien von Spielern und Fans.

Im Gegensatz zum Starkult um die mitunter selbstverliebten Protagonisten auf dem Feld ist die Beliebtheit der stillen Helden nicht spontan und kurzfristig, sondern bildet sich langsam und allmählich, um dann dauerhaft zu bestehen. Beispielhaft dafür stehen die Sympathien und der Respekt, die HSV-Kultmasseur Hermann Rieger über seine Tätigkeit beim Hamburger Sportverein hinaus entgegenkamen. Rieger, wahrscheinlich der prägendste und typischste Vertreter seiner Art, genoss bei den Anhängern der Raute eine Zuneigung, wie sie in dieser Form wohl einmalig war und ist im deutschen Sport.

Fans haben ein feines Gespür für die Wahrhaftigkeit, mit der Spieler, Offizielle und Betreuer ihren Aufgaben nachgehen. Sie merken, wenn es jemand ehrlich mit dem Verein und seinen Anhängern meint und wenn sich hinter der vermeintlichen Leidenschaft nur gespielte Begeisterung verbirgt. Bei Hermann Rieger wussten sie: Das ist eine ehrliche Haut, der man vertrauen kann. Entsprechend groß war ihre Trauer über den Tod eines der letzten absolut Aufrechten.

Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit, Authentizität. Die Attribute mögen zahlreich sein, gemeint ist doch stets das Gleiche: Die Übereinstimmung von Schein und Sein. Das gute Gefühl zu wissen, wo man bei einem Menschen dran ist. Nicht zweifeln zu müssen, sondern Glauben schenken zu können, zu vertrauen.

Charakterstärke gilt gemeinhin auch als Grundvoraussetzung für eine Karriere als Schiedsrichter. Was viele Fans freilich nur müde belächeln wollen. Große Wertschätzung wird den Unparteiischen zumeist auch nicht zuteil, eher Widerspruch, Ablehnung bis zur Verachtung. Und doch gehören sie auch in die Gruppe der leisen Heroen, verrichten sie einen oftmals unangenehmen Job - standhaft, aufrichtig und unerbittlich.

So wichtig diese Eigenschaften auch sein mögen, sie reichen doch nicht, um das Phänomen der stillen Helden alleine begreifbar zu machen. Eine einwandfreie Persönlichkeit alleine macht einen Menschen noch nicht zum Liebling und schon gar nicht zur Ikone. Handfeste Taten müssen folgen. Ob es nun die fortwährende, aufopferungsvolle Arbeit als Masseur ist (wie bei Rieger und Katzenmeier), das jahrelange Wirken eines Co- und Jugend-Trainers wie Herrmann Gerland oder die unverzichtbaren Dienste eines Zeugwarts sind - wer ein Held sein will, muss schuften. Und wer zur stillen Sorte gehören will, muss seine Tätigkeit fernab von Scheinwerfern im Verborgenen Tun. Kurzum, es sind die Macher im Hintergrund, ohne die das alles, was uns Woche für Woche präsentiert wird, nicht möglich wäre.

Sie sollen ausnahmsweise einmal im Mittelpunkt stehen und sollen damit ein Stück der Anerkennung erfahren, die ihnen zumeist vorenthalten bleibt, weil sich das Interesse eben doch zumeist auf die schillernden Stars (und nicht sie) richtet. Ihnen ist diese Themenwoche gewidmet.


Programm der Themenwoche:

- Broich: Die Schiedsrichter

- RoyRudolphusAnton: Aus dem Leben eines F1-Mechanikers

- StateFarm: Zeugwartinterview

- KEMPERboyd: Der stille Weltstar

- Broich: Der Kaiser von Holland

- Reiquaz: Jugendtrainer

ø 9.9
KOMMENTARE
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ausLE
05.10.2014 | 21:30 Uhr
5
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ausLE : 
05.10.2014 | 21:30 Uhr
0
ausLE : 
Sehr starke Einleitung Voegi!!!

Ging mir bei der WM auch durch den Kopf, wie Oli B. meinte, das Team hinter dem Team! Wenn ich sehe, wer alles am Brandenburger Tor auf die Bühne kam. Da kannte ich nur 1/3.

Die Blogger und ihre Themen klingen verdammt gut!!!
Ich freue mich!
5
RoyRudolphusAnton
05.10.2014 | 17:26 Uhr
5
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05.10.2014 | 17:26 Uhr
0
"Wer ein Held sein will, muss schuften. Und wer zur stillen Sorte gehören will, muss seine Tätigkeit fernab von Scheinwerfern im Verborgenen Tun. Kurzum, es sind die Macher im Hintergrund, ohne die das alles, was uns Woche für Woche präsentiert wird, nicht möglich wäre."

Besser kann man es nicht beschreiben. Vielen Dank für den Blog, der, wie StateFarm schon sagte, einen sehr treffenden Ton hat
5
StateFarm
05.10.2014 | 16:03 Uhr
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StateFarm : 
05.10.2014 | 16:03 Uhr
0
StateFarm : 
Sehr guter Einleitungsblog, der vor allem den richtigen Ton für das Thema und dessen Persönlichkeiten findet.

Na denn ma los!
3
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