Von: yovonando
14.07.2013 | 1869 Aufrufe | 0 Kommentare | 0 Bewertungen Ø 0.0
Zum Karriereende von Arne Friedrich
Die perfekte unvollendete Karriere
Eine der prägendsten Figuren von Hertha BSC und der Nationalmannschaft beendet eine atypische Karriere

Einer der prägendsten Figuren der letzten Jahre von Hertha BSC hat seine Karriere beendet. Nach 82 Länderspielen und über 250 Bundesligaeinsätzen für Hertha BSC und den VfL Wolfsburg gab Arne Friedrich im Alter von 34 Jahren sein Karriereende bekannt. Hartnäckige Rückenprobleme veranlasste den Innenverteidiger seinen Vertrag beim amerikanischen MLS-Verein Chicago Fire aufzulösen.


"Nach einer langen Reflektionszeit, viel Zeit in der Reha und Gesprächen mit meinen Doktoren und Therapeuten habe ich mich entschieden meine Karriere zu beenden", teilte Friedrich Ende Juni auf seiner offiziellen Website mit. "Ich kann mit viel Stolz auf eine großartige Karriere zurückblicken und bin jetzt gespannt auf neue Türen, die sich öffnen".


In der Tat verfolgte Friedrichs Karriere eine etwas ungewöhnliche Kurve. Im Verein absolvierte er den Großteil seines Fußballerlebens in der Hauptstadt. Bei Hertha BSC stieg der eigentlich ruhige Friedrich zum Kapitän, Identifikationsfigur und Leitwolf auf. Mit 23 kam er von Arminia Bielefeld zur Hertha und wurde sehr überraschend bereits nach 3 Saisonspielen von Rudi Völler in die Nationalmannschaft eingeladen. Friedrichs Stammplatz bei Hertha war in den ersten Jahren die rechte Seite, die er mit Schnelligkeit und Offensivdrang solide bearbeitete und gab in seinen ersten drei Jahren auf dieser Position 14 Torvorlagen.


Seine zweite Saison war trotzdem eine der schwierigeren bei Hertha, als der hochgehandelte Verein unter Huub Stevens bis Ende gegen den Abstieg spielte. Bitter auch die Folgesaison, als Hertha am letzten Spieltag mit einem 0:0 die Champions League verpasste. Nach dem Karriereende von Dick van Burik durfte Friedrich nach eigenem Drängen unter Lucien Favre 2008 als Innenverteidiger ran und Hertha spielte bis zum Ende sogar um die Meisterschaft mit. Arne Friedrich wurde in dieser Spielzeit auch zum Kapitän ernannt.


Die Folgesaison war jedoch wohl die schwärzeste in der Karriere von Arne Friedrich. Hertha steigt mit Friedrich als Kapitän sang und klanglos nach 12 Jahren Erstligazugehörigkeit in die 2.Liga ab. Friedrich wirkte in dieser Spielzeit oft indisponiert, verschuldete z.Bsp. gegen Nürnberg einmal eine Niederlage und kritisierte zudem in einem mit Handykamera aufgezeichneten Gespräch Mannschaftskollegen: "Und dass der Patrick Ebert vor dem 0:2 den Ball verliert und dann nicht hinterherrennt, seht ihr nicht, oder was?" Trotzdem vergisst man aus dieser Saison auch nicht, dass Friedrich in der Winterpause einige Angebote hatte und den Verein trotz schwieriger Lage nicht im Stich ließ. "Ich will kein Verräter sein", sagte er damals.


Ironischerweise folgte sofort nach dem Abstieg mit Hertha der Karrierehöhepunkt für Fiedrich: Die WM 2010. Gegen viel Kritik entschied sich Jogi Löw Friedrich als Stamm-Innenverteidiger neben Per Mertesacker (nach der miserablen Saison bei Hertha wohlgemerkt!) und Friedrich dankte es ihm mit teils Weltklasse-Leistungen. Unvergesslich eine Szene im Achtelfinale gegen England, als Friedrich Wayne Rooney den Ball abnimmt und ihn dann elegant aussteigen lässt und den Gegeneingriff einleitet. Ein weiteres Highlight war das Tor 3:0 gegen Argentinien (siehe Foto), als der Innenverteidiger den Ball nach einem Dribbling von Bastian Schweinsteiger ins Tor bugsierte.


Überhaupt hatte Friedrich eine überaus erfolgreiche Karriere in der Nationalmannschaft. Ein anderer Höhepunkt sicherlich die WM 2006, als Jürgen Klinsmann Arne Friedrich auf der rechten Abwehrseite aufstellte, ihm nach anfänglichen Schwächen im Viertelfinale gegen Argentinien das Vertrauen gab, und Friedrich Carlos Tevez in dem Spiel so an die Kette legte, dass dieser sein schwächstes WM-Spiel ablieferte.


Die WM 2010 kommt zugleich dem Zenit der Karriere des Arne Friedrich gleich. Für läppische 3 Mio. Euro lotste der damalige VfL Wolfsburg - und frühere Hertha-Manager - Dieter Hoeneß den Innenverteidiger nach seiner überragenden WM in die VW-Stadt, wo Friedrich aber aufgrund von zahlreichen Verletzungen nur auf 15 Einsätze kam und seinen Vertrag nach einem Jahr auflöste. Obwohl viele Hertha-Fans sich damals eine Rückkehr in die Hauptstadt versprachen, startete der Innenverteidiger ein letztes Abenteuer in den USA und absolvierte in zwei Jahren bei Chicago Fire 24 Spiele, wo er schnell beliebt wurde.


Obwohl Arne Friedrich der große Titel verwehrt blieb, hat man bei ihm nicht wie bei Michael Ballack zum Beispiel den Eindruck eines Versäumnisses. Bei Hertha war er zwar der Kapitän, spielte aber nie bei einem absoluten Topklub oder in der Champions League. Deshalb hat man den Eindruck, dass die großen Spiele in der Nationalmannschaft eine wunderbare Zugabe für Arne Friedrich waren, die er auch ohne Titel genoss. Friedrich wird für seine Kopfballstärke, Spielübersicht und Schnelligkeit auf der rechten Seite und in der Innenverteidigung in Erinnerung bleiben. Trotzdem war der eher ruhigere Friedrich mit der Rolle als Kapitän bei Hertha teilweise ein wenig überfordert. Nichtsdestotrotz hat mit Arne Friedrich einer der größeren Spieler von Hertha BSC und der jüngsten Nationalmannschaftshistorie seine Karriere beendet.


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