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02.02.2012 um 22:20 Uhr
Die Veilchen aus Berlin Teil 2
Als die Veilchen aufhörten zu blühen

Die Chronik eines ambitionierten Berliner Traditionsvereins - Teil 2



Bundesligaluft und Abstieg

Erst 1974, ein Jahr vor der Umwandlung der viergleisigen Regionalliga in die zweigleisige Bundesliga, gelang TeBe der lang ersehnte Aufstieg in Deutschlands höchste Spielklasse. Trotz Siegen gegen renommierte Vereine wie Werder Bremen oder den 1.FC Kaiserslautern war die Konkurrenz zu groß und man stieg folgerichtig wieder ab. Dem Abwärtstrend zum Trotz stieg man als souveräner Meister der 2. Bundesliga Nord sofort wieder auf und konnte im Folgejahr sogar einige Achtungserfolge erzielen. Vor heimischer Kulisse schlug man den Stadtrivalen Hertha BSC mit 2:0 und wies auch den großen FC Bayern München mit 3:1 in die Schranken. Insgesamt erreichte man allerdings nur einen Sieg mehr als zwei Jahre zuvor und stieg erneut ab.

Die großen Spieler der Glanzzeit TeBe’s, wie der 47-fache Nationalspieler und erste deutsche Italienlegionär Karl-Heinz Schnellinger, das Defensivass Ditmar Jakobs (später noch über 300 BL-Spiele für den HSV und 20 Länderspieleinsätze), Jürgen Schulz (67 BL-Spiele und über 200 Einsätze in Liga 2) oder auch Norbert Siegmann (über 200 BL-Spiele, vor allem für Werder Bremen) verließen noch Ende der Siebzigerjahre den Verein, so dass die sportliche Talfahrt unumgänglich war. Nach drei Jahren im Mittelfeld der 2. Bundesliga Nord, verpasste man 1981 die Qualifikation für die eingleisige 2. Bundesliga und rutschte als Tabellen-Siebzehnter in die drittklassige Oberliga ab. 1985 und 1993 gelangen nochmals Gastspiele in der 2. Bundesliga, auf das die sofortigen Wiederabstiege in die Oberliga folgten.


Investoren und Lizenzentzug

1992 stieg der ehemalige Profi und Schlagerproduzent Jack White als Präsident bei Tennis Borussia ein. Zwar investierte er mehrmals große Teile seines Privatvermögens in den Verein, konnte dadurch aber sportlich keine Weiterentwicklung erreichen und gab 1997 sein Engagement auf.

Praktisch zeitgleich übernahm 1996 der Finanzkonzern „Göttinger Gruppe" um Erwin Zacharias den Verein. Das Unternehmen hatte die Absicht über Beteiligungsgeschäfte, den Verein also zu einer Art Aktiengesellschaft umzuwandeln, den finanziellen Rahmen für eine langfristige Teilnahme an der 1. Bundesliga und am Europapokal zu schaffen, um ihrerseits durch hohe Werbeeinnahmen ein großes Geschäft zu machen.

Tatsächlich stieg TeBe 1998 nochmals in die 2. Bundesliga auf und schloss diese in der Saison 1998/99 überraschend auf Platz sechs ab. Nachdem man nur vier Punkte vom Aufstieg in die Bundesliga entfernt war, erreichte man in der Folgesaison lediglich den 13. Rang und musste aufgrund finanzieller Ungereimtheiten zwangsabsteigen.

Wie kam es dazu? Die „Göttinger Gruppe" investierte in den ersten drei Jahren ihres Engagements bei TeBe rund 80 Millionen Mark an Anlegerinvestments und Sponsoring. Die Gelder flossen für erfahrene Spieler mit hohen Bezügen und einem damals sehr bekannten Trainer, Winfried Schäfer. Dieser verklagte die „Göttinger Gruppe" nach dem Abstieg noch auf sein ausstehendes Gehalt, rund vier Millionen Mark, und bezeichnete die Etappe „Tennis Borussia" in einem späteren Interview als „den größten Fehler seiner Karriere". Schäfer‘s Anwalt bezichtigte die „Göttinger Gruppe" während des Prozesses am Landesarbeitsgericht Berlin der absichtlichen Herbeiführung des Lizenzentzuges, um der eigenen Insolvenz zu entgehen.


Der tiefe Fall und die heutige Situation

Während die „Göttinger Gruppe" den Verlust ihrer Investition von 80 Millionen Mark nicht verkraftete und Konkurs anmelden musste, ging TeBe mit einer völlig neu aufgestellten Mannschaft in die neue Saison der drittklassigen Regionalliga. Dort war man mit seiner aus fast nur Amateuren und eigenen Jugendspielern bestehenden Truppe völlig chancenlos und stieg als Tabellenletzter in die Oberliga Nordost ab. Erstmals war der Verein in seiner Historie nur noch viertklassig.

Erst 2009 kam es wieder zum Aufstieg in die Regionalliga Nord, in der man allerdings ein nur zu gut bekanntes Szenario erlebte. Den „Veilchen" gelang mit dem 15. Platz zwar der sportliche Klassenerhalt aber finanzielle Engpässe bedeuteten einen erneuten Lizenzentzug. Auch in der folgenden Oberligasaison konnte man sich nicht halten und wurde in die sechstklassige Berlin-Liga durchgereicht, in der man sich aktuell nach erneut schwachem Saisonstart ins Mittelfeld gekämpft hat.

Auch wenn heute die 1. Herrenmannschaft von Tennis Borussia keine all zu große Rolle mehr spielt und eine baldige Rückkehr in den Profifußball unmöglich erscheint, ist der Verein weiterhin durch die Damen (2. Bundesliga) und die hervorragende Jugendarbeit (u.a. Jerome Boateng, Ashkan Dejagah oder Änis Ben-Hatira) eine Adresse im Berliner Fußball und überregional bekannt.

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Aufrufe: 1585 | Kommentare: 7 | Bewertungen: 7 | Erstellt:02.02.2012
ø 10.0
KOMMENTARE
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gartenzwerg
03.02.2012 | 17:51 Uhr
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03.02.2012 | 17:51 Uhr
+3
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Von mir 10 Punkte für diesen Blog abseits des Mainstreams.
Der Klugscheisser in mir kann sich natürlich die Bemerkung das K-H Schnellinger nicht zum WM-Team von 1954 gehörte verkneifen.
Der Nostalgiker in mir freut sich über solche Blog und auf die, die da noch folgen mögen (Tasmania, BW 90 usw)
L_Grylls
03.02.2012 | 17:59 Uhr
+3
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L_Grylls : 
03.02.2012 | 17:59 Uhr
+3
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L_Grylls : 
Auch von mir 10 Punkte. Geschichten über Traditionsclubs die Heute in den unteren Ligen spielen lese ich immer wieder gerne. Da du ne Serie draus machen willst freu ich mich schon auf die nächtens Blogs .
matondo
22.02.2012 | 15:24 Uhr
+2
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matondo : 
22.02.2012 | 15:24 Uhr
+2
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matondo : 
wirklich toller blog, liest sich auch ganz gut.
wann kommt der nächste verein?

@spox: cool, dass ihr das nochmal angeteasert habt!
@phenek: lebe zurzeit leider nicht mehr in der hauptstadt, wie ist so die aktuelle entwicklung von tebe?
JanKonietzny
22.02.2012 | 16:11 Uhr
+3
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22.02.2012 | 16:11 Uhr
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@matondo: solch tolle blogs teasen wir aus vollster überzeugung - immer.
Phenek
23.02.2012 | 09:32 Uhr
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Phenek : 
23.02.2012 | 09:32 Uhr
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Phenek : 
Danke Spox für die Aufmerksamkeit. Ich habe damit gar nicht mehr gerechnet und dementsprechend auch nichts mehr geschrieben gehabt. Werde mich natürlich sofort an den nächsten Teil der Serie machen.

@matondo: Die aktuelle Entwicklung von TeBe ist leider erschreckend. So unterklassig wie jetzt spielte der Verein nie, ist traditionsgemäß knapp bei Kasse aber hat immer noch einen großen Namen im Berliner Jugendfußball. Die A-Jugend war bis zur letzten Saison noch in der Bundesliga vertreten und die B-Jugend ist es immer noch.
Josh9
23.02.2012 | 11:08 Uhr
+4
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Josh9 : 
23.02.2012 | 11:08 Uhr
+4
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Josh9 : 
sehr schöner Blog.

einerseits natürlich traurig wieviele Berliner Vereine in der Versenkung verschwanden. Damals war ja die Berliner Meisterschaft noch ein echter Clash.

Andererseits halte ich den Verein in der Zeit in der ich ihn erlebte, für ne ganz perfide Nummer. Ekelhafte Propaganda wird da betrieben um sich selbst überhaupt noch so eine Art Identität zu geben.
Mit der Göttinger Gruppe wollte man es uns dann so richtig zeigen und fiel so dermaßen auf die Bretter, dass man heute in der S-Bahn Liga kickt.

Ihr seht, meine Sympathien für die vergammelten Veilchen halten sich in Grenzen. ;)

Trotzdem wäre es natürlich für den Fussballstandort Berlin sehr wichtig, wenn mehrere Mannschaften in oberen Klassen spielen würden.
Phenek
23.02.2012 | 17:13 Uhr
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Phenek : 
23.02.2012 | 17:13 Uhr
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Phenek : 
Die Serie geht weiter. Lasst Euch überraschen, um wen es nun geht. Hier der Link: http://www.spox.com/myspox/blogdetail/Die-traurige-Rekordsaison-Teil-1,156592.html
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