Wie die WWE deutsche Talente sucht: "Es ist wie bei James Bond"

Die WWE veranstaltete in Köln das erste Tryout in Deutschland
© WWE

Die WWE veranstaltete in Köln ihr erstes Probetraining in Deutschland. Über 40 Männer und Frauen durften dabei sein und ihrem Traum ein Stück näherkommen. SPOX blickte hinter die Kulissen. Eine Erkenntnis: Ein deutsches Talent als Monster gibt es.

"One, two, three, W-W-E!" Matt Bloom und seine Wrestling-Schüler kommen zum Abschluss des Workouts noch einmal zusammen und skandieren die magischen Buchstaben. W. W. E. Danach bedankt sich jeder Schüler einzeln und per Handschlag mit einem ehrfürchtigen "Thank you."

Matt Bloom ist der Head Coach im WWE Performance Center in Orlando. In seiner aktiven Wrestling-Karriere war der 150-Kilo-Mann unter anderem als A-Train und Tensai bekannt, jetzt kümmert er sich um den Wrestling-Nachwuchs.

Heute steht Bloom aber nicht in Florida in der Halle, heute steht er mit der Trillerpfeife um den Hals in der Motorworld Köln. Auf dem Gelände des historischen Flughafens am Butzweilerhof befindet sich ein Treffpunkt für Automobilliebhaber, unter anderem gibt es die offizielle Sammlung an Original-Memorabilia von Michael Schumacher zu bestaunen.

German Godzilla: Ein deutsches Monster?

An diesem Mittwoch ist aber alles anders. Die WWE hat einen Ring mitten in die Halle gestellt. Anlässlich der Deutschland-Tour, am Abend gibt es eine Live-Show mit den RAW-Superstars wie Braun Strowman oder Seth Rollins, findet in Köln der historische erste Tryout der WWE in Deutschland statt. Hier soll der erste kleine Schritt auf dem langen Weg zum Superstar gemacht werden.

Mehr als 40 Männer und Frauen aus fast zwei Dutzend verschiedenen Ländern sind dabei und wollen sich zeigen. Die Athleten haben dabei den unterschiedlichsten Background, einige kommen mit Erfahrung aus der europäischen Independent-Szene, andere sind blutige Anfänger.

Da ist zum Beispiel der deutsche Strongman xChampion Raffael Gordzielik. Fast zwei Meter groß, 170 Kilogramm schwer, früher hat er mal Camps der NFL Europe besucht. Spitzname: "German Godzilla". Er könnte in der Tat gut als Monster durchgehen.

Oder der 23-jährige Aleksandar Jaksic aus München, ein ehemaliger semi-professioneller Basketballspieler, der in der Wrestlingschule von Alex Wright trainiert. Aber auch Leute aus dem MMA-Bereich, dem Bodybuilding, oder dem Rugby sind vertreten.

Robbie Brookside: Der Coach der Anfänger

Nach was genau sucht die WWE eigentlich? "Das Wichtigste ist der Entertainment-Faktor. Wir suchen nach jemandem, der die Leute unterhalten kann. Der den Fans ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Auf einer Kino-Leinwand werden Kunstwerke geschaffen. So ist es bei uns auch. Es ist wie bei James Bond", erklärt Robbie Brookside im Gespräch mit SPOX.

Der Engländer hat wie Bloom selbst eine langjährige Wrestling-Karriere hinter sich, tourte durch die ganze Welt und wurde vor allem als Tag-Team-Partner seines besten Freundes Steven Regal bekannt. Dabei war der gebürtige Liverpooler eigentlich ein großes Fußball-Talent.

"Ich war total auf Fußball fokussiert, aber dann bin ich eines Abends mal zum Wrestling gegangen. Das hat alles verändert. Wrestling hat mich gepackt. So sehr, dass ich aus der Fußball-Schulmannschaft geflogen bin, weil ich lieber zum Wrestling gegangen bin. Aber ich werde mein Leben lang trotzdem ein glühender Everton-Fan bleiben. Frag' mich bloß nicht nach Jürgen Klopp und den Reds", scherzt Brookside.

Der 52-Jährige assistiert Chefcoach Bloom beim viertätigen Tryout in Köln, im Performance Center kümmert er sich um die Anfängerklasse. "Jeder Tag ist anders. Einmal bin ich aus dem Urlaub gekommen und es standen acht Chinesen vor mir. Gerade einmal einer konnte Englisch und von Wrestling hatten sie überhaupt keine Ahnung. Wenn ich mich hier umschaue, sehe ich einige spannende Talente. Unser Job ist es, diese Talente zu erkennen und sie zu fördern. Alles ist möglich. Vor fünf Jahren hatte ich Braun Strowman bei mir. Jeder hat über ihn gelacht. Heute lacht keiner mehr", erzählt Brookside.

Baron Corbin: WWE statt NFL

Strowman, "The Monster Among Men", ist 2018 zu einem der größten Stars aufgestiegen. Sobald er im Ring steht, so auch wieder am Abend in Köln, dauert es nicht lange, bis alle Fans loslegen, seinen Spruch zu grölen. "Get these hands!"

Auch Thomas Pestock, besser bekannt unter seinem Ringnamen Baron Corbin, ist an diesem Tag in Köln und schaut beim Tryout vorbei. Pestock war eigentlich auf dem Weg zu einer NFL-Karriere, bei den Indianapolis Colts und Arizona Cardinals stand er sogar unter Vertrag, bestritt aber nie ein Spiel. 2012 entschied er sich für den Sprung in die WWE.

"Die größte Herausforderung für mich war, dass im Football von jedem erwartet wird, keine Gefühle und Schwächen zu zeigen. Bloß nicht weinen, bloß keine Emotionen zeigen, das ist nicht erlaubt. In der WWE ist das Gegenteil gewünscht. Wir wollen Emotionen zeigen und die Fans berühren", sagt Pestock zu SPOX.

Pestock hat den steinigen Weg zum Superstar geschafft. Aktuell darf er als General Manager von RAW Macht ausüben ("Das ist der beste Teil an meiner aktuellen Rolle"), das jahrelange Quälen hat sich ausgezahlt.

"Es ist wichtig, hungrig zu bleiben, dann kann man es schaffen. Ich bin froh, wie es gelaufen ist. Es ist phasenweise ein harter Job, aber wenn ich in ein Stadion oder in eine Halle laufe und alle buhen mich aus, dann ist das für mich das beste Gefühl auf der Welt. Ich liebe es, wenn die Fans auf mich so stark reagieren", so Pestock.

Deutsches NXT-Talent: Marcel Barthel

Wer es von den Tryout-Teilnehmern nun nach Florida ins Performance Center schafft, ist ungewiss. Klar ist allerdings, dass es für alle aktuell schon deutsche Vorbilder gibt. So hat es Alexander Wolfe zu Smackdown geschafft, mit Marcel Barthel, dem Sohn der deutschen Wrestling-Legende Axel Dieter Sr., gibt es ein hoffnungsvolles Talent in der Entwicklungsliga NXT.

"Marcel Barthel hat das Zeug, in nicht allzu ferner Zukunft bei WrestleMania ein großes Singles-Match zu bestreiten. Und Alexander Wolfe wird als Teil der SAnitY-Gruppierung wahrscheinlich 2019 schon dabei sein. Es ist absolut möglich, dass eines Tages ein Deutscher im Main Event von Pay-per-Views steht", blickt Canyon Ceman gegenüber SPOX in die Zukunft. Der Mann muss es eigentlich wissen, schließlich ist Ceman der "Senior Director of Talent Development" bei der WWE.

Ceman war ein erfolgreicher Beachvolleyballer, ehe er zur WWE wechselte und jetzt auf der ganzen Welt nach Talenten sucht. Wer weiß, vielleicht war ja dieser Tag im November in der Motorworld zu Köln der Startschuss für eine deutsche WWE-Superstar-Karriere. "One, two, three, W-W-E!"

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