WTA Finals: Venus Williams und ihre Pressearbeit

Nur auf dem Platz ein Vorbild

Mittwoch, 25.10.2017 | 08:03 Uhr
Venus Williams

Venus Williams hat in Singapur ein großes Match gewonnen - im Anschluss machte sie da weiter, wo sie die Tage zuvor aufgehört hat.

Von Florian Goosmann aus Singapur

Frage: "Was gibt Ihnen mehr Genugtuung: Ein Match wie dieses zu gewinnen oder glatt zu siegen?"

Antwort: "Ein Sieg ist ein Sieg. Das ist alles, was ich sagen kann."

Frage: "Wie haben Sie es geschafft, in diesem Match drin zu bleiben, was hat den Unterschied ausgemacht?"

Antwort: "Ich weiß es nicht. Vielleicht etwas Glück, wer weiß. Ich denke jetzt ans nächste Match."

Frage: "Was ging Ihnen beim letzten Matchball durch den Kopf?"

Antwort: "Den Punkt zu gewinnen."

Und das war sie, die gesamte Pressekonferenz von Venus Williams. Nicht im reinen Text erfasst: die hochgezogenen Augenbrauen nach der letzten "Antwort" und ein Blick in den Presseraum, der besagte: "Habt ihr endlich kapiert, dass ich keinen Bock habe?"

Gegnerin Ostapenko macht es besser

Williams war schon beim Media Day am Samstag durch äußerste Lustlosigkeit aufgefallen, irgendeine brauchbare Antwort liefern zu wollen. Auch nach ihrer Niederlage am Sonntag gab sie nur äußerst knappe Satzfetzen wider, sodass man sich durchaus fragen konnte, ob sie überhaupt Lust auf die WTA Finals hat.

Das tut sie offenbar: Ihr Sieg über Jelena Ostapenko nach 3 Stunden und 13 Minuten, war ein Zeichen großen Kampfes, ein Beweis, wie sehr die 37-Jährige ihren Sport nach wie vor liebt und lebt. Williams fightete, sie blieb dran, nachdem sie im zweiten Durchgang einen Matchball nicht genutzt hatte und in Satz drei musste.

Sie bei der Medienarbeit zu erleben, ist dagegen bitter. Okay, dass man sich kurz vor Mitternacht eher ins Hotel sehnt anstatt ins Pressezentrum - geschenkt. Dass Williams, als Siegerin (!), als Legende des Sport, jedoch derart schlechte Zeichen setzt, auch den jüngeren Kolleginnen gegenüber, ist traurig.

Was Williams vergisst: Auch sie lebt davon, dass über ihren Sport, ihre Siege und Niederlagen, berichtet wird. Dass die kleine Welt des Tennisplatzes in die große Welt transportiert wird, zu den Fans. Umso mehr nach einem Match wie dem, das gerade zu Ende gegangen war. Ein Vorbild an Professionalität auch in diesem Bereich: Roger Federer.

So sehr man Jelena Ostapenko teilweise für ihre Auftritte auf dem Platz kritisieren kann, beim Hand-Shake oder im Umgang mit den Ballkids: Sie, die Verliererin dieses spannenden Spiels, gab sich nach dem Match (und nach Mitternacht) zumindest alle Mühe zu erklären, was den Unterschied an diesem Abend ausgemacht hatte und was in ihr vorgegangen war. Sie gab ihre vielleicht beste Pressekonferenz nach einer Niederlage überhaupt.

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