Media Day bei den WTA Finals in Singapur

Was ham's g'sagt?

Samstag, 21.10.2017 | 17:51 Uhr
Caroline Wozniacki
© getty

Nix ham's g'sagt. Oder freundlicher formuliert: Etwas mehr als Standardfloskeln hätten es schon sein dürfen beim Media Day der WTA.

Von Florian Goosmann aus Singapur

Weltbewegende Worte sind heute nicht gefallen, dabei klang es doch zu schön: die acht besten Spielerinnen der Saison, eine nach der anderen bei der Pressekonferenz. Klar: Irgendwann ist alles schon gefragt, aber ein bisschen Mühe darf man sich auch am eigentlich freien Tag doch bitte geben. Insbesondere Venus Williams, Caroline Wozniacki und Jelena Ostapenko geizten mit Antworten, die über einen Satz hinausgingen - die letzteren beiden taten dies zumindest mit einem Lächeln im Gesicht.

Pliskova mit Zwischenlösung, Garcia ohne Druck

Den Anfang des Tages machte Karolina Pliskova, die in dieser Woche vor allem bei Landsfrau Barbora Strycova in der Kritik stand - "Trainerklau" war das Stichwort. In Singapur wird Pliskova von Rennae Stubbs betreut, der ehemaligen Nummer 1 im Doppel, die mit ihr vor allem am Netzspiel arbeiten wolle. Wichtig für sie, so Pliskova: jemanden zu haben, der selbst auf der Tour gespielt habe. "Ein ehemaliger Profi hat die Erfahrung, die wir brauchen." Pliskova dürfte den schwierigsten Teil des Turniers ohnehin schon hinter sich haben. Bei der Eröffnungsgala standen Kleid und High-Heels auf der Hausordnung. "Absätze, ja, leider", meinte sie, angesprochen auf ihre Kleiderwahl und erklärte so zumindest indirekt ihren doch etwas unrunden Lauf auf die Bühne. Für die Rosen auf dem schwarzen Kleid hatte sie dann die logischste Begründung: "Ich mag Blumen, wie alle Frauen, daher habe ich das ausgesucht."

Caroline Wozniacki, die Dame mit den meisten Matchsiegen in 2017, war in Gedanken - zumindest teilweise - schon etwas weiter. Sie konzentriere sich natürlich auf ihre Matches, aber träume sich in Gedanken schon in den Urlaub und an den Strand. "Es ist schön, das Ende des Tunnels zu sehen", so die Dänin. Zurecht: Wozniacki hat in diesem Jahr 76 Matches gespielt. Die Bilanz: 56 Siege, 20 Niederlagen, davon sechs in Finals, bis sie diesen Fluch mit ihrem Sieg in Tokio vor wenigen Wochen beenden konnte.

Caroline Garcia hingegen war durchaus in Plauderlaune - kein Wunder nach der Last-Minute-Qualifikation. Garcia ist nur im Einzel zum ersten Mal in Singapur dabei, im Doppel war sie bereits um Vorjahr hier. Die Französin trägt sich seit 2011 mit dem gut gemeinten Tweet von Andy Murray herum, in der dieser darauf hinwies, dass sie irgendwann die Nummer 1 werden würde. "2011 konnte ich den Druck, der mit diesem Tweet einherging, nicht so gut verarbeiten. Aber die Erfahrung, damit umzugehen, hat mir sehr geholfen", meinte Garcia und grinste: "Ich arbeite nun jeden Tag daran, dass es passiert." Aktuell ist sie auf einem blendenden Weg: Garcia ist nach ihrem Doppelschlag in Wuhan und Peking seit elf Spielen ungeschlagen. Worauf sie sich aber nichts einbildet, ebenso wenig auf ihre Siege gegen die jetzigen Gruppengegnerinnen Halep und Svitolina in Peking. Gegen Svitolina stand sie dort bereits vor dem Aus und wehrte mit einer mutigen Rückhand einen Matchball ab. "Keine Rückhand longline, kein Singapur", sagte sie vor ein paar Tagen. Das gilt nach wie vor.

"Meine Karriere ging immer Schritt für Schritt voran", meinte Elina Svitolina, die im Vorjahr noch das "kleine" Masters, die Elite Trophy in Zhuhai, spielte und das Finale erreichte. In diesem Jahr ist sie mit fünf Turniersiegen spitze, was fehlte, war jedoch ein richtig gutes Abschneiden bei den Majors. "Das bleibt das Hauptziel in der Zukunft", so Svitolina. "Ich setze mich zum Ende des Jahres mit meinem Team zusammen und werde schauen, was falsch lief, wo wir etwas verändern oder zufügen können."

Simona Halep mit bestem Gefühl

Garbine Muguruza kam im schicken, aber nicht zu eleganten Sommerkleid - ganz Spanierin eben. Sie ist in der Weißen Gruppe gelandet - auch genannt: die Gruppe der "Big Hitters", denn Karolina Pliskova, Venus Williams und Jelena Ostapenko sind auch hier. Sie habe "keine Präferenz", so Muguruza. "Zuletzt habe ich hart schlagende Spielerinnen gespielt und das ging etwas besser als früher." Ihr Wimbledon-Sieg sei übrigens unabhängig von den French Open gewesen, erklärte sie noch. In Paris war sie als Titelverteidigerin gegen Kristina Mladenovic und mehrere Tausend Franzosen rausgeflogen, Wimbledon sei hierbei jedoch keine irgendwie geartete Rache gewesen. "Ich dachte nur: Okay, Ende, ich habe jetzt Chancen auf Gras."

Jelena Ostapenko hingegen fasste sich kurz und wechselte belanglose Ein-Satz-Antworten nur mit belanglosen Zwei-Satz-Antworten durch - ebenso die sichtlich unmotivierte Venus Williams. Auch die Frage, ob sie womöglich - wie Onkel Toni mit Rafael Nadal - in 20 Jahren ihre Nichte trainieren würde, heiterte sie nicht auf. "Ich habe keine Ahnung, ich lasse es Sie in 20 Jahren wissen."

Fröhlich, entspannt und scheinbar komplett mit sich im Reinen gab sich hingegen Simona Halep. "Innerlich hat sich alles geändert", sagte sie auf die Frage, wie es als Nummer 1 denn so sei. "Der Traum ist wahr geworden, es ist das beste Gefühl, das ich in meiner Tenniskarriere bislang hatte." Halep ist in der Roten Gruppe, der "Läufergruppe", gelandet. "Ich werde viel rennen müssen", meinte sie lachend. (Mehr zu Simona Halep gibt's im Laufe des Abends.)

Schweigen ist Silber, Reden ist Gold

In den sonstigen Aussagen waren sich fast alle einig. "Ich schaue nur auf mich und mein Spiel", "Die Konkurrenz ist hart und jedes Match wird schwierig" oder "Singapur ist toll, ich liebe es in Asien" gab es so oder in leichter Variation von allen zu hören. Was insgesamt doch die Frage aufwirft, ob sich die WTA zeitnah mal zusammensetzen sollte, um darüber zu diskutieren, ob man mit manchen Spielerinnen nicht doch mal reden sollte - damit diese vielleicht etwas mehr reden, um ihr eigenes Produkt besser zu vermarkten.

Das Gute: Morgen geht's endlich los auf dem Platz. Es ist davon auszugehen, dass die Damen hier mehr Leistung bringen werden als vorm Mikrofon.

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