Miami-Finale der Schwestern im Geiste: Sloane Stephens gegen Jelena Ostapenko

Von Ulrike Weinrich
Freitag, 30.03.2018 | 11:30 Uhr
Sloane Stephens gewinnt die US Open 2017
© getty

Jelena Ostapenko und Sloane Stephens könnten sich vor dem Finale von Miami am Samstag eigentlich zusammensetzen, vielleicht einen Kaffee trinken - und über ihre Erfahrungen als Grand-Slam-Siegerin plaudern. Beide erlebten das, was schon etliche Major-Champions zuvor durchgemacht haben. Nach dem Höhenflug stiegen die Erwartungen - und es kamen Enttäuschungen.

Die Chance ist groß, dass die Gewinnerin vom Crandon Park am Samstag nach dem Endspiel auf der Pressekonferenz erläutern muss, was es denn so schwierig mache, eine Grand-Slam-Siegerin zu sein. Jelena Ostapenko (20) und Sloane Stephens (25), die Finalistinnen von Miami, kennen diese eine, diese nervige Frage nur zu gut.

Stephens nach dem US-Open-Triumph: "Wow, das ist eine Menge Geld!"

Beide sind gebrannte Kinder, die diese tückische Melange aus öffentlicher Erwartungshaltung und eigenem Druck kennen lernten, nachdem sie sich 2017 quasi aus dem Nichts einen Platz in der Tennis-Historie gesichert hatten. Ostapenko durch ihren French-Open-Coup im letzten Frühling als Ungesetzte, Stephens ein paar Monate später durch die Verwirklichung ihres amerikanischen Traums in Flushing Meadows - als die "Comebackerin" schlechthin.

"Es ist cool, seinen Kindern irgendwann zu erzählen, dass man ein US-Open-Champion ist", hatte Stephens damals gesagt. Die Tochter eines tödlich verunglückten NFL-Profis und einer College-Schwimmerin hatte es gar nicht glauben können, als ihr im Arthur-Ashe-Stadium der Siegerscheck in Höhe von 3,7 Millionen Dollar in die Hand gedrückt wurde: "Wow, das ist eine Menge Geld!".

Dirk Nowitzki und Shaquille O'Neal gratulierten Stephens

Unter anderem die Basketball-Helden Dirk Nowitzki und Shaquille O'Neal ("Wenn du eine Legende bezwingst, bist du selbst eine Legende") gratulierten dem neuen Stern am Tennis-Himmel. Auf ihrem Smartphone hatte sie nach dem Final-Triumph über ihre Freundin Madison Keys (USA) über 200 Glückwunsch-Nachrichten. Und das nach einer unglaublichen Vorgeschichte:

Wegen einer Fußoperation zu Beginn der Saison 2017 hatte Stephens monatelang nicht Tennis spielen können. Wenige Woche vor ihrem Heim-Major in New York belegte sie lediglich Platz 934 im WTA-Ranking. "Eigentlich ist es unmöglich, das zu erleben, was mir passiert ist", befand sie nach ihrem Triumph, der die selbstbewusste Frau aus Florida allerdings aus der Bahn warf.

"Wo die Arbeit getan wird, ist sozusagen auf Court 75"

Nach ihrem Durchbruch auf der schillerndsten aller Tennis-Bühnen kassierte Stephens acht Niederlagen in Serie - und konnte erst im Februar 2018 wieder ein Match gewinnen. In den Tagen der Miami Open, bei denen die Amerikanerin am Samstag ihr Halbfinale gegen Victoria Azarenka (Weißrussland) mit 3:6, 6:2, 6:1 gewann und ab Montag erstmals in den Top Ten stehen wird, hatte sie auch erklärt, was die Basis des Erfolges ist.

Nämlich keineswegs primär die Motivation, gegen große und namhafte Kontrahentinnen anzutreten. "Wo die Arbeit getan wird, ist sozusagen auf Platz 75. Wenn du gegen Niculescu spielst und sie dich nach Peking slict und schnippelt, wenn du wirklich kämpfen und dich quälen musst. Da kämpfst du darum, überhaupt auf den Center Court zu kommen und gegen solche Mädels zu spielen", gab Stephens zu Bedenken.

Volksheldin Ostapenko mit eigener Briefmarke

Das weiß längst auch Ostapenko, die Powerspielerin mit dem geflochtenen, dicken Zopf und der kindlichen Attitüde. Dank des durchschlagenden Erfolgs am Pariser Bois de Boulogne war sie in Lettland zur Volksheldin aufgestiegen. Sogar eine Briefmarke mit ihrem Konterfei wurde gedruckt. "Sie haben 55.000 Stück hergestellt - und sie waren am ersten Tag weg. Ich wusste, dass ich populär bin, aber so...", erzählte Ostapenko - und schmunzelte.

Doch die Saison 2018 lief bis dato noch gar nicht nach ihrem Geschmack. Nach Miami kam OstaPENGko mit nur vier Siegen aus elf Matches im Gepäck. Dabei hatte die 20-Jährige, die im vergangenen Jahr im Stade Roland Garros die Vorhand im Schnitt schneller spielte als Andy Murray, in ihrer Off-Season einen Höhenflug der besonderen Art simuliert.

Ostapenko durfte sich im Trainingszentrum der lettischen Fluglinie Air Baltic in einen Boeing-Flugsimulator setzen. Sogar auf den "Captains Chair". "Ich habe verrückte Dinge mit dem Flugzeug gemacht, Start, Landung - aber es wäre kein Beruf für mich", berichtete die Weltranglistenfünfte, die im WTA-Ranking auf jeden Fall einen Platz gutmacht und damit eine neue Bestmarke erreicht.

Man müsse einfach geduldig bleiben. Plus: Hart arbeiten, dann komme der Erfolg schon wieder, hat Ostapenko einmal auf die Frage geantwortet, was während einer Durststrecke ihr Mantra sei. Auch Sloane Stephens hat bewiesen, dass diese Formel aufgehen kann.

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