Der Davis Cup wird mit den Reformen zur Alltagsware

Austauschbar statt unverwechselbar

Montag, 13.03.2017 | 18:00 Uhr
Juan Martin del Potro umarmt die Davis-Cup-Trophäe
© getty
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Gewinnt der Davis Cup nun größere Relevanz, wenn die Matches über maximal drei Gewinnsätze gespielt werden? Es ist fraglich, dass die Teilnahmequote der Stars drastisch ansteigt.

Zu einem fast vollständigen Beschluss haben sich die höchsten Funktionäre des Tennis-Weltverbands ITF im schönen Indian Wells gerade durchgerungen - Davis-Cup-Spiele sollen künftig nur noch über maximal drei Sätze ausgetragen werden. Wobei das Wörtchen fast deshalb da steht, weil David Haggerty, der dauerlächelnde Präsident der ITF, sich ein kleines Hintertürchen offen gehalten hat, es sei nämlich möglich, so der Amerikaner, eventuell beim Finale doch nach dem alten Modus zu verfahren, also über maximal fünf Sätze zu spielen.

Es ist nicht ganz leicht, ein apodiktisches Urteil über diese ganzen Pläne zu fällen. Es gibt sowohl für das Pro wie für das Contra zu diesen Absichten Argumente, es gibt keinen Königsweg. Nichts, was einen restlos zufriedenstellen würde. Aus Sicht der Traditionalisten sind die Pläne sicher gefährlich - und alles andere als eine starke Verteidigung der Marke Davis Cup. Die Bewahrer führen auch ins Feld, dass genau jene Spieler und Spieleragenten, die über die Belastungen durch den Davis Cup klagen, bei jeder sich sonst bietenden Gelegenheiten an Schaukämpfen oder ganzen Showserie teilnehmen, stets zum eigenen Profit. Davis Cup ist aber in den allermeisten Fällen auch so etwas wie ein Giveback an all jene, die am Aufbau der eigenen Laufbahn beteiligt waren - Vereine, Verbände, irgendwie das eigene Tennisland. Aber vielleicht hat dieser Gedanke, dass Spieler so etwas wie Dankbarkeit und Gegenleistung zeigen sollten, schon keinen Platz mehr in der modernen Welt des Tennis und Sports.

Echte Druckmittel sind nicht vorhanden

Haggerty und seine ITF-Leute könnten bei ihrer Entscheidung umgekehrt von Unsentimentalität und Realismus geleitet worden sein - wenn schon nicht von übergroßem Mut. Die Spitzenfunktionäre wissen, dass sie in Sachen Davis Cup nicht am längeren Hebel sitzen, sie haben wenig bis nichts in der Hand, um die besten Spieler zum Matchantritt zu bewegen. Sie können nur an so etwas wie Ehrgefühl appellieren, an eine nationale Verpflichtung - und hoffen, dass bei ausreichend vielen Profis diese Schwingungen und Stimmungen vorhanden sind. Aber, wie gesagt: Echte Druckmittel sind nicht vorhanden. Eins jedenfalls ist klar: Der Davis Cup als eigenständiges Produkt, als sportliche Institution, die mythische Momente schafft auch durch legendäre Marathons - das scheint vorbei. Der Davis Cup wird mit den Reformen zur Alltagsware, eher austauschbar statt sehr unverwechselbar.

Gewinnt der Davis Cup nun größere Relevanz, wenn die Matches über maximal drei Gewinnsätze gespielt werden? Es ist fraglich, dass die Teilnahmequote der Stars drastisch ansteigt. Und zwar auch dann, wenn die noch nicht durchgeboxten Pläne, über nur noch zwei statt drei Tage zu spielen, eines Tages Wirklichkeit werden. Noch kontraproduktiver sind im übrigen die Vorstellungen von Haggerty, Halbfinale und Finale an einen neutralen Ort zu verlegen - machten er und seine Gremien das dereinst wahr, können sie sich alle Reformen schenken. Denn damit würden sie den Davis Cup erstklassig beerdigen, es wäre dann wohl ein Tod auf Raten zu erleben. Aber ein eher schneller Tod gleichwohl.

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