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Von Lukas Zahrer
Freitag, 01.12.2017 | 08:00 Uhr
Auf der ATP University holen sich Jungprofis Tipps für ihre Karriere
© ATP World Tour

Nachdem die Saison mit dem Sieg von Grigor Dimitrov bei den World Tour Finals beendet wurde, begann für einige Spieler eine Herausforderung der anderen Art. 25 aufstrebende Profis besuchten die ATP University, an der der Weltverband erklärt, wie die Tour organisiert ist, und den Spielern bei bürokratischen Aufgaben unter die Arme greift.

Das Leben eines Tennisprofis besteht nicht nur aus einem Turnier nach dem anderen. Auch abseits des Platzes warten viele Aufgaben wie Turnier- und Reiseplanungen, Finanzierung des Touralltags, aber auch Meldeformalitäten und Lizenzen für den Spielbetrieb, was den Athleten viel Energie und Nerven kosten kann.

Seit 1990 versucht die ATP mit einem Fortbildungsprogramm angehenden Stars die Basis für eine erfolgreiche Karriere auf, aber vor allem auch abseits des Tenniscourts zu schaffen. Die ATP University bietet zwei Mal im Jahr "Vorlesungen" an, die Themen wie den Umgang mit Medien, Marketing, Finanzen und das Pensionssystem der ATP, Regelschulungen, aber auch Anti-Doping und Anti-Korruption beinhalten.

"Es ist wichtig zu wissen, was die Tour für uns Spieler tut", findet Lucas Pouille, der 2015 die Fortbildung erfolgreich abschloss. "Wir haben erfahren, welche Aufgabenbereiche die ATP hat."

ATP University für aufstrebende Spieler Pflicht

Jeder Profi, der in seinem ersten Jahr einer Division-1-Mitgliedschaft bei der ATP steht, muss an der ATP University teilnehmen. Zu dieser Gruppe gehören alle Spieler, die zum Jahresbeginn im Einzel in den Top-200 liegen, oder aber im Doppel unter den ersten 100 gereiht sind. Die Struktur der Fortbildung ist dabei bewusst strikt gewählt.

"Es begann um 8.30 Uhr und dauerte bis 2 Uhr nachmittags", sagte Dominic Thiem, der ein Jahr vor Pouille graduierte. "Es hat sich ein bisschen wie in der Schule angefühlt, aber mit sehr netten Kollegen und ein bisschen anderen Lehrern, deshalb habe ich es sehr genossen."

Dass das Programm bei den Spielern auf großes Interesse kommt, ist auch der Arbeit von Erika Kegler zu verdanken. Die Amerikanerin leitet die Abteilung für Spielerentwicklung bei der ATP und ist für die Organisation der ATP University zuständig. "Die Spieler brauchen die richtigen Werkzeuge, um auf der Tour erfolgreich sein zu können", sagte Kegler. "Ich habe von vielen Spielern gehört, dass sie sich im Vorhinein auf das Meeting freuen. Schon alleine diese Einstellung macht sie zu den Stars der Zukunft."

Social-Media-Schulung für Thiem und Co.

Die Vortragenden der ATP University sind sowohl Angestellte der ATP als auch externe Experten. Auch ehemalige Profis kommen immer wieder zu den Kursen und erzählen von ihren Erfahrungen auf der Tour. In diesem Jahr gab Alex Corretja den Spielern Hilfestellungen am Beispiel seiner Karriere als Aktiver.

Zudem engagiert der Verband einen professionellen Medien-Trainer, der die Sportler in ihrer Kommunikation schulen soll und gestellte TV-Interviews durchführt. Neben weiteren Informationen über die Organisation von Turnieren bekommen die Spieler auch eine Schulung in Sachen Ernährung, medizinischer Betreuung sowie einem Thema, das in der heutigen Zeit immer wichtiger erscheint: Social Media.

"Sie haben uns erzählt, dass man nur jene Sachen teilen sollte, die auch deiner Großmutter erzählen würdest", erzählte Thiem von der Schulung vor zwei Jahren mit einem Augenzwinkern. "Du solltest keine Fotos von dir um fünf Uhr früh in einer Bar von dir machen. Sie haben uns einige peinliche Bilder von Stars gezeigt, das war sehr hilfreich, um solche peinlichen Momente zu vermeiden."

ATP fördert Spieler auf dem Bildungsweg

Abseits von der University versucht die ATP ihre Spieler stetig bei Fortbildungen zu unterstützen. So bekam beispielsweise der deutsche Ex-Profi Michael Berrer vor einigen Jahren ein Stipendium der ATP, um ein Bachelorstudium in den USA in Psychologie in Angriff zu nehmen.

"Tennisprofi bist du nur bis zum Alter von 35", erklärte Berrer, "und das auch nur, wenn du wirklich gesund bleibst. Was danach kommt, sind viele, viele weitere Jahre, für die du dir etwas suchen solltest, das dich wirklich interessiert. Es ist großartig, dass uns die ATP dabei unterstützt."

Zu den Absolventen der heurigen ATP University zählen unter anderen Felix Auger-Aliassime, Yannick Hanfmann, Roman Jebavy, Maximilian Marterer, Nikola Mektic, Stefano Napolitano, Sebastian Ofner und Denis Shapovalov. Insgesamt nahmen 25 Spieler an dem Kurs teil, womit die Schallmauer von insgesamt 1.000 Graduierten auf der ATP University durchbrochen wurde.

Auch der Spaß kam nicht zu kurz: Neben gemeinsamen Abendessen besuchten die Spieler das Einzel- und Doppel-Endspiel der ATP World Tour Finals in der O2-Arena in London, dem letzten Highlight der verrückten Tennissaison 2017.

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