Service: Die kreative Fehleranalyse beim Aufschlag

Von Marco Kühn
Montag, 14.05.2018 | 08:00 Uhr
Roger Federer hatte Yuichi Sugita sicher im Griff
© getty

Konzentriert stehst du an der Grundlinie. Du tippst den Ball dreimal auf und wirfst deinem Gegner einen fokussierten, grimmigen, entschlossenen Blick zu. Ruhig beginnst du deine Aufschlagbewegung. Dein Ballwurf freut sich über deine volle Aufmerksamkeit...und was passiert dann?

Der Ballwurf sollte nicht zu flach sein, aber auch nicht zu hoch. Du weißt, dass du eine Vorliebe dafür hast, den Ball zu tief fallen zu lassen. Nicht selten erwischt du den Treffpunkt nur knapp über deinem Kopf.

Nachdem du den Ball gerade, etwas schräg nach vorn hochgeworfen hast, setzt in deinem Kopf alles aus, außer deine Aufmerksamkeit auf deinen Ballwurf und den möglichst hohen Treffpunkt.

Der erste Aufschlag kommt nicht - was läuft falsch?

Fünf Sekunden später beobachtest du, wie der Ball aus dem Netz wieder zu dir zurückrollt. Dein erster Aufschlag war anscheinend zu flach gespielt, du musst dich nun auf den zweiten Aufschlag vorbereiten ohne genau zu wissen, was du bei diesem besser machen kannst.

Du hast eine Handvoll Vorteile, wenn du dich als Tennisspieler selbst reflektieren kannst. Dies gelingt dir, indem du dir im laufenden Match viele Fragen stellst. Bist du in der Lage sehr unbequeme Fragen an dich und dein Tennis zu stellen, hast du sogar zwei Hände voll mit Vorteilen.

Heute greifen wir deinem Aufschlag unter die Arme. Wenn dieser verwundet ist, ist es immer praktisch, eine schnell wirkende Salbe dabei zu haben. Wo kannst du ansetzen, wenn dein erster Aufschlag scheinbar noch in der Tiefschlafphase weilt? Wir schauen jetzt, wie du ihn dann wecken kannst.

Lerne eine gesunde Grundeinstellung kennen

Vor knapp zwei Wochen beobachtete ich ein Spiel zwischen zwei jungen Spielern. Sie waren Anfang 20 und duellierten sich auf einem wirklich guten Niveau. Einer der beiden haderte allerdings ständig mit seinem ersten Aufschlag. Viermal erzählte er für jeden Zuschauer verständlich, dass seine Quote beim ersten Aufschlag "lachhaft" sei.

Nach einer kurzen Überlegung kam ich zu dem Schluss, dass seine Quote gar nicht so "lachhaft" war, sondern diese nur als solche vom Spieler interpretiert wurde. Oft stellt man unrealistische Erwartungen an seinen ersten Aufschlag. Kommt dieser zweimal nacheinander nicht, hält sofort das Gefühl des Versagens Einzug.

Deine Erwartungshaltung an deinen ersten Aufschlag ist wie ein gefräßiges Monster

Das ist aber nicht korrekt, wenn von sieben ersten Aufschlägen vier sitzen. Man neigt immer dazu, mehr die Fehler zu bemerken als die guten Aufschläge. Deine Erwartungshaltung an deinen ersten Aufschlag ist wie ein gefräßiges Monster, das immer gefüttert werden will. Lass dieses Monster verhungern !!!

Mal unter uns: Es ist doch vollkommen verrückt von sich selbst eine Aufschlagquote von 80% zu erwarten, wenn selbst Roger Federer mal einen Satz einen kompletten Leerlauf beim ersten Service hat - oder nicht? Immer cool, immer realistisch bleiben. Je höher du den Maßstab setzt, desto brachialer ist der Aufprall in der Realität.

Stell' Dir Fragen beim Ballwurf

Bevor du dich darüber ärgerst, dass du kaum erste Aufschläge ins Feld bringst oder erst gar kein Timing beim Aufschlag hast, stelle deinem Ballwurf folgende Fragen:

  • War der Ballwurf zu flach?
  • Habe ich den Ball zu weit nach hinten geworfen?
  • Habe ich den Ball nach vorn, im Idealfall schräg nach vorn, geworfen?

Du kannst eine harmonische und ruhige Aufschlagbewegung auf den Platz bringen, die deinen Schläger perfekt in den Rücken führt. Wenn dein Ballwurf zum Spielverderber wird, kannst du diese Bewegung kaum noch korrigieren. Deine erste Analyse sollte deswegen immer deinen Ballwurf untersuchen.

Es kann helfen, dass du dich darauf konzentrierst den Ball möglichst spät aus deiner Hand zum Wurf gleiten zu lassen. Lässt du den Ball sehr früh los, gestaltet sich der Ballwurf oft unkontrolliert. Führst du die Filzkugel länger nach oben, so hat diese weniger Zeit sich aus der idealen Wurfbahn zu verabschieden.

Und habe ein Auge auf Dein Handgelenk

Ein nützliches, kleines und praktisches Werkzeug um deinen Aufschlag zu korrigieren, ist dein Handgelenk. Es ist ähnlich wie ein Schraubenzieher, mit dem du schnell die Schraube nochmal festziehen kannst. Nachdem du deine Aufschlagbewegung gestartet hast und den Schläger in den Rücken genommen hast, ist der nächste wichtige Schritt der Treffpunkt des Balles.

Wenn dein Handgelenk nicht sehr flexibel arbeitet und erstarrt, kann sich die Fehlerquote beim Aufschlag erhöhen. Ein Indikator dafür ist, wenn dein Aufschlag auffallend häufig hinter die T-Linie fliegt. Bemerkst du dies, überprüfe direkt, ob du dein Handgelenk beim Treffpunkt des Balles einsetzt oder nicht.

Durch eine kleine, aber sehr wirksame Abklappbewegung gewinnst du mehr Kontrolle über den Ball und kannst die Flugball besser beeinflussen. Der Aufschlag ist ein furchtbar komplexes Konstrukt, welches aus unzähligen kleinen Abläufen besteht. Das gesamte Konstrukt kannst du nicht analysieren. Aber kleine Stellschrauben - wie dein Handgelenk.

Die Stabilität im Körper ist sehr wichtig

Hektik und wenig Stabilität im gesamten Körper lassen dich beim Aufschlag zusammenfallen wie ein Kartenhaus, aus dem man zwei wichtige Karten enfternt. Bogenspannung und Stabilität hingegen sorgen für eine ruhige Balance. Wenn du merkst, dass du beim Aufschlag oft zu chaotisch wirst, beginne deinen Wurfarm länger oben zu halten.

Der Arm, mit dem du den Ballwurf ausführst, sorgt für mehr Ruhe und Stabilität in deinem gesamten Bewegungsablauf. Das Gegenteil ist der Fall, wenn du den Arm schnell fallen lässt oder dieser sehr weit vom Kopf entfernt ist. Dann ist der Arm wie ein kleiner Ast in den Speichen eines Fahrrads - er blockiert deinen Ablauf.

Ich empfehle dir im Training einfach mal auszuprobieren, wie es sich für dich anfühlt, wenn du den linken Arm (wir gehen davon aus, dass du Rechtshänder bist) näher am Kopf und länger oben hältst. Du kannst dies auch vor dem Spiegel üben. Du wirst bemerken, dass deine Position in der Bogenspannung stabiler ist.

Und hier das Fazit

Ein Fazit soll die wichtigsten Punkte des Artikels kurz zusammenfassen. Da ich davon ausgehe, dass du den Artikel bis hierhin gelesen hast, möchte ich mich nicht wiederholen. Stattdessen möchte ich dir mit auf den Weg geben, dass du stets feststellen musst, welche Fehler du machst.

Landet dein Aufschlag im Netz, seitlich oder zu weit hinten im Aus? Wenn du dies festgestellt hast, kannst du beginnen, Lösungen zu entwickeln. Ein lapidares "Ach herrje, mein Aufschlag kommt heute einfach nicht" bringt dir nichts und trägt auch zu keinerlei Lösung bei.

Dreimal tief durchatmen, analysieren was der Fehler und sofort korrigieren. Ich hoffe, du kannst mit den Werkzeugen aus diesem Artikel arbeiten.

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