Tennis

Der Denkfehler im Ballwechsel

Von Marco Kühn / Tennis-Insider
Sonntag, 06.05.2018 | 11:47 Uhr
Nicht nur Stan Wawrinka weiß, wie entscheidend der mentale Aspekt im Tennis ist
© getty

Warum mache ich so viele unnötige Fehler im Ballwechsel? Was muss ich ändern, damit die Schläge nicht permanent im Aus oder im Netz landen? Hier wird euch geholfen!

Die meisten Situationen im Ballwechsel werden intuitiv gelöst. In dieser Intuition sind Abläufe installiert, die den Schlag durchführen. Solch ein Ablauf beginnt zum Beispiel mit dem Ausholen zur Vorhand, geht mit dem Blick auf den Ball weiter und endet, wenn alles einigermaßen glatt läuft, mit dem Treffpunkt vor dem Körper.

Nun hat man als Tennisspieler immer mal wieder mit Problemchen zu kämpfen, die auf den ersten Blick keine erkennbare Ursache haben. Viele Bälle fliegen nach hinten ins Aus. Der Ball wird mehr mit Rahmen als mit der Bespannung gespielt. Auch Netzfehler sind, einmal damit angefangen, scheinbar kaum zu korrigieren. Liegt es an der Tagesform? Soll es einfach nicht sein? Oder gibt es doch Möglichkeiten, wie man sich selbst im laufenden Match korrigieren kann?

Der Blick auf sich selbst

Man saugt jede Menge an Informationen zum Tennissport auf, aber man hat immer wieder große Probleme all diese Infos auch umzusetzen. Eine wirksame Veränderung und die dadurch gewünschte Verbesserung kann aber nur erfolgen, wenn man sich sensibel auf seine Probleme auf dem Platz konzentriert und nachhaltig an diesen arbeitet. Diese Probleme entstehen meist in der Vorbereitung auf die Schläge. Wer genau auf sich achtet und überprüft, wie die eigenen intuitiven Abläufe überhaupt ausschauen, der kann beginnen an den richtigen Schrauben zu drehen.

Es bringt nichts, sich zwei Stunden lang YouTube-Videos über den richtigen Treffpunkt bei der Vorhand anzuschauen, wenn das persönliche Problem gar nicht beim Treffpunkt selbst, sondern bei der Bewegung zum Ball hin liegt. Der erste Schritt sich wirksam zu verbessern ist es, sich für seine Probleme zu sensibilisieren und diese anschließend entschlossen anzugehen.

Vor dem Treffpunkt kommt die Beinarbeit

Bevor man sich überlegt, wohin man beispielsweise die Vorhand spielen will, sollte man sich überlegen, wie man sich ideal zum Ball stellt. Die Vorbereitung auf jeden einzelnen Schlag wird unterschätzt. Wenn man im lockeren Trainingsspiel ganz genau darauf achtet, wie man sich zu den einzelnen Schlägen bewegt, wird man einiges an Optimierungspotenzial feststellen. Dabei ist es gerade die Vorbereitung auf den Schlag, die den Schlag erst effizient gestalten kann.

Beobachtet man On-Court-Videos der Profis, so erkennt man ratz-fatz, dass ihre intuitiven Abläufe aus wesentlich mehr Bestandteilen bestehen als beim ambitionierten Hobbyspieler. Für einen Rafael Nadal ist es selbstverständlich viele kleine Schritte einzusetzen, früh auszuholen, die Hüfte zu drehen, den Schläger durch den Ball nach vorn zu schleudern, aus den beinen heraus zu arbeiten und sich nach dem Schlag mit schnellen Schritten wieder zurück in die Komfortzone zu orienitieren. Was simpel aussieht, ist extremer Aufwand. Aber genau hier kann sich jeder Vereinsspieler etwas für seine eigene Schlagvorbereitung abschauen.

Die folgenden Fragen helfen seine Schläge effizient zu verbessern:

  • nutze ich kleine Schritte, um mich zum Schlag zu bewegen?
  • sind meine Laufwege zum Ball richtig?
  • hole ich früh genug aus? Oder bin ich genau deswegen immer zu spät am Schlag?
  • schaue ich den Ball richtig an? Oder schaue ich mehr auf den Gegner?
  • bleibe ich beim Schlag stehen? Oder laufe ich hektisch durch den Schlag?

Jeder Spieler, jeder Schlag ist individuell und kann kaum allgemein betrachtet werden. Du musst für dich deine Probleme bei der Vorbereitung auf die Schläge herausfinden und dich in deiner sportlichen Entwicklung an diesen Punkten orientieren. Die Denkfehler, die du im Ballwechsel bei dir selbst feststellst, werden dein Tennis auf lange Sicht erheblich verbessern. Dies ist der logische Weg, um dich im Dschungel der Informationen mit einem Seil von Baum zu Baum zu hangeln.

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