Service-Corner: Entscheidungen treffen auf dem Tennisplatz - Das Selbstvertrauen als Maßstab

Von Marco Kühn
Sonntag, 18.02.2018 | 08:01 Uhr
Wawrinka trifft häufig gute Entscheidungen.
© getty

"Alles auf der Welt kommt auf einen gescheiten Einfall und auf einen festen Entschluss an." - Johann Wolfgang von Goethe.

Der Unterschied in einem engen Match fällt in der Qualität der getroffenen Entscheidungen - und die Netzkante herunter, wenn man Pech hat. Durch die verschiedenen Systeme wie zum Beispiel das LK-System in Deutschland spielst du zumeist gegen ähnlich starke Spieler.

Der eine Clubspieler hat eine bessere Vorhand, ein anderer besitzt den fiesen Slice als Waffe und wiederum ein weiterer Spieler erläuft jeden Ball und macht dabei kaum eigene leichte Fehler. In den einzelnen Schlägen und Fähigkeiten gibt es immer wieder interessante Verschiebungen der Stärken. Was aber jeder Spieler, auch du lieber Leser, als gemeinsamen Nenner auf dem Platz hat, ist die Möglichkeit kluge Entscheidungen zu treffen.

Wie spielen? Und vor allem, wann?

Spieler, die Probleme haben überhaupt Entscheidungen zu treffen, spielen meist einfach drauf los. Diesen Spielern fällt es schwer Variationen in den eigenen Aufschlag einzubauen oder das Tempo in einem Ballwechsel zu ändern. Um gute Entscheidungen treffen zu können, muss man also erstmal seine eigene Entscheidungsfreude finden und diese kultivieren.

Wenn Roger Federer mal wieder einen Geniestreich auf den Platz gepinselt hat, dann hat er in einer Millisekunde entschieden, dass er diesen Ball spielen will. Vieles läuft intuitiv ab - vor allem bei Federer. Dies liegt aber daran, dass der Maestro seine Entscheidungsfreude so sehr trainiert hat, dass diese sich aus dem Schrank der Zaubertricks spontan in entsprechenden Spielsituationen bedienen kann. Und dieser Schrank ist verdammt groß und tief.

Auch du kannst dir deinen persönlichen Schrank an Zaubertricks anlegen. Du musst dafür die zwei elementaren Fragen "Wie?" und "Wann?" beantworten. Nimmst du dann den gesunden Maßstab deines Servertrauens hinzu, besitzt du eine gute Grundlage, um die bestmögliche Entscheidung auf dem Tennisplatz zu treffen. Wie das alles auf dem Court funktionieren kann, gehen wir im nächsten Abschnitt anhand eines Beispiels durch.

4:4, 30:30 - du schlägst auf

Ein ruhiger Atem ist die Grundvoraussetzung für kluge Entscheidungen. Du wirst kaum klug denken können, wenn du vollkommen außer Atem an der Grundlinie stehst und eine ins Auge rinnende Schweißperle dir den letzten Nerv raubt. In solchen Momenten ist dein erstes Ziel ruhig zu atmen, um anschließend einen Plan im Kopf auszuhecken, den du anschließend bestmöglich auf den Platz bringen kannst.

Bei einem Spielstand von 4:4 und 30:30 steht ein Big-Point an. Deine erste Frage, die du für deinen Aufschlag nun beantworten musst, ist die Frage "Wie?". Wie kannst du bei diesem Spielstand aufschlagen? Welche Optionen stehen dir aufgrund deiner Fähigkeiten zur Verfügung? Wie sicher fühlst du dich in der aktuellen Spielsituation?

Um diese Frage zu beantworten, hilft dir immer dein Selbstvertrauen als Maßstab. Hast du in den letzten Aufschlagspielen kaum erste Aufschläge ins Feld gebracht, wäre es fatal nun hohes Risiko beim ersten Aufschlag zu gehen. Du hast damit entschieden, dass du das Risiko, über den zweiten Aufschlag gehen zu müssen, minimieren willst.

Mit dieser Entscheidung hast du die Frage nach dem "Wann?" beantwortet. Du willst beim ersten Aufschlag weniger Risiko gehen. Nun kannst du auf dieser Grundlage beginnen deine Entscheidung zu treffen. Ein erster Aufschlag mit weniger Risiko, der aber deinem Gegner trotzdem Fragen stellt, ist eine gute Lösung für die Spielsituation.

Hierfür stehen dir beispielsweise verschiedene Slice-Optionen beim Aufschlag zur Verfügung. Du kannst durch die Mitte auf Mann mit Slice aufschlagen oder vom Körper des Gegners weg. Den Slice-Aufschlag kannst du mit weniger Tempo und dadurch mit weniger Risiko spielen. Du hast auf Basis deines Selbstvertrauens und der beiden Fragen "Wie?" und "Wann?" eine gute Entscheidung getroffen.

Ein gescheiter Einfall, kombiniert mit deinem festen Entschluss, ist auch auf dem Tennisplatz die Formel für kluge Entscheidungen.

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