Wie du als kleiner Spieler mit dem Topspin deines Gegners umgehst

Von Marco Kühn / Tennis-Insider.de
Montag, 05.02.2018 | 07:25 Uhr
Diego Schwartzman
© getty

Gute Beinarbeit, schnelle Entscheidungen und ein gutes Gefühl für den Gegner: So klappt das Spiel gegen größere Topspin-Gegner.

Deine Schläge sind zu kurz. Du triffst die Kugel oft zu spät. Der Druck des Gegners erschüttert dein eigenes Spiel. Es fällt dir schwer, dein eigenes Tennis aufzuziehen und den Gegner von der Grundlinie wegzudrücken. Stattdessen bist du fast ausnahmslos in der Defensive. Je mehr Schläge dein Gegner mit seinem Topspin in einer Rallye zur Verfügung hat, desto weiter gerätst du in die Mühle. Von Schlag zu Schlag kommst in die prekäre Situation, dass du nur noch reagieren kannst. Selbst zu agieren wird für dich immer komplizierter.

Wenn du kleiner bist

Diego Sebastian Schwartzman ist das Paradebeispiel eines kleinen Spielers, der hervorragend mit dem meist hohen Topspin des Gegners umzugehen weiß. Sein Kampf in Australien gegen Rafael Nadal hat dies eindrucksvoll bewiesen. Das größte Problem, welches kleine Spieler haben, ist der Treffpunkt des Balles bei ihren Schlägen. Sie müssen stets der Falle entgehen, den Ball zu hoch zu treffen. Zu hoch bedeutet im Falle der körperlich kleineren Spieler, den Ball auf Höhe des Ellbogens, der Schulter oder gar der Kopfhöhe zu spielen. In diesen Bereichen ist der Ball, der dazu noch mit einer außerordentlichen Rotation durch den Topspin des Gegners versehen ist, kaum zu kontrollieren. Du musst viel mehr Kraft aufwenden, dein Schwung wird unterbrochen und das Gefühl für den Ball auf der Bespannung ist kaum noch vorhanden.

Das Resultat zeigt sich dann in Schlägen, die nur knapp an die T-Linie reichen und deinem Gegner alle Möglichkeiten eröffnen das Spiel zu dominieren. Du läufst Gefahr in den Ballwechseln nur noch hinterherzulaufen, was frustrierend ist und dich all deiner spielerischen Stärken beraubt.

Ausgleichende Gerechtigkeit

Als kleinerer Spieler hast du aber Vorteile, die groß gewachsene Spieler meist nicht haben - es sei denn, sie heißen Nick Kyrgios. Kleinere Spieler wie Diego Sebastian Schwartzman verfügen über eine Beinarbeit, die sie perfekt zu einem Ball stellen lässt. Leider sind viele kleinere Spieler oft nicht in der Lage, diese Stärke strategisch klug einzusetzen. Sie verhaspeln sich in vielen kleinen Schritten, die aber nicht effektiv sind. Besonders gegen Gegner, die mit sehr viel Topspin ihren Weg zum Erfolg suchen, ist diese Beinarbeit der Kniff zur Lösung des Rätsels.

Kleine und flinke Schritte, dazu ein von Natur aus tieferer Körperschwerpunkt sind Vorteile, die kleine Spieler nur richtig einsetzen müssen. Dazu muss das Problem, den Ball nicht zu hoch zu treffen, mit eben dieser Beinarbeit gelöst werden. Dazu muss der kleine Spieler sich bei jedem Ball immer für eine von zwei Möglichkeiten entscheiden. Entweder will er den Topspin-Ball im Aufsteigen spielen oder im Fallen. Für den kleineren Spieler ist diese Entscheidung unglaublich wichtig, da er auf Basis dieser Entscheidung seine Beinarbeit einsetzen kann.

Vor oder zurück?

Ein gutes Gefühl für den Schlag des Gegners ist wichtig, um sich gut zum Ball stellen zu können. Gerät der Schlag des Gegners trotz viel Spin zu kurz, kann der kleinere Spieler dies nutzen und sich entweder nach vorn orientieren, um den Ball im Steigen zu nehmen, oder nach hinten. Verharrt er in seiner neutralen Position an der Grundlinie, besteht die Gefahr, dass der Ball aufgrund des Spins unangenehme Höhen erreicht - selbst wenn die Länge des Schlages nicht optimal war.

Die Entscheidung, ob der Ball aggressiv oder eher defensiv gespielt werden will, sollte aus reiner Intuition heraus getroffen werden. Ohne groß nachzudenken, dafür fehlt schlicht die Zeit. Denn nach dem eigenen Schlag beginnt der zweite Teil der Beinarbeit, der mindestens ebenso wichtig ist wie das Positionieren zum Schlag.

Um dem Gegner kein festes Ziel zu bieten, kann der kleine Spieler seine starke Beinarbeit nutzen, um sich so schnell wie möglich nach seinem Schlag wieder in die Mitte des Platzes, seine Komfortzone, zu bewegen. Dies ist für den Gegner, der im Augenwinkel immer einen Schatten auf der anderen Seite sieht, ein kleiner mentaler Wirkungstreffer. Auf diese Weise hat der kleinere Spieler gar die Möglichkeit, die Räume für den nächsten Schlag des Gegners klein zu halten. Kein festes Ziel zu bieten ist strategisch nie falsch.

Fazit

Kleinere Spieler mögen Nachteile beim Aufschlag haben, aber keinesfalls in den Ballwechseln. Sobald sie verstanden haben, dass ihre Körpergröße auch große Vorteile mit sich bringt, können sie diese Waffe schärfen. Die Bewegung zu den Schlägen hin ist für die Qualität des Schlages immens wichtig. Hier haben kleinere Spieler klare Vorteile, die sie gerade in langen Rallyes für sich nutzen können, um den Spin des Gegners mitzunehmen und für sich zu nutzen.

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