Tennis

Kreativ und effektiv: Der Stopp

Von Marco Kühn / Tennis-Insider.de
Roger Federer
© getty

Wenn du mal wieder zu viel Schläge zur Auswahl hast - warum versuchst du's dann nicht einfach mit dem Stopp?

Du sitzt in einem italienischen Restaurant und schaust auf die Speisekarte. Dein Hunger hat dich bereits bis zu Gericht Nummer 74 geführt. Bei Gericht 34 und 35 konntest du dich nur schwer entscheiden. Nun, bei der Nummer 74, hast du ein gutes Gefühl.

Ein Blick reicht dir allerdings, um zu sehen, dass es noch drei weitere Seiten auf der Speisekarte gibt. Du blätterst weiter, bis du auf der letzten Seite angekommen bist. Verwirrt und entnervt schlägst du die Speisekarte wieder zu und bestellst einfach eine Pizza Margherita.

Dein Gegner kratzt deinen Rückhand-Cross aus der hintersten Ecke des Platzes. Sein Ball schleicht sich, beinahe einschläfernd, in dein T-Feld. Während sich der Ball in der Luft befindet, schaust du kurz zu deinem Gegner rüber. Er orientiert sich langsam zurück Richtung Platzmitte. Der Ball tippt in deinem T-Feld auf, du holst aus - und hast dasselbe Problem wie im Restaurant.

Du weißt nicht, was du tun sollst, weil du eine viel zu große Auswahl hast. Was im Restaurant die unzähligen Gerichte auf der Speisekarte waren, sind auf dem Tennisplatz deine Optionen in bestimmten Spielsituationen.

Spielst du den Ball gerade oder mit Spin? Mit viel oder wenig Risiko? Cross oder Longline? Kurz-cross? Oder doch lieber knallhart durch die Mitte? Spielst du gegen den Lauf des Gegners oder in die freie Ecke? Dies sind sechs Fragen, die du innerhalb weniger Sekunden für dich beantworten musst. Ganz schön viele Fragezeichen für eine solch kurze Zeit, oder? Wie wäre es, wenn du dich einfach mal für die simple Lösung, die Pizza Margherita, entscheidest? Diese simple Lösung ist auf dem Platz der Stoppball.

Idee Nummer 1: Die Abkürzung

Bleiben wir bei der eben beschriebenen Spielsituation. Du stehst einen Meter hinter der T-Linie, holst zur Vorhand aus und hast noch keine Idee, was du mit dem Ball eigentlich anfangen willst. Eine Abkürzung, um aus diesem Dschungel der Fragen herauszukommen, ist der Stopp. Dazu ist der Stopp in einer solchen Situation nicht nur eine simple, sondern auch effektive Lösung.

Dein Gegner befindet sich zumeist weit weg von der Grundlinie und ist von dir zuvor in eine Ecke gedrängt worden. Dies gibt dir die Möglichkeit, den Stopp gegen die Laufrichtung deines Gegners zu spielen. Der Ball deines Gegners trudelt langsam und hoch oder halbhoch auf dich zu. Du hast also genug Zeit, um deinen Gegner und dessen Position auszuspionieren und den Stopp anzusetzen.

Idee Nummer 2: Die Überraschung

Es steht 4:4 im ersten Satz. 15:15. Dein Gegner serviert. Sein erster Aufschlag bleibt an der Netzkante kleben. Du hast bisher die zweiten Aufschläge deines Gegners aggressiv attackiert und ihn direkt vom Return weg unter Druck gesetzt. Wie wäre es mit ein wenig Sahne auf dem Törtchen? Eine kleine Überraschung, die dein Gegner noch nicht kennt?

Ein Stoppball auf den zweiten Aufschlag deines Gegners sollte dabei kein improvisierter, sondern ein geplanter Schlag sein. Noch bevor dein Gegner seine Aufschlagbewegung zum zweiten Aufschlag beginnt, muss dein Plan feststehen. Denn du musst dem Stoppball folgen. Auf diese Weise verkürzt du den Winkel für deinen Gegner. Bleibst du nach deinem Stoppball an der Grundlinie, kann dein Gegner den Stopp kurz-cross schieben, einen Gegenstopp spielen oder sogar den Ball lang in deine Ecke schubsen. Nimm deinem Gegner diese Möglichkeiten und folge konsequent deinem Stoppball nach vorn.

Idee Nummer 3: Die Notlösung

Wenn du in der Defensive bist, befindest du dich weit hinter der Grundlinie und bist am Laufen. Von links nach rechts. Dann wieder nach links. Und dann wieder nach rechts. Für dich ist es in solchen Spielsituationen unglaublich schwer, den Ballwechsel in eine für dich bessere Richtung zu lenken. In eine Richtung, die dich wieder näher an die Grundlinie bringt. Was wäre eine Notlösung in einer solchen Situation?

Du läufst einfach direkt nach vorn, ans Netz durch. So entkommst du dem Hamsterrad, indem du dich weit hinter der Grundlinie befindest und dort deine Kraftreserven verbrauchst. Ein Stoppball aus der Defensive heraus bricht den Rhythmus des Ballwechsels. Gleichzeitig holst du deinen Gegner aus dessen komfortablen Position, vermutlich nah an der Grundlinie, heraus. Diese Notlösung ist mit Risiko versehen, birgt aber dennoch einige gute Optionen für dich, um aus einer eh schon sehr komplizierten Spielsituation einen Ausweg zu finden.

Der Stoppball ist in vielen Spielsituationen eine kreative und effektive Lösung. Setzte diese Lösung aber nicht zu oft in einem Match ein. Dein Gegner wird von Stoppball zu Stoppball besser erkennen, wann du diese Lösung einsetzen willst. Für einen gelungenen Überraschungseffekt und eine weitere Option in deinem Schlagrepertoire ist der Stopp eine hervorragende Möglichkeit dein Spiel zu bereichern.

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